Jordanien Trail Wadi Rum 26.10. bis 04.11.

Jordanien Trail Wadi Rum 26.10. bis 04.11.

Beitragvon admin » 04 Mär 2013, 17:44

Jordanien Wadi Rum Trail 26.10. bis 04.11.2012

Es ist Ende Oktober und es beginnt in Deutschland kalt und ungemütlich zu werden. Umso größer ist der Genuss, die Wärme der jordanischen Sonne auf der Haut zu spüren.

Mein Freund und ich werden vom Flughafen Amman abgeholt und ins Mosaic Hotel in Madaba gebracht. Vor dem Abendessen haben wir noch ein bisschen Zeit, uns auf eigene Faust die Stadt anzuschauen. Angekommen in einer doch für mich fremden und geheimnisvollen Welt, lasse ich die vielen Eindrücke auf mich wirken. Männer gekleidet in ihren traditionellen Roben, dem Thob und der Hatta auf dem Kopf, der jordanischen Kopfbedeckung in schwarz-weiß oder rot-weiß. Einige Frauen, komplett verhüllt in schwarzer Kleidung, nur die schönen, dunklen Augen sind zu sehen. Was sich wohl darunter verbirgt? Aber auch das hektische Geschäftsleben hat schon ein wenig in Madaba Einzug gehalten. Denn auch Männer mit Anzug und Krawatte, die Aktentasche unter den Arm geklemmt, überqueren die Straße. Wir besuchen die Kirche und das Heiligengrab Johannes des Täufers und mir wird jetzt klar, dass ich mich auf biblischem, heiligem Boden befinde. Über diese Dinge liest man immer nur und nun stehe ich hier.

Es geht natürlich nicht lange, bis wir an einem Shop vorbeikommen, in dem es die rot-weißen Hattas zukaufen gibt. Na, da gibt es nicht viel zu überlegen-die müssen natürlich mit. Beim Abendessen lernen wir die erste Mitreiterin kennen-eine nette Französin. Den Rest der Gruppe lernen wir erst später direkt vor Beginn des Trails kennen. Die Nacht ist kurz. Das geheimnisvolle Stimmengwirr vor dem Fenster unten auf der Straße und das arabische Flair tragen ihren Teil dazu bei. Ich bin doch etwas aufgeregt und als der Muezzin um 4:30 Uhr ruft, falle ich vor Schreck fast aus dem Bett und die Nacht ist endgültig vorbei. Am nächsten Morgen werden wir von Jehad abgeholt. Wir machen einen kurzen Abstecher in die Mosaic School, wo die wunderschönen Mosaikbilder noch in Handarbeit hergestellt werden und fahren zum berühmten Berg Nebo. Beim Gedanken, dass hier Moses gestorben sein soll, bekomme ich Gänsehaut und mein Blick schweift verträumt über das besagte gelobte Land.

Der Ausblick ist herrlich und unten in der Ebene erstreckt sich in einem wunderschönen Blau das Tote Meer. Auch wenn sich hier oben doch sehr viele Touristen befinden, verliert dieser mystische Ort keinesfalls seinen Zauber. Wir fahren weiter zum Toten Meer. Völlig neugierig laufen wir zum Ufer. Das Wasser ist angenehm warm. Der Salzgehalt so hoch, dass das Wasser fast eine ölige Konsistenz bekommt. Mit dem jordanischen Reiseführer bewaffnet, schreite ich zur Tat, um das obligatorische Bild zu bekommen: Ein Buch lesen, ohne unterzugehen. Es funktioniert doch tatsächlich. Unbelehrbar wie ich bin, versuche ich trotz Warntafel ein Stückchen zu schwimmen, was ich aber sofort einstelle, als es mir durch den hohen Salzgehalt sofort die Beine Richtung Himmel klappt und ich es gerade noch hinbekomme, mit dem Gesicht nicht unterzutauchen. Man, muss ich denn immer alles in Frage stellen?

Die Steine am Ufer sind von einer dicken, weißen Salzkruste umhüllt, diese kleinen Naturwunder glänzen im Sonnenlicht und bringen mich lächelnd zum Staunen. Ich befinde mich nun also wirklich am tiefsten Punkt der Erde. Genau 422 Meter unter dem Meeresspiegel. Wir dürfen planschen so lange wir wollen, Jehad wartet unterdessen geduldig, und als wir fertig sind, haben wir riesigen Hunger. Wir bekommen ein Lunch Paket, dass wir auf der Weiterfahrt Richtung Süden genussvoll verschlingen.

