Kenia, Masai Mara Reitsafari zur Big Migration, 2011

Kenia, Masai Mara Reitsafari zur Big Migration, 2011

Beitragvon admin » 04 Mär 2013, 17:42

KENIA 2011 Masai Mara – erwarte das Unerwartete
Mein Safari-Tagebuch
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Wenn man einmal mit dem „Afrika-Virus“ infiziert ist, zieht es einen unweigerlich immer wieder auf den Schwarzen Kontinent. Kenia sollte es diesmal sein. Nach einigen Erfahrungen mit Reitsafaris in Südafrika, Botswana und Namibia wollte ich mich nun an dieses ostafrikanische Land wagen, für viele der Inbegriff Afrikas, spätestens seit dem Klassiker „Jenseits von Afrika“ , mit den endlosen Weiten der Masai Mara, die von Millionen von Wildtieren durchzogen wird auf ihrer jährlichen großen Wanderung aus der Serengeti kommend, mit seinen wildreichen Nationalparks und nicht zuletzt der gewaltigen Kulisse des schneebedeckten Kilimanjaro.

Unter Reitern als legendär bekannt sind die Reitsafaris in der Masai Mara, und das sollte sich nun bestätigen, auf dem abenteuerlichsten meiner bisherigen Reitabenteuer!

Von Frankfurt flog ich am Abend des 17. Juli nach Nairobi, wo ich am 18. Juli um 12.45 Uhr pünktlich landete und bereits am Ausgang von meinem Transferfahrer erwartet sowie direkt zum Ngong Tree House gebracht wurde, das ich mir im Vorfeld für die empfehlenswerte Zwischenübernachtung gebucht hatte. Auf der Fahrt dorthin tauchte ich bereits in das typisch afrikanische Leben ein – rund um Nairobi bedeutet das v.a. ein (für uns) unglaubliches Verkehrschaos, durch das sich auch immer wieder von bunten Masai getriebene Rinderherden schieben (über die vierspurige Schnellstraße!). Aufatmend erreichte ich eine Insel der Ruhe: Ngong Tree Houses. Inmitten einer großen Gartenanlage mit üppiger tropischer Vegetation, einladendem Pool und stilvoller Lodge, die in afrikanisches Buschland übergeht, verteilen sich einige sehr originelle Unterkünfte: hübsche Holzhäuser in Baumwipfeln.

Am Nachmittag besuchte ich das nahe Giraffe Center, wo die seltenen Rothschild Giraffen erfolgreich gezüchtet und dann in unterschiedliche Nationalparks Kenias in ihre ursprüngliche Heimat ausgewildert werden. Von einem Hochstand besteht nicht nur die seltene Möglichkeit einer der Giraffen direkt in die Augen zu sehen, sondern sie sogar zu „küssen“‘! Hierfür nehme man eines der „Giraffen-Leckerli“ zwischen die Lippen und lasse es sich die Giraffen mit ihrer 45 cm langen, lilafarbenen Zunge gekonnt angeln – ein „Zungenkuss“ par excellence!



Dienstag, 19.07.

Nach dem Full English Breakfast geht es zum Wilson Airport. Auf einem der größten Safari-Flughäfen herrscht auf den ersten Blick wildes Chaos, denn von hier fliegen unzählige Fluggesellschaften in den Busch. Zusammen mit einigen anderen planlosen Touristen wartete ich dann also am Rande des Rollfelds auf einen Flieger. Zum Glück trug ich bereits meine Reitstiefeletten, denn diese brachten Archy dazu, mich anzusprechen, ob ich auch auf Reitsafari in die Masai Mara unterwegs sei, was ich erleichtert bestätigte! Er stellte mir seine Frau vor – die beiden hatten just geheiratet, kamen quasi gerade von der Hochzeitsfeier, und starteten ihre „etwas andere“ Hochzeitsreise… Weitere Reiter fanden sich zu unserem Trüppchen, so dass wir dann gegen 10 Uhr mit 8 Personen zu unserem 45-minütigen Panoramaflug starten konnten. Erst in den letzten 5 Minuten vor Landung ging die Landschaft in unberührte Wildnis über und plötzlich wimmelte es von Wildtieren! Rund um den Airstrip grasten friedlich Zebras, Gnus, Elan Antilopen, Giraffen, so dass ich nur hoffte, sie mögen unserem Flugzeug nicht zu nahe kommen! Mit 2 Jeeps starteten wir dann in Richtung Camp und das gleich mit einem ersten beeindruckenden Game Drive! Schon nach drei Minuten sahen wir eine Hyänen-Familie aus nächster Nähe im Schatten eines Baumes ruhen, nach 10 Minuten bestaunten wir eine gewaltige Herde Kaffernbüffel, nach nur 20 Minuten hatte unser versierter Masai-Guide Metti schon Löwen hinter einem Busch erspäht, die mit kugelrunden Bäuchen auf dem Rücken liegend Siesta hielten, nach 30 Minuten zog eine große Herde Elefanten gemächlich an uns vorbei, womit wir schon drei der berühmten „Big Five“ gesehen hatten! Überall wimmelte es von Gnus, Zebras, Topi-Leierantilopen u.v.m. – kurzum, es war wie im Zoo!

Begeistert kamen wir im Camp an, das eine weitere spektakuläre Überraschung bot, denn es lag direkt an einem der zahlreichen Hippo-Pools des Mara River, d.h. unten im Fluss tummelten sich ca. 20 mächtige Nilpferde! Beim Lunch mit jeder Menge frischem Salat und Gemüse war ihr Prusten und Schnaufen allgegenwärtig!

Um 16 Uhr wurden wir zur Tea Time erwartet und danach ging es auch schon auf unseren ersten Ritt, bei dem wir nicht eine Minute ohne Wild unterwegs waren… Man wusste teilweise gar nicht, wo man zuerst hinschauen sollte, galt es ja zudem auch noch sein Pferd kennenzulernen und einen aufmerksamen Blick auf den Boden zu haben. Doch mein Pferd Snaffles, ein hübscher Schimmel, ein Mix aus Englischem Vollblut und Somali-Pony, erwies sich als sehr zuverlässig, nervenstark, trittsicher und vorwärtsgehend. Einen besseren Gefährten hätte ich mir für diese Reitsafari nicht wünschen können! Bereits im ersten Galopp vertraute ich ihm vollständig. Schon nach kurzer Zeit fühlten wir uns alle im Sattel extrem wohl, jeder war glücklich mit seinem Pferd und ein Blick in die Runde unserer netten kleinen Reitergruppe von 8 Teilnehmern ließ nur zufrieden strahlende Gesichert erblicken. Bunt gemischt, bestand unsere Truppe aus einer holländischen Familie, dem englischen Honey-Moon-Pärchen, einer weiteren Engländerin, einem amerikanischen Weltenbummler und mir. Unser Guide Jakob, ist auf der ganzen Welt zu Hause, mit österreichischen Wurzeln lebt er z.Z. abwechselnd in Kenia und Argentinien.

Die rot glühende Sonne näherte sich dem Horizont, als wir auf die „Big Migration“ stießen: in der Weite der flachen, mit goldgelbem Gras bewachsenen Savanne zog ein endloser schwarzer Strom Gnus. Egal wohin man schaute – nach rechts und links bis zum Horizont jeweils nur Gnus und dazu das typische Geräusch, eine Art „muhen“, das von tausenden Tieren fast ununterbrochen gemacht wird! Dieser Anblick erzeugte nicht nur Gänsehaut, sondern war schlichtweg atemberaubend!

Auf dem Weg begegneten wir auch noch einer Elefantenherde mit Jungtieren, die uns erstaunlich nah heranließen. Über uns kreiste ein mächtiger Adler, ein scheuer Schakal verzog sich in die Büsche und zwei Impala-Böcke waren so in ihren erbitterten Zweikampf vertieft, dass sie uns kaum bemerkten. Kurz nach Sonnenuntergang waren wir im Camp zurück – hier erwarten uns „cool drinks and hot fire“, dazu eine angenehme Dusche in einem der zwei Duschzelte des Camps.

Am Abend übertraf das fantastische Candle-Light-Dinner auch die kühnsten Erwartungen: Unsere zwei Chef-Köche Philipp und James zeigten uns, dass Kochen für sie kein Job sondern eine Leidenschaft ist! Frisch gebackenes, noch dampfendes Sesambrot mit geschmolzener warmer Knoblauchbutter, zuckersüße Karotten, knackiges Brokkoli, grüner Spargel (!), frisches Kartoffelpürree, zartes Rinderfilet mit köstlicher Soße und dazu unschlagbar als Dessert: frische Erdbeeren mit Sahne im Caramel-Körbchen – nicht einen Krümel lasse ich auf meinem Teller! Dazu ausgewählter Rotwein und exzellenter Service, dass man sich nicht mitten im afrikanischen Busch, sondern in einem Nobelrestaurant wähnen könnte – zum Glück erinnerten uns die Nilpferde mit ihrer Geräuschkulisse im Hintergrund daran, wo wir waren – im Herzen Ostafrikas! Bei einigen weiteren Drinks und Sternschnuppen ließen wir den erlebnisreichen ersten Tag am Lagerfeuer ausklingen…



Mittwoch, 20.07.

Wake up Call 7 Uhr – etwas verschlafen blinzelte ich aus meinem Zelt einem wunderschönen Sonnenaufgang über dem Fluss entgegen. Direkt am Ufer des Mara River mit Sonnenschein und Blick auf die Nilpferde gab es ein mehrgängiges Frühstück, das wir von nun an täglich genießen durften: eine große Fruchtplatte, Müsli, verschiedene Marmeladen und wilder Honig, Poridge, Fruchtsaft, Eier in allen Variationen nