Wanderritt zu den Schlössern der Loire

Wanderritt zu den Schlössern der Loire

Beitragvon Acacia » 07 Aug 2017, 21:38

Dieses Jahr habe ich meinen lange gehegten Traum verwirklicht und den Wanderritt zu den Schlössern der Loire mitgemacht.
Am Abend des 16. Juli trudelten alle Mitreiter im Hôtel de l'École in Pontlevoy ein, und bei einem wunderbaren Dîner im Gartenrestaurant lernten wir uns alle gegenseitig kennen. Unser Rittführer David und sein Gehilfe Aurélien (der das Trossfahrzeug fuhr) hatten es mit einer Gruppe von zehn Reitern zu tun: zwei französische Ehepaare, die schon mehrfach mit ihm geritten waren und sich daher bestens auskannten, vier deutschsprachige Frauen und zwei Amerikanerinnen; eine aus Texas, die andere aus Colorado. Die beiden Amerikanerinnen waren Alleinreisende, Susanne (aus der Schweiz) und ich ebenfalls. Susanne und ich hatten aber bei der Buchung angegeben, dass wir eine Zimmerteilerin suchen um dem Einzelzimmerzuschlag zu entgehen. Wir haben also während der Reitwoche unsere jeweiligen Hotelzimmer geteilt, und das hat ganz prima funktioniert, war also eine gute Entscheidung.
Am nächsten Morgen ging es zu den Pferden, die bereits fertig gesattelt dastanden und von David jedem Reiter zugewiesen wurden. Im Vorfeld hatten wir es etwas doof gefunden, dass wir die Pferde nicht selber fertig machen und sie auch nicht aussuchen konnten. Im Nachhinein muss ich aber sagen, es war völlig ok so; David hatte bei allem voll den Überblick und traf immer die richtigen Entscheidungen.
Also brachen wir auf zu unserer ersten Etappe, die uns am Schloss Fougères vorbei zum Château Cheverny führte. Meine 9j Scheckstute (ein Mix aus American Paint Horse und Araber) hörte auf den guten deutschen Namen "Vera" und war mir von Anfang an sympathisch. In so einer völlig fremden Gruppe, wo man weder die Pferde noch die Mitreiter oder den Rittführer kennt, muss man natürlich erst einmal abchecken, wie alles so laufen wird, denn von solchen gemischten Gruppen zu Hause kennt man es ja, dass das durchaus schon mal chaotisch werden kann. Hier aber nicht. Davids Pferde waren alle als Wanderreitpferde hervorragend ausgebildet. Die elf Pferde waren eine Herde und orientierten sich stets aneinander. Jedes Pferd konnte an jeder Position geritten werden, und im Schritt ritten wir auch schon mal zu zweit nebeneinander. Aber sowie getrabt oder galoppiert wurde, reihten sich die Pferde hintereinander ein und überholten niemals, auch nicht auf breiten Wiesen oder Stoppelfeldern. Dabei ritten wir meist mit durchhängenden Zügeln und ließen die Pferde einfach machen. Denn so ein Wanderreitpferd kennt seinen Job viel besser als wir Reiter. Da heißt die Devise: ausbalanciert sitzen und das Pferd nicht stören.
Das Gelände war sehr angenehm: keine Steigungen, keine besonderen Geländeschwierigkeiten; Wald- und Wiesenwege und Stoppelfelder. Die Galopps hatten teilweise ein sehr hohes Tempo (so dass drei Mitreiterinnen sagten, so schnell seien sie noch nie geritten). Ich muss sagen, ich würde mit einem eigenen Pferd auch niemals in diesem Tempo über ein Stoppelfeld reiten, weil ich Angst vor Löchern hätte, in die das Pferd treten und sich verletzen könnte. Aber diese Pferde (vorwiegend Araberkreuzungen) konnten das einfach. Sie stolperten auch schon mal, aber das machte ihnen gar nichts aus.
Natürlich mussten wir auch Dörfer und kleine Städte durchqueren und auch hier erwiesen sich die Pferde als absolut zuverlässig. Egal, ob ein Laster oder ein Motorrad vorbeifuhr, sie blieben immer ruhig und gelassen. Einmal standen wir sogar an einer geschlossenen Bahnschranke und ließen den Zug vorbeifahren; auch hier zeigten die Pferde keinerlei Unruhe.
Als wir am Schloss Cheverny ankamen, war Aurélien mit dem Trossfahrzeug bereits da und hatte alles vorbereitet: mit Stäben und Elektroband hatte er ein Paddock für die Pferde abgesteckt (die zügig abgesattelt und dorthin entlassen wurden) und für uns Reiter hatte er ein Picknick gerichtet. Bei den Mittagspicknicks gab es genau das, was man bei großer Hitze nach einem anstrengenden Ritt benötigt: viel zu Trinken, Obst, Tomaten, Salat, aber auch Brot, Fleisch und Käse. Es war stets mehr als genug da, und jeden Tag gab es kleine Variationen.
Nach dem Picknick ging es zur Schlossbesichtigung und danach, meist so gegen 17 Uhr, kam die zweite Reitetappe. Diese führte nach zwei bis zweieinhalb Stunden zum jeweiligen Nachtquartier der Pferde. Dort verstauten wir die Sättel und Trensen, und während David und Aurélien in ihrem umgebauten Pferdehänger bei den Pferden schliefen, wurden wir zu unserem jeweiligen Hotel gebracht. Aurélien hatte unser Gepäck dort schon abgeliefert, so dass wir gleich unsere Zimmer beziehen und dann zum Abendessen gehen konnten. Die Hotels waren zwar unterschiedlich, aber alle von guter bis sehr guter Qualität; das gleiche trifft aufs Essen zu. Wir waren alle bestens zufrieden, niemand hatte irgendetwas auszusetzen.
Die sechs Reittage verliefen alle nach dem gleichen Schema: Frühstück im Hotel; wir werden abgeholt und zu den Pferden gefahren; Morgenritt zu einem Schloss, dort Mittagspicknick, Schlossbesichtigung, zweite Reitetappe, dann ins Hotel zum Abendessen.
Dort an der Loire gibt es eine unglaubliche Anzahl von Schlössern; eins scheint gleich neben dem anderen zu liegen. Es gab große und kleine, prächtige und solche, die eine Renovierung benötigten, einige nur von Rasen umgeben, andere mit wunderschönen Blumengärten. Es gab alles vom kleinen Schlösschen Villesavin bis zum Prachtbau Château Chambord, welche beiden durch eine 7 km lange Allee miteinander verbunden sind.

Mein Fazit dür die gesamte Reise: es war in jeder Hinsicht perfekt. Die Organisation klappte zu 100%. David hatte alles voll im Griff und behielt auch immer seine gute Laune, obwohl am ersten Tag das Trossfahrzeug wegen eines Motorschadens ausfiel und er ein Ersatzfahrzeug besorgen musste. Und obwohl einige Tage später ein Pferd Kolik bekam und er eins seiner Ersatzpferde holen musste. Das waren für ihn sicher sehr unangenehme Dinge, aber er hat das alles geregelt ohne dass wir einen Nachteil dadurch gehabt hätten. Ich muss sagen, ich hätte niemals gedacht, wie viel an ausgeklügelter Logistik hinter solch einer Reitwoche steckt!
Das Wetter war ideal, die Pferde hätten nicht besser sein können, und einen besseren Rittführer als David kann ich mir auch nicht vorstellen. Es war wunderbar!

Gisela Bongartz
Acacia
 
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