Delfinküsten-Ritt Portugal Februar 2012

Delfinküsten-Ritt Portugal Februar 2012

Beitragvon admin » 04 Mär 2013, 17:42

„Ready for a canter?“. Bevor wir antworten können, galoppieren wir auch schon über den herrlichen Sandweg durch den duftenden Eukalyptuswald. Mein Pferd „Principe“ schnaubt zufrieden und ich tu es ihm fast gleich, da der aufgewirbelte Staub ganz schön in der Nase kitzelt.
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Ich befinde mich auf dem Delfinküstenritt in Portugal. Genauer gesagt im Alentejo, der Region im südlichen Teil des Landes zwischen der Hauptstadt Lissabon und der Algarve. Hier erlebt man Portugal von seiner unberührten Seite und mit all seinen Facetten: riesige Korkeichenwälder, weite grüne Wiesen, urige Dörfchen, endloser Sandstrand, blaue Lagunen und unzählige Orangenhaine. Während die Algarve momentan fest in der Hand deutscher und englischer Touristen und Winterflüchtlingen ist, spürt man hier im Alentejo nichts vom touristischen Treiben.



Unsere Gruppe besteht aus Franzosen, Österreichern und Deutschen. Am Lissabonner Flughafen haben wir uns zusammen gefunden und unsere gemeinsame 8-tägige Reittour begonnen. Von dort ging es direkt zu unserer ersten Unterkunft, einer traditionellen familiengeführten Pousada, die im portugiesischen Quinta-Stil eingerichtet ist. Das große Kaminzimmer lud zu einem gemütlichen Beisammensein und gegenseitigem Kennenlernen bei einem Fläschchen Wein ein. Das darauffolgende köstliche Abendessen gab schon einen kleinen Vorgeschmack darauf, was uns in den nächsten Tagen kulinarisch erwarten sollte: vorzügliche, hausgemachte portugiesische Küche!

Jetzt, am ersten Reittag, sitzen wir nun endlich auf dem Pferd. Jeder von uns hat seinen vierhufigen Partner zugeteilt bekommen. Wie es sich für Portugal gehört reiten wir auf Lusitanos, einer der ältesten Pferderassen Europas und der ganze Stolz aller Portugiesen. Ganz so anmutig wie es ihr Ruf verspricht wirken unsere Begleiter auf den ersten Blick ehrlich gesagt nicht. Sie gleichen vielmehr kleinen Wollknäueln, da sie sich nämlich gerade in der Fellwechselphase befinden und sich aus ihrem Winterpelz schälen. Nach kürzester Zeit sind auch wir vor lauter umher fliegenden Pferdehaaren komplett „geteert und gefedert“. Dennoch überzeugen sie uns schnell mit ihrem guten Gemüt und ihrer Unkompliziertheit und wir schließen alle unsere Pferde sofort ins Herz. Zu Beginn der Saison ist der ein oder andere unter ihnen noch ein wenig übermütig, was sich aber nach kurzer Zeit wieder legt.

Wir reiten durch leicht hügeligen Wald. Um uns herum unzählige dunkle Stämme gekennzeichnet mit weißen Ziffern. Es handelt sich um Korkeichen. Portugal ist das Land, das weltweit den meisten Kork produziert. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das Land um einiges kleiner ist als zum Beispiel das benachbarte und ebenfalls korkproduzierende Spanien. Das Korkgeschäft ist groß. Man kommt der Nachfrage kaum noch hinterher. Das Einsatzgebiet ist sehr vielfältig: vom Fußboden bis hin zur Schuhsohle. Der wichtigste Markt ist nach wie vor der für Flaschenkorken.

Da Kork nur sehr langsam wächst, darf man die Korkschichten nur alle 9 Jahre vom Baum abtragen, um ihn gesund zu halten. Die Nummern auf den Stämmen stehen für das Jahr, in dem der Baum zuletzt bearbeitet wurde. Bis eine Korkeiche überhaupt reif ist, um qualitativen Kork zu liefern muss sie mindestens 50 Jahre alt sein. Das verdeutlicht welch langwieriger Prozess die Korkgewinnung ist und wie viel jeder einzelne Baum wert ist.

Ich staune nicht schlecht, als wir an einem großen Stapel frisch abgetragener Korkrinde vorbeireiten, der laut unseres Guides einen Wert von 500.000 Euro hat.

Nach einer tollen ersten Reitetappe erreichen wir eine Lichtung. Mitten auf der grünen Wiese empfängt uns unser Begleitfahrzeug mit einer gedeckten Tafel und gemütlichen Campingstühlen. Bevor wir uns aber der Siesta hingeben, versorgen wir erst die Pferde. Während der Mittagszeit werden alle abgesattelt, getränkt und mit ein wenig Kraftfutter gefüttert. Die Pferde wissen genau wie es abläuft und tänzeln aufgeregt in freudiger Erwartung hin und her als wir uns mit dem Futter nähern - eine richtige Raubtierfütterung!

Danach sind wir dran. Unser Guide Miguel und unser Fahrer Balasz haben ein wahres Festmahl gezaubert. Es gibt köstliches Fleisch direkt vom Grill, dazu Salat, Käse, Olive und Brot, zum Nachtisch Obst und Kaffee und Tee. In gemütlicher Runde genießen wir das Mittagessen bei strahlendem Sonnenschein. Voller Freude legen wir die dicken Kleiderschichten ab und lassen uns von den wärmenden Strahlen verwöhnen. Miguel beäugt uns ein wenig skeptisch. Für ihn als Portugiesen seien die Temperaturen jetzt noch nicht wirkliches T-Shirt-Wetter sagt er. Ich hingegen komme mir vor wie im Paradies! Als ich in Deutschland weg bin, herrschten dort schließlich noch Temperaturen im zweistelligen Minusbereich.

Gut gestärkt satteln wir die Pferde auf und führen unseren Ritt fort vorbei an üppig behangenen Orangenbäumen. Am liebsten möchte man den Arm ausstrecken und die ein oder andere Frucht stibitzen.

In den nächsten Tagen erleben wir eine aufregende und niemals langweilig werdende Reittour. Wir beobachten halbwilde schwarze Schweine, die sich im Dreck suhlen und ein schönes Leben genießen, rosa Flamingos, die hier in Portugal auf der Durchreise sind und unzählige Störche, die gerade aus dem Süden zurückkehren und ihre Nester errichten. Nicht selten machen wir halt an kleinen Läden um uns mit einem kalten Getränk zu erfrischen, durchreiten kleine Ortschaften, in denen die Zeit stillzustehen scheint, winken den Schulkindern zu, die uns freudig hinterherlaufen, passieren verlassene alte Ruinen und bewundern die typisch portugiesischen weißen Häuser mit blauer Bemalung. Verpflegt werden wir wie die Götter: mittags ausgiebige Barbecues in freier Natur und abends vorzügliche 3-Gänge-Menüs mit traditionellen portugiesischen Gerichten.

Besonders viel Freude machen immer wieder die vielen Galoppaden. Vom gestreckten Jagdgalopp bis hin zu sehr langen entspannten langsamen Galopps – die Möglichkeiten in dem reiterfreundlichen Gelände sind unbegrenzt und werden so oft genutzt wie möglich. Getrabt wird - wie auf der iberischen Halbinsel üblich - hingegen weniger.

Auf dem Programmpunkt steht auch eine reitfreie Aktivität: eine Delfinbeobachtung. Früh morgens brechen wir nach Setúbal auf. In der hiesigen Flussmündung leben 28 Bottlenose-Delfine. Per Katamaran stechen wir in See um den Schwarm zu finden. Leicht wird es uns nicht gemacht. Über dem Wasser hängt eine dicke Nebelschicht, die uns keine weite Sicht erlaubt. Nach ganzen 3 Stunden – kurz bevor wir wieder umkehren wollten – entdecken wir endlich die Rückenflossen in der Ferne. Der Anblick der verspielten Delfine mit ihren Jungtieren versöhnt uns sofort. Mittlerweile scheint auch zum Glück die Sonne und der Portwein wärmt gegen die frische Brise an Deck. Unsere Bootsführer kennen jedes einzelne Tier und können Sie anhand ihrer Rückenflossen beim Namen nennen. Die Tiere lassen sich durch uns nicht stören und tauchen immer wieder neben unserem Boot auf und ab. Alles in allem ein gelungener Ausflug!

Das wahre Highlight der Reittour für uns alle ist wahrscheinlich der Strandritt am Atlantik. Uns geht das Herz auf: 60 km langer breiter Sandstrand – menschenleer! Laut Miguel sind auch im Hochsommer nicht viele Menschen hier. Das Galoppieren ist der reine Wahnsinn. Wir fliegen über den Sand, neben uns brechen die heute besonders starken Wellen des Atlantiks. Einmal mehr wird mir deutlich, warum eine Sonnenbrille bei keiner Reittour fehlen sollte. Sie bietet nicht nur Schutz vor der Sonne, sondern in diesem Fall in erster Linie vor hochgeschleuderten Sand und Steinchen des Vordermanns - ein effektives Gesichtspeeling, wofür manche Leute im Schönheitsstudio viel Geld bezahlen.

Unseren Pferden fällt es auf die Dauer etwas schwer im tiefen Sand zu laufen, weshalb wir wieder landeinwärts reiten. Wenn es nach uns ginge, könnten wir noch stundenlang am Strand weiter reiten und dem Klang der Wellen lauschen.

Die Zeit vergeht viel zu schnell und wir müssen von unseren Vierbeinern Abschied nehmen, die mit dem Truck zum Stall gebracht werden.

Etwas Wehmut breitet sich angesichts der bevorstehenden Abreise aus. Es ist verständlich warum so viele Reiter immer wieder hierher zurückkehren. Auch ich war bestimmt nicht das letzte Mal hier und liebäugle schon mit einer der anderen drei Reittouren, die neben dem Delfinküstenritt angeboten werden. Bis dahin nehme ich mir einfach ein Stück Portugal mit nachhause. Mein Koffer platzt vor Wein, Olivenöl, Orangen Avocados und weiteren Leckereien, die mich noch lange an die wundervolle Woche im Alentejo erinnern werden.

Denise Neufeld

Weitere Infos unter: http://www.reiterreisen.com/del008.htm
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