Wir kommen in höhere Regionen. Die Landschaft wird felsiger und präsentiert sich uns von ihrer allerschönsten Seite. Ich kann es kaum erwarten ein Foto zu machen, aber Jehad sagt: „Wartet noch, es wird noch viel schöner.“ Oben an einem Aussichtspunkt angekommen, steigen wir aus. Wahnsinn, welch ein Ausblick!! Einfach traumhaft.

Wir fahren weiter zur Kreuzritterburg Shawbak, die wohl älteste in diesem Gebiet. Die dicken, groben Mauern lassen erahnen, wie rauh und gnadenlos das Leben damals gewesen sein muss. Wir dagegen turnen beschwerdefrei in allen möglichen Gängen herum und haben einfach grandiosen Spaß. Am Abend erreichen wir Wadi Musa, einen Ort direkt neben dem wunderschönen Weltkulturerbe Petra.

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Unser Guide Abdullah soll uns an nächsten Morgen um 7:00 Uhr abholen. Wir stellen das Handy, das morgens pünktlich um 6:00 Uhr klingelt. Eine viertel Stunde später klopft es an der Tür und die nette Französin fragt ganz vorsichtig: „Ist alles ok bei Euch?“ Etwas durcheinander sage ich: „Klar, warum fragst Du und warum bist Du eigentlich schon fertig?“ „Ähm, es ist jetzt 7:15 Uhr und der Guide steht bereits schon unten im Empfang.“ Ich lache herzlich und meiner Sache noch ganz sicher meine ich: „Nein, es ist doch erst viertel nach Sechs!!“ Sie hatte leider Recht. Unser Handy steht auf automatisch und hat einfach die Uhrzeit umgestellt. Oh, wie ungünstig und dann diese Panik im Zimmer!!
Endlich kommen auch wir unten im Empfang an und unser Guide ist uns zum Glück nicht böse.

Wir erreichen das Visitors Center, den Eingang zu Petra. Mit großer Bewunderung laufen wir durch den 1200m langen, schmalen Siq, der von bizarren, riesigen Felswänden, die links und rechts steil empor ragen, geformt ist. Am Ende des Siqs erreichen wir das bekannte Schmuckstück und aus allen Reiseführern bekannte Bildmotiv Al-Khazneh, das Schatzhaus. Von diesem Schmuckstück verzaubert überlege ich, mit welch großem Aufwand solch ein geniales Bauwerk zu dieser frühen Zeit aus dem Felsen geschlagen werden konnte. Das Bild wird durch die bunt geschmückten Kamele, die auf dem großen Platz davor geduldig liegen noch vollends perfekt. Ca. 1,5 Stunden später überlässt unser Guide uns selbst und wir machen uns auf den Weg zum Ad Deir. 800 Stufen geht es steil bergauf. Immer wieder kommen uns auf dem Weg nette Esel entgegen. Die großen Ohren wackeln im Takt, wenn Sie geschickt die Treppen hinunter traben. Sie wissen Ihren Job zu tun, transportieren die Touristen tapfer die vielen Stufen hinauf und kommen alleine wieder hinunter.

Wir hingegen laufen brav selbst hinauf. Schweißtreibende Geschichte, aber oben angekommen werden wir redlich belohnt. Vor uns steht in roten Sandstein gehauen der Felsentempel Ad Deir. Die Sonne lässt das Gebäude in den schönsten Farben erstrahlen und wieder einmal bin ich total fasziniert. Wir nehmen natürlich noch mit, was nur irgendwie geht, die Königsgräber, das Theater und das Obelisk Grab. Bis wir total platt am Abend wieder unseren Guide wieder treffen.

Auf dem Weg zu unserem Treffpunkt sehen wir noch einige wunderschöne Pferde, geschmückt mit diesen typisch arabischen Bommeln in allen möglichen Farben. Und da schießt uns natürlich sofort ein genialer Gedanke in den Kopf: „Eye, so was brauchen wir auch noch!“ Unser Guide muss also dran glauben, aber wo bekommt man so was? Er ist erstmal komplett überfordert, aber wir lassen nicht locker. Der Arme klappert einen Shop nach dem anderen ab. Am Ende landen wir in der Garage eines alten Beduinen, irgendwo im hintersten Winkel von Wadi Musa. Das alte Männchen denkt bestimmt, diese verrückten Touris, ist uns aber egal und wir strahlen über beide Ohren, als wir das Erhoffte erblicken und gehen glücklich zum Hotel zurück.

Am nächsten Morgen wird es ernst, ein Fahrer holt uns ab und wir machen uns auf den Weg zur Wadi Rum. Nach ca. einer Stunde Fahrt erblicken wir einen Jeep am Straßenrand, daneben steht ein schick gekleideter Beduine in weißem Thob und Hatta. Es ist Mufleh, der Besitzer des Stalles, der uns hier abholt, denn man braucht eine Genehmigung, um in die Wadi Rum zu kommen. Wir steigen um und ich werde immer aufgeregter. Gleich geht es los und ich bin doch schon so gespannt auf mein Pferd. Wir steigen aus und bekommen erst mal noch ein Pärchen aus Belgien vorgestellt. Mufleh stellt uns seinen Bruder Faleh vor, er ist unser Guide für den Trail. Ich bekomme einen Fuchs zugeteilt, Amir ist sein Name. Voller Freude steige ich in den Sattel und bin mir nach ein paar Minuten schon sicher, dass die Chemie stimmt.

Amir ist ein Angloaraber, wie man mir sagt und hat im linken Ohr einen langen Schlitz, den ihm wohl ein Hund zugefügt hatte, mit dem Amir fälschlicherweise spielen wollte. Ich schmunzle beim Anblick und Amir ist jetzt schon mein Schlitzohr. Ja, und Schlitzohr würde mir noch viel Freude bereiten, wie sich später herausstellen sollte. Und los geht's, mit ziemlich flottem Schritt. Lautlos bewegen wir uns im weichen, gelb gefärbten Wüstensand. Ein Jeep kommt uns entgegen und ich muss lachen, ja da rennt doch tatsächlich ein Kamel neben her? Lustig wirft es die Beine in alle möglichen Himmelsrichtungen. Ich kann es kaum fassen, aber dieses Kamel wird gerade für ein Kamelrennen trainiert.

In der Ferne kann man schon die tollen Felsformationen erkennen, die uns den ganzen Trail über begleiten werden. Und davor tummeln sich kleine Gruppen Dromedare und knabbern friedlich an dem verdorrten Wüstengestrüpp herum. Um die Tiere nicht zu beunruhigen reiten wir in großem Bogen drum herum. Ein herrliches Farbenspiel zeigt sich uns. Von der Sonne angestrahlt erscheinen die Felsen in einer warmen, zimtigen Farbe, im Kontrast hierzu der goldgelbe Sand und der stahlblaue Himmel.

Wir sind eine nette Gruppe und bald merken wir, dass unser Guide ein richtiger Spaßvogel zu sein scheint, bei dem man wirklich nie weiß, wann er es ernst meint und wann nicht. Unweit von uns, fahren zwei Jeeps vorbei, voll beladen mit Matratzen auf dem Dach, vielen blauen Fässern und Heu. Es fährt also gerade unser Camp vorbei, mit allem was man in der Wüste so braucht, für Mann und Maus.

Unser Camp Team besteht übrigens wie schon erwähnt aus Faleh, unserem Guide, Hassan dem Koch und dem kleinen Abdelmajid, der für das Wohl der Pferde verantwortlich ist. Nach einem gemütlichen Lunch, den unser Koch Hassan mitten in der Wüste fein zaubert, reiten wir zu unserem ersten Camp für die Nacht. Wir bringen den Pferden Wasser und Heu. Dann bekommt jedes einen Sack mit Kraftfutter umgebunden, den wir den Pferden hinter den Ohren festmachen. Schlitzohr freut sich schon und schlüpft freudig mit seinem weichen Maul hinein in den Sack. Wir entscheiden uns alle unter freiem Himmel zu schlafen und jeder schnappt sich eine Matratze. Es gibt ein romantisches Lagerfeuer und nun sitzen wir mitten in der Wüste, welch ein Hammer.

Als es dunkel ist, nimmt uns Faleh mit auf einen Fels und sagt: „Setzt euch hin und dann will ich 5 Minuten nichts von Euch hören.“ Erst denke ich, was will er denn jetzt? Wir tun es brav und haben ein megageniales Erlebnis. Denn es ist absolut still, man hört nichts - nur eine phantastische Stille. Noch nie in meinem Leben habe ich solch eine Stille erlebt.

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Müde kuscheln wir uns kurze Zeit später in unsere Schlafsäcke. Das Schnauben der Pferde wiegt mich in den Schlaf. Am nächsten Morgen bin ich als Allererste wach und krabble wieder auf den kleinen Fels. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen und ich erwarte sie voller Freude. Mein Schatz ist mittlerweile auch aufgewacht und gesellt sich zu mir. Die Sonne steckt die Nase langsam hinter den Felsen hervor und schon sind die vielen tollen Farben wieder da. Zum Frühstück gibt es leckeres Rührei, Fladenbrot, Quark und frische Kräuter. Und natürlich den leckeren süßen, schwarzen Tee mit feinen Salbeikräutern. Der wird übrigens lieblicher Weise Bedouin Whisky genannt. Wir satteln die Pferde und nun werden die gekauften Bommeln montiert. Stolz wie Bolle sitze ich also nun auf meinem geschmückten, arabischen Schlitzohr. Die Landschaft wieder traumhaft, man ist nur am Staunen - wie kann eine Wüste nur so wunderschön sein?

Wir formieren uns immer zu zweit nebeneinander und dann wird getrabt und dann kommt der Galopp. Wir traben bestimmt 5 Minuten am Stück. Ich darf mit Amir ganz vorne reiten, coole Sache. Amir findet dass zu langsam und versucht anzugaloppieren, doch Faleh verweist mich sofort wieder in die niedrigere Gangart. Wir traben immer noch und ich denke mir, also unsportlich darfst Du hier nicht sein. Dann geht es über in den Galopp. Hui, da kommt ganz schön Power von da unten. Ich fliege nur so dahin und habe das fette Grinsen in mein Gesicht gemeißelt. Man ist das schön. Amir ist eines der Sorte Pferd, dass bei jedem Galoppsprung schnaubt und es fühlt sich gerade so an, als ob mein Herz freudig mitschnaubt. Wir galoppieren flott, aber nie lassen wir die Pferde voll laufen, denn Faleh möchte alles unter Kontrolle haben und kein Risiko eingehen. Ich genieße in vollen Zügen und würde natürlich zu gerne ausprobieren, welche Beschleunigung noch so in meinem Schlitzohr steckt. Aber es ist auch so super und ich muss mich konzentrieren, denn Faleh sagt immer nur left oder right wenn wir an eine Abzweigung kommen. Einmal träume ich und verpasse fast die Abfahrt - was zur Folge hat, dass natürlich alle lachen.

Ein anderes Thema, das uns immer wieder zum schmunzeln bringt, ist der kleine Abdelmajid. Sein Alter ist schwer einzuschätzen, 15 Jahre vielleicht. Wie schon erwähnt, sein Job sind die Pferde. Und wenn da irgendwie eine Arbeit anfällt oder etwas nicht stimmt, rennt er auch sofort dort hin, falls er nicht schläft, aber diese Stelle kommt später. Wenn es aber zu kompliziert wird und die Verantwortung übermächtig zu werden scheint, wie die gewaltigen Felsriesen um uns herum, dann schreit es plötzlich aus Richtung der Pferde: Faaaaaleeeh! Die Chance war so ca. Fivty-Fivty.

Als wir später beim Lunch sitzen, kommt eine riesige Ziegenherde vorbei. Sie sind ganz auf sich alleine gestellt und tingeln zufrieden durch die Wadi Rum. Wir machen ein kleines Nickerchen, bis wir, bestimmt eine halbe Stunde später, von einem lauten „Mäh“ einer Ziege geweckt werden. Jetzt sind die immer noch da, denke ich. Falsch gedacht, es ist nur noch eine Einzige. Irgendwie hat das eine Exemplar den Anschluss verpasst und schreit nun kläglich nach seiner Herde. Hassan grinst und zeigt Richtung Horizont. Dort hinten, schon ziemlich weit weg, waren die anderen. Er überlegt nicht lange, fängt das Tier ein und bindet ihm die Beinchen zusammen. Ich, der absolute Tierliebhaber, beginne schon innere Panikattacken zu bekommen. Der wird doch nicht...ich meine der hat doch nicht vor uns morgen Ziege zum Abendessen zu servieren oder? Mir wird so was von heiß. Aber wie sich zum Glück herausstellt ganz umsonst. Hassan packt das Zicklein auf den Jeep und fährt sie tatsächlich zu ihrer Herde zurück.

Wir brechen auf und sind nur noch ca. 10 km von der saudiarabischen Grenze entfernt. Mitten in der Wüste steht plötzlich unser Jeep, mutterseelen alleine. Faleh steigt ab und versucht zu starten, aber das Teil macht keinen Zucker mehr. Naja, ganz ehrlich, der hat auch wirklich schon etliche Jahre auf dem Buckel und man wundert sich, dass er überhaupt noch fährt. Mit offenem Vergaser, also ohne Luftfilter, fährt es sich wohl auch nicht so toll, dass ist sogar mir als Frau klar, aber die Locals schwören drauf. Wir lassen das Teil also stehen und reiten zum nächsten Camp. Heute ist es schon dämmrig als wir ankommen. Und unsere Gruppe wird erweitert um zwei liebe, deutsche Journalistinnen, die einen Bericht über das Reiten in Jordanien machen wollen. Wir schnappen uns eine Karaffe voll Wasser und gönnen uns eine Katzenwäsche. Wie man doch auch eine solche Art von Dusche genießen kann. Das Camp liegt heute idyllisch eingebettet in eine kleine Felslandschaft. Die Jungs reparieren den Jeep und bringen ihn später zum Camp. Wir suchen uns ein nettes, kuscheliges Schlafplätzchen auf einem Felsvorsprung. Abenteuer pur. Die Nächte sind trotz der Jahreszeit noch sehr mild und es ist mir fast noch zu warm in meinem Schlafsack.

Am nächsten Tag starten wir wieder bei strahlendem Sonnenschein. Amir und ich sind schon ein richtig gutes Team, er nimmt brav das Gebiss an und geht verblüffend schön in Anlehnung. Macht also echt Spaß. Trotzdem muss man auf der Hut sein, dass er vorne nicht Gas gibt und plötzlich davonbraust. Wir reiten zu einem der kleinen Naturwunder, der Felsbrücke Um Fruth. Am Nachmittag reiten wir nochmals los und steigen mit den Pferden auf einen Berg hinauf. Zuerst ist alles noch sandig, bis wir eine großflächige Felsplatte erreichen. Wir steigen von unseren Pferden. Faleh sagt: Ein paar gehen den letzen Rest zu Fuß und die anderen halten derweil die Pferde. Wir krabbeln also die letzten Meter zu Fuß. Mir stockt der Atem, ich stehe auf einem Fels, mir zu Füßen liegt ein fesselnder Anblick. Die Wadi Rum - ein Meer aus gigantisch vielen Felsformationen, so weit das Auge reicht, eingebettet in feinen Sand. Die Abendsonne lässt die Farben warm und weich erscheinen und zwischen den Felsen puffelt sich weißer Dunst, wie Watte um die Felsen.

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Der Ausblick ist so zauberhaft schön, dass ich den Tränen ziemlich nahe bin. Als die anderen von unten fragen, wie es denn da oben so ist, kann ich nicht antworten. Es hat mir doch buchstäblich die Sprache verschlagen, was in meinem täglichen Leben nicht wirklich oft vorkommt. Ich bringe kein Wort heraus, stattdessen klopfe ich auf meine Oberschenkel und ringe nach Worten. „Du brauchst nichts zu sagen“, sagt Faleh und grinst: „Ich weiß, wie du dich da oben gerade fühlst.“ Völlig überwältigt von der Schönheit dieser Natur klettere ich hinunter und nehme mein Schlitzohr zur Hand. Ich führe ihn ein Stückchen nach vorne und bekomme so auch von hier unten einen Teil dieser faszinierenden Wüste mit. Es scheint, wie wenn Amir in diesem Moment wissen würde was ich fühle und stellt sich stolz mit erhobenem Kopf neben mich und schaut bewegungslos in die Ferne. So, jetzt ist es endgültig zu viel und eine dicke Träne kullert mir über das Gesicht.

Zurück auf der Ebene geht es mit flotten, langen Trabstrecken zurück zum Camp am Fuße der riesigen Felswand. Aber es ist noch lange nicht Schlafenszeit. Es gibt leckeres Essen, das Hassan mit Liebe zubereitet, Lagerfeuerromantik und Gesang. Von original jordanischer Musik bis hin zu: When I look in to your eyes, I can see the sunrise, alles dabei. Es ist superlustig und das Gelächter ist natürlich riesengroß. Hier scheint die Zeit einfach ein Stück weit stillzustehen, kein Stress, keine Hektik. Das Leben einfach genießen.

Müde und zufrieden wackeln wir zu den Matratzen, kuscheln uns wieder in unsere Schlafsäcke und schlafen rasch ein. Bis ich nach einiger Zeit von einem komischen Geräusch geweckt werde. Dong, Dong, Dong macht es immer wieder. Ja, Allah, was ist denn dass? Ich schlüpfe aus meinem Schlafsack und mit Taschenlampe bewaffnet schleiche ich in Richtung Jeep. Ein bisschen mulmig ist mir schon. Hier müsste es irgendwo sein. Oh nein, kann ich da im Dunkeln ein geschlitztes Ohr erkennen? Ja, war ja klar, Amir, die Kette mit dem Eisenpflock hinter sich herziehend, wie ein kleines Gespenst, macht er sich an dem getrockneten Gras auf dem Jeep zu schaffen. Jetzt sind auch die anderen wach, naja, alle außer denen, die man bräuchte. Der Kleine schläft seelenruhig und bekommt überhaupt nichts mit. Wir wecken ihn und er haut schlaftrunken den Eisenpflock wieder in den Boden.In dieser Nacht sind insgesamt nochmals drei Pferde los - der Wüstensand kann die Pfähle nicht halten.

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Etwas gerädert von den nächtlichen Aktionen geht es trotzdem morgens vergnügt weiter. Wir reiten durch den Barrah Canyon. Steile, senkrechte in die Höhe ragende Felsgiganten. Immer wieder kann man Kletterer erkennen, die irgendwo in den gigantischen, glatten Steingebilden hängen und uns von da unten nur wie kleine Punkte erscheinen.

Unser Schlafplatz ist heute auf einem Felsplateau. Es ist Vollmond und wir liegen schon alle im Schlafsack, als Faleh mit seinem ganzen Bettzeug auch oben erscheint. Er trägt eine weiße Pumphose, weißes Hemd und springt zwischen den Schlafsäcken herum. Erst kontrolliert er, ob auch alle einen sicheren Schlafplatz haben und keiner des Nächtens vom Fels runterpurzeln kann. Dann fällt ihm auf, dass er sein Kopfkissen irgendwo auf dem Weg nach oben verloren hat. Er hüpft also weiß bekleidet im Vollmond da oben herum und sagt immer auf's Neue: „Where is my pillow, oh, I lost my pillow, do you have my pillow?“ Das war's dann mit schlafen, ich fange an zu lachen und kann mich nicht mehr beruhigen. Angesteckt von mir, geht das Gelächter reih um und alle haben einen richtigen Lachanfall. Gefühlte Stunden später schlafen wir ein. Am nächsten Morgen wache ich früh auf, und kann den imposanten Aufgang der Sonne bewundern. Welch geniales Schauspiel und das sogar von meinem Schlafsack aus. Heute kommen wir vorbei an den berühmten Annafishiyyah Inschriften. Mit großem Staunen begutachte ich die Zeichnungen auf dem Felsen, schön dass uns solche Dinge erhalten blieben, denke ich und kurz danach kommen wir zum Lawrence House, besser gesagt, dass was davon noch übrig ist. Betrübt wird mir klar, dass ich den berühmten Film Lawrence von Arabien ja gar nicht kenne, und beschließe dies zu Hause sofort nachzuholen.

Wir erreichen unser letztes Camp und langsam kommt ein bisschen Wehmut auf. Das Camp liegt in einem kleinen Canyon. Wir genießen ein letztes Mal das Lagerfeuer, das Schnauben der Pferde in unmittelbarer Nähe und den Bedouin Whisky. Am letzten Tag wechselt der Sand seine Farbe und wird rot. Wir stehen plötzlich auf einer großen Sanddüne. Es ist einfach so schön. Ich wiederhole mich ich weiß, aber ich muss es immer wieder und wieder sagen. Von weitem beobachte ich unseren Jeep, der mit unseren Matratzen und Gepäck bepackt Richtung Rum Village düst. Ja so langsam wird es ernst. Wir machen noch einen Abstecher im Siq Kazhali und zum Lawrence Spring.

Wir galoppieren ein letztes Mal, ein letztes mal höre ich das Schnauben von Amir im Galopp, ein letztes mal die Kraft unter mir spüren, die mir sagt komm lass mich laufen, ich kann doch noch viel schneller. Ja, ich habe mein Schlitzohr richtig ins Herz geschlossen und der Abschied fällt mir alles andere als leicht.

Mach's gut Amir und pass auf Dich auf!!

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Kirsten Roggenstein 25.12.2012
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