Reisebericht Jordanien

Reisebericht Jordanien

Beitragvon admin » 04 Mär 2013, 17:11

Wir Reiter sind schon ein seltsames Volk. Wann immer wir verreisen, endlich einmal Urlaub machen, verrenken wir uns nach jeder eingezäunten Koppel, jedem noch so unscheinbaren Anzeichen für Pferde den Hals. Urlaub und Pferd verbinden - das wär's. Diesmal gehts in die Wüste von Jordanien.

Spektakuläre Wüstenberge, üppig grüne Hügel, bizarre Salzszenarien am Toten oder glasklares Wasser und überwältigende Korallenriffe im Roten Meer - das alles und noch viel mehr bietet Jordanien. Ein Land, das nicht nur mit einer atemberaubenden Landschaft aufwarten kann, sondern auch mit einer ungeahnten kulturellen Vielfalt. Wüstenschlösser, grandiose Tempelanlagen, ja sogar eine ganze Felsenstadt erwartet die Gäste, die aus aller Herren Länder anreisen, um auf den Spuren von Lawrence von Arabien die Geheimnisse dieses kleinen Königreiches zu entdecken.

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Wir beginnen unsere Reise in Amman, der Hauptstadt des Landes und dem traditionellen Ausgangsort einer jeden Jordanienreise. Amman, das sich wie Rom über sieben Hügel erstreckt, bietet den Reisenden ein reiches Angebot an Geschäften, Freizeitvergnügungen und kulturellen Sehenswürdigkeiten. Wer nicht viel Zeit für Besichtigungstouren hat, sollte zumindest den Souk, Ammans zentralen Markt, besuchen. Hier erlebt man die ganze Vielfalt, die der Orient zu bieten hat. Herrlich duftende Gewürze, sündhafte Leckereien, prächtiges Obst und Gemüse und dazwischen ein paar gackernde Hühner, Souvenirs und Schmuck - ein faszinierendes buntes Chaos, das man erlebt haben muss.

Von hier aus geht es nach Petra, dem Weltwunder aus rotem Fels. Die alte Hauptstadt der Nabatäer war Schauplatz zahlreicher Filme unter anderem auch für Steven Spielbergs Indiana Jones. Petra ist eines der großartigsten und zugleich rätselhaftesten architektonischen Wunder der Welt. Um zur Felsenstadt zu gelangen, durchquert man eine schmale Schlucht, den so genannten Siq. Bis zu 70 Meter ragen die Felswände fast senkrecht in die Höhe - an der schmalsten Stelle ist der Siq nur knappe drei Meter breit. Weil die Pferde mit ihren Hufen zu viel Staub aufwirbeln und dadurch der Gesamteindruck empfindlich gestört wird, wurden sie vor einigen Jahren kurzerhand aus der Schlucht verbannt. Somit heißt es die vielen Sehenswürdigkeiten, die Petra zu bieten hat, per pedes zu erkunden.

Die einst von ihren Beduinenbesitzern hoch geschätzten Vollblutaraber sind heute der Modernisierung zum Opfer gefallen. Geländewagen sind inzwischen das bevorzugte Transportmittel, um sicher und schnell durch die Wüste zu gelangen. Dank des Tourismus, sind Pferde zumindest nicht ganz aus dem jordanischen Alltag verschwunden. Schließlich ist eine Reise durch die Wüste mit einem Jeep lange nicht so reizvoll wie auf dem Rücken der Pferde. Und wirklich: bei keiner anderen Art zu Reisen lassen sich die die Schönheiten dieses Landes besser genießen.

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Der pferdige Teil unserer Reise beginnt mit dem dritten Tag. Nach der Pferdezuteilung und einer kurzen Phase des Probereitens, geht es los - über die alte Karawanenstraßen zum Wadi Musa, dem Mosestal und von dort zu einem Hochplateau, das einen atemberaubenden Blick auf die Gebirgskulisse aus rötlichem Sandstein, dem weit entfernten Wadi Araba und den gewundenen Schluchten von Petra bietet. Ein landschaftliches Schauspiel, das man so schnell nicht vergisst. Die Pferdegruppe setzt sich ausschließlich aus Stuten zusammen. Geritten wird auf Trense, arabische Sättel mit großer Auflagefläche sorgen für einen sicheren und bequemen Sitz des Reiters.

Ganz wie in einem Märchen aus Tausend und einer Nacht wird das Nachtlager in der Wüste unter freiem Sternenhimmel aufgeschlagen. Ausgerollte Teppiche, Schlafzelte und ein wohlig prasselndes Feuer sorgen für den nötigen Komfort. Nach dem üppigen Nachtmahl, das auf großen Silbertabletts serviert wird, werden Geschichten aus der Wüste erzählt.

Entlang den Ausläufern des Plateaus geht es in den darauf folgenden Tagen in die Tiefebene. Unzählige kleine Canyons prägen hier das Landschaftsbild. Auf der ehemaligen Route der Karawanen, die aus der arabischen Wüste nach Palästina unterwegs waren, geht es über weite Täler gen Osten. Zwischen den Bergen im Osten und dem Trockenbecken Houmaimeh liegt das Plateau Ras an-Nakab. Von hier fällt das Land abrupt 600 m tief in die von rötlichen Felsklippen und Tafelbergen durchsetzte Ebene von Quweirah ab. Eine gute Gelegenheit für die Stuten Ihre Trittsicherheit und Nervenstärke unter Beweis zu stellen - denn die Wege über glatte Felsplatten sind mitunter sehr beschwerlich. Streckenweise wird abgesessen und am langen Zügel geführt.

Der Reitrhythmus ist ganz dem Wüstenklima angepasst. Zeitig in der Früh geht es erneut auf die Reise. Gegen Mittag, wenn die Hitze am größten ist, wird den Pferden und ihren Reitern eine Pause gegönnt. Zur Stärkung gibt es traditionelle Speisen wie Falafel und Humus. Und natürlich darf der in Jordanien übliche süße Schwarztee nicht fehlen. Die Pferde werden abgesattelt und bekommen einen Hafersack um den Hals gehängt oder sie widmen sich ausgiebig dem spärlich vorhandenen Gestrüpp. Wenn gegen drei Uhr die sengende Hitze wieder etwas abnimmt, rüsten sich die Reisenden für den nächsten Abschnitt Ihrer Wanderung. Geritten wird dann bis zum Abend. So werden täglich zwischen 35 und 70 km zurückgelegt.

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Der nächste Tag bringt eine jähe Änderung im Landschaftsbild: Entlang der Beduinendörfer Disi und Menshir lassen groß angelegte Bewässerungsprogramme die Landschaft plötzlich grün und üppig werden. Auf dem weichen, trockenen Boden geht es im flotten Galopp quer über die Ebene. Jetzt sind die Araberstuten ganz in Ihrem Element. Eindrucksvoll können Sie hier beweisen, wie ausdauernd und feurig sie sind.

Etwa 50 km östlich von Aqaba erstreckt sich eine der faszinierendsten Wüstenlandschaften der Welt - das von wild zerklüfteten Granit- und Sandsteingipfeln eingefasste Wadi Rum. Entstanden ist der Landstrich um Rum im Zuge jener erdgeschichtlichen Verwerfungen, die vor etwa 30 Millionen Jahren auch das Jordantal und den Golf von Aqaba hervorbrachten: Ein großer geologischer Bruch trennte eine vorher zusammenhängende Gesteinsmasse, riss gewaltige Schluchten auf und isolierte einzelne Berge. Alles Übrige tat dann, bestärkt durch das Wüstenklima, die Erosion.

Die weitere Route richtet sich ganz nach den spektakulärsten Aussichtsplätzen, den schönsten Reitstrecken und natürlich den vorhandenen Wasserlöchern. Ausgedehnte Galoppaden über festen Sandboden lassen diesen Teil der Reise zum unvergesslichen Erlebnis werden. So schön die Galoppaden sind, sie bringen uns mit Riesen Schritten an das Ende der 10tägigen Tour durch Jordanien. Es wird Zeit von den Pferden Abschied zu nehmen.

Die letzte Station der Reise ist Aqaba, Jordaniens einziger Stadt am Meer. Über 20 km Sandstrände, das kristallklare Wasser des roten Meeres und traumhaft schöne Korallenriffe lassen den Urlaub entspannt ausklingen.
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