Peru Mountaintrail – von Lodge zu Lodge

Peru Mountaintrail – von Lodge zu Lodge

Beitragvon admin » 12 Nov 2015, 17:45

Peru Mountaintrail – von Lodge zu Lodge
,,Everything is possible – nothing is for sure!“

,,Wir könne doch nicht auch noch im Urlaub reiten“ waren die Worte von meinem Mann, als der Pegasus-Reisekatalog ins Haus flog und ich ihn mit der Peru – Seite obenauf geöffnet auf seinen Frühstücksplatz legte. Zugegeben, Unrecht hatte er nicht, denn wer täglich acht Stunden im Sattel sitzt und das sieben Tage die Woche, der braucht vielleicht in dem einzigen Jahresurlaub doch mal etwas Erholsames. Aber, wie heißt es so schön?Wir haben nicht nur Hobby, sondern auch Leidenschaft zum Beruf gemacht und eine Solche Liebe zum Pferd macht auch vor Urlaub nicht Halt.

Also kurzerhand zum Telefon gegriffen, noch ein befreundetes Paar animiert, und zack – gebucht.
Meine Erwartungen? Schöne Landschaften, die Möglichkeit, ein fremdes Land auf dem Pferderücken erforschen zu können, ein paar nette Kontakte knüpfen können und – wohlgemerkt auf unsere Art und Weise Ausspannen!
Obwohl schon viel gereist war es die erste Reise nach Südamerika und auch die erste Reise zu Pferd. Meine Befürchtungen? Ausgemergelte Pferde, Guides und Mitarbeiter, die keinerlei Beziehungen zu den Pferden haben und die Pferde schlicht und ergreifend als Mittel zum Zweck sehen könnten.

Dann war es endlich soweit. Wir vier erreichten nach 21 Stunden Flug den Zielort Cusco. Aufgrund eines Streikes musste der Transfer zur ersten Lodge vorgezogen werden und so reisten wir nach zwei Tagen Sight seeing in Cusco einen Tag ehere los Richtung erste Lodge. Gegen 19.00 ging die Fahrt los, sprich, draußen war es stockdunkel. In dem kleinen Bus erwartete uns schon Jonathan. Der Guide? Nein, der Doktor. Tatsache! Ein extra für die Tour abgestellter Arzt begleitete uns, um eventuelle Unterstützung bei Höhenkrankheitsproblemen oder auch Reitunfällen unmittelbar zur Seite zu stehen. Das gibt natürlich Sicherheit und Vertrauen.

Nun ging es vier Stunden auf Busfahrt, aus Cusco raus und es wurde immer dunkler. Aber unverkennbar ging es stetig bergauf über Stock und Stein. Wir waren uns mittlerweile nicht mehr sicher, ob es gut oder schlecht war, dass wir nichts sehen konnten. Aber wir hatten ja einen Arzt dabei!

Endlich kamen wir an, konnten von der Landschaft und Umgebung allerdings gar nichts mehr erkennen. Es gab ein kurzes Briefing mit dem Guide und dann fielen wir wie die Steine ins Bett. Die restliche Gruppe sollten wir am nächsten Morgen kennenlernen.

Und als am nächsten Morgen der Wecker schellte, drang bereits das Licht der aufgehenden Sonne durch die Fenster. Neugierig warfen wir einen Blick hinaus und ... AMAZING!!! Sowas hatten wir noch nie gesehen! Glasklare Luft, wolkenloser Himmel, und um uns herum ... NICHTS... Nichts ausser Berge, Natur pur, Täler mit Bachläufen, weite Wiesen und natürlich Pferden. Freilaufenden grasenden Pferden und Mulis, die sich ihren Weg durch die Weite suchten. Und Ruhe... absolute Ruhe – kein Verkehrslärm, keine Menschenmengen, keine Spur von Zivilisation. Nur eine wunderschöne Lodge. Dann beim Frühstück lernten wir die Gruppe kennen, die uns im Laufe der Woche so sehr ans Herz wachsen sollte.Und auch schon der erste Eindruck war klasse! Supernette, sympathische Leute, alle voller Tatendrang. Unser Guide Antonio stellte die Gruppe einander vor und auch – was ich besonders beeindruckend fand, dem gesamten restlichen Team (dazu gehörten Koch und Bedienung, die 4 Pferdepfleger und natürlich der Doktor). Für jeden Einzelnen nahm er sich Zeit für die Vorstellung, nannte nicht nur Namen sondern auch sämtliche prägenden Characktereigenschaften und schuf so direkt ein freundschaftliches Verhältnis. So wurden auch diese Menschem auf Anhieb fester Bestandteil unserer ,,Kleinen Familie“.

Und dann ging es endlich ans Reiten. Jeder bekam sein Pferd zugeteilt und bei den meisten stimmte die Chemie sofort. Auch bei mir war es Liebe auf den ersten Blick. Ein kleines hübsches Füchschen namens Fausto, dem der Schalk schon ins Gesicht geschrieben war. Alle Pferde waren in einem vorbildlichen Trainingszustand und machten einen tollen Eindruck, sowie auch das gesamte Material. Dies bestätigte sich auch beim ersten Ritt. Einfach atemberaubend!!! Die Landschaft, die Stimmung, die sofort entstandene Harmonie, sowohl mit dem Pferd, als auch mit der Gruppe.
So konnte es weitergehen!!!

Schon am ersten gemeinsamen Abend begann Antonio seine Mitteilungen meistens mit ,, Ladies and Gentlemen, I’m sorry to interrupt you...“ denn ja, wir hattem eine Menge Gesprächsthemen und eine Peinliche Stille am Esstisch entstand zwischen uns nie! Zu dieser famielienähnlichen Situation trugen natürlich auch die kuscheligen und heimischen Lodges bei, in denen wirklich nur wir uns aufhielten und uns so richtig entfalten konnten. Ganz niedlich waren auch die allabendlichen Wärmflaschen am Fußende des Bettes, die zur warmen Atmosphäre natürlich auch noch beitrugen.

Am folgenden Tag stand ein Ausritt zum Gletschersee auf dem Programm mit einer anschließenden Zeremonie von dem Bergpriester Santos. Allein der Ritt dorthin war sagenhaft und bewies einmal mehr, was unsere kleinen Pferdchen alles leisten konnten. Es ging über Stock und Stein, bergauf bergab und keines der Quarter Horses zeigte Ermüdungserscheinungen oder Ausfallschritte. Die Landschaft mit Blick auf den wunderschönen Berg Salkantay schien noch überwältigender als am Vortag. Das letzte Wegstück wurde dann so steil, dass wir unsere Pferde an einem kleinen Flüsschen zurückließen, wo sie eine Menge Gras und Kräuter finden konnten. In der Gruppe ging es nun Richtung Spitze, wo Santos uns schon mit einer Flöte in der Hand und einer Melodie auf den Lippen begrüßte. Wie im Märchen ,,Der Rattenfänger von Hameln“ folgten wir ihm. Schließlich ließen wir uns in einem Steinkreis nieder, zu Füßen des Salkantayberges und am Ufer eines glasklaren, himmelblauen Gletschersees. Einfach gigantisch!

Antonio erklärte uns vorher, dass die Zeremonie etwas ganz besonderes sei und wir unsere Herzen dafür öffnen sollten. Als nicht großartig spiritueller Mensch ging ich mehr mit Neugier, als mit besonderen Erwartungen an die Sache heran – und wurde überrascht. Denn wirklich fühlte man sich danach wie befreit. Alle Alltagsängste und Sorgen waren plötzlich weit weit weg, man war auf einmal eins mit der Natur und man fühlte sich so klein zwischen der gewaltigen Natur und den imposanten Bergen, dass alles andere so unwichtig erschien. Diese Berge hatten Jahrtausende alte Geschichten gesehen und erlebt, dagegen sind wir ein Wimpernschlag im Universum. Vielleicht sollte man sich in diesem Urlaub mal nicht so wichtig nehmen und einfach nur genießen ...

Zum abschließenden Ritual gehörte ein Feuer, in dem sämtliche negative Gedanken, Sorgen, Krankheiten und Ängste verbrannt werden sollten. Und wirklich fühlten wir uns befreit! So war ein Teil des Urlaubs tatsächlich nicht nur auf der körperlichen Ebene des Erlebens, sondern ermöglichte auch einen tiefen spirituellen und kulturellen Einblick in das Leben des Volkes der Einheimischen mit ihrem Glauben an Mutter Erde und die Geister der Berge.

Mit befreitem Gefühl, als hätte man eine Last vom Rücken genommen bekommen, trafen wir uns abends am Dinnertisch und führten ein allabendliches Pisquo – Ritual ein. Jeder bekam sein Gläschen Pisquo Sour und dann ging es im Sprechchor immer nach Antonio los : ,,Arriba, Abajo, al Centro, y a dentro!“ (– So bekam auch unser eigenes Fohlen endlich einen Namen : Arriba!) Und nach ausgelassenen Tischgesprächen, Erfahrungsaustauschen oder einfach hemmungsloser Schwärmerei ging es abends müde und zufrieden ins Bett.

Nun war der Tag der Passüberquerung gekommen. Wer dachte, dass es bis hierhin anstrengend für Pferd und Reiter war, hatte sich schwer getäuscht. Los ging es bei frühmorgendlicher Kälte und Nebel, hinein in die brennende Sonne des sommerlichen Vormittags, immer höher, immer steiler, bis es langsam wieder abkühlte und windiger wurde. Auf 4800 Metern wurde dann bei Schnee und Hagel gezittert und geschlottert. Aber Antonio und seine stete Motivation ließen auch uns weiter froher Dinge sein. Jaaa er hatte Recht ,,We made it!!!“ Und so gab er uns ein stolzes Gefühl und unser Ehrgeiz wurde belohnt. Geschafft! Schnell noch ein Beweisfoto geschossen und dann folgte der nicht minder anstrengende Abstieg. Sehr sehr steile und schmale Pfade, unwegsames Gelände und rechts steiler Abhang. Also immer schön links bleiben...,,Mountainside!“ Und tatsächlich, alle tollen Pferde brachten uns sicher wieder nach unten. Meter für Meter wurde es schleichend wieder wärmer, bis wir schließlich in den Regenwald hineinritten. Und wieder wartete auf uns eine Familieneigene, wunderschöne Lodge.

Ein ,,Zuhause“ – Gefühl stellte sich ein. Uns zu Füßen lag der Regenwald, hinter uns der imposante, frisch überquerte Berg. Der Wahnsinn.

Am Nachmittag durften wir noch eine Seilbahnfahrt von Berg zu Berg über ein 400 m tiefes Tal machen. Das war noch mal ein schöner Adrenalinkick!!! Klasse!!! Und dann war er auch schon da... Der letzte Reittag. Wie die Gruppe selbst, hatten wir natürlich auch die Pferde kennen – und lieben gelernt. Der Abschied fiel schwer. Die Gruppe wurde an diesem Tag gesplittet und wir durften zum Abschied noch mal richtig durch den Regenwald ,,fliegen lassen“ was die Pferde hergaben. Wahnsinn!!!
Nun galten die letzten beiden Tage noch dem offiziellen peruanischen Highlight ,,Machu Picchu“ und seine Umgebung.Von der Regenwaldlodge aus wanderten wir 7 Stunden durch den Regenwald, erst stetig bergauf dann steil bergab durch schmale Urwaldpfade. Auf der Bergspitze angekommen erwartete uns der spektakuläre Ausblick durch den Sonnentempel der Inka auf Maccu Picchu. Antonio konnte uns während des gesamten Aufstiegs die Vegetation und Tierwelt erklären, sowie uns einen persönlichen Einblick über Leben und Kultur der Peruaner geben. Es war so fesselnd und interessant, dass die Zeit der Wanderung wie im Flug verging.Und am Abend konnten wir alle noch mehr nachvollziehen, was unsere Pferde geleistet hatten, wir hatten wirklich schwere Beine!!!

Dann... der letzte Abend...Lange saßen wir noch zusammen, um den Abschied so weit wie möglich herauszuzögern. Wir waren mittlerweile in einem großen Hotel in der Machu Picchu Stadt.Ein Schock! Was natürlich nicht an dem Hotel lag. Aber es war so laut, so viel Verkehr, so viele Menschen. Wir wollten wieder in die Berge! Dieses Gefühl, ganz alleine auf der Welt zu sein dort oben, ganz klein zwischen den Bergen und so bedeutungslos gegen die Natur – so etwas hatten wir noch nie erlebt.

Natürlich war auch Machu Picchu ein Highlight und absolut beeindruckend. Aber wir waren wieder einer unter 3000 Touris, die täglich dorthin reisen. Und wir wuselten uns durch die Menge. Fast konnten wir die Bergvölker verstehen, die in den Hängen der Berge leben und die wir auf unserer Reise beobachten konnten. Sie leben von dem, was in ihren Gärten und Feldern wächst, haben ihre Familien und ihre Tiere und sind, wie Antonio so schön sagte ,,Poor people but spirituel rich“. Wahrscheinlich hatten es hier in der Sadt viele Menschen anders herum...

Und für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar. Nicht nur als Guide gab er uns eine Menge mit auf den Weg sondern auch als Mensch. Auf unserer Reise wurden alle Menschen gleich behandelt und es gab keine Zweiklassengesellschft. Selbst der träger, der unsere Regensachen auf der Dschungelwanderung getragen hatte saß mit uns beim Essen am Tisch auf Antonios Einladung hin, wie ganz selbstverständlich und ich hatte den Eindruck, dass er sehr überrascht und erfreut darüber war. Jeder war willkommen und wurde mit Namen angesprochen, jeder hatte seine Geschichte und sein Schicksal.Egal, ob arm oder reich, jung oder alt, ganz gleichgültig welche Profession. Und das fiel mir während der gesamten Reise auf. Einfach unheimlich menschlich! Das fand ich besonders toll.

Ich denke wir konnten in der Zeit viel über uns selbst lernen. Für uns wurde noch einmal sehr deutlich, dass Geld nicht alles ist, auch in der heutigen Zeit. Viele Menschen dort hatten wirklich nur das allerwenigste, aber sie strahlten und waren glücklich und erfüllt von ihrem Leben. Das ist oft mehr, als die Erfolgsstrebenden Reichen von sich behaupten können.

Zwischen diesen Bergen in der gewaltigen Natur sind wir alle nur kleine Punkte.Vielleicht sollten wir uns alle nicht ganz so ernst nehmen...

Mir als Pferdemensch gefiel auch der Umgang mit den Pferden und auch allen anderen Vierbeinern sehr gut. Diese Leidenschaft zum Pferd könne offensichtlich weltweit die Pferdemenschen teilen.Wir sind alle vom selben Schlag, auch wenn wir am anderen Ende der Welt sind.Und dabei ist es egal, on Springen, Dressur, Western oder Andean Horses Riding. Denn Pferde geben uns ganz einfach immer, was wir brauchen.

Antonio und natürlich auch der ganze Rest der Crew gilt unser aufrichtiger Dank! Danke für diese großartige Zeit. Denn wie du schon am ersten Tag gesagt hast ,, Open your hearts, everythink is possible, nothing is for sure!“

MB
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Re: Peru Mountaintrail – von Lodge zu Lodge

Beitragvon admin » 23 Nov 2015, 11:39

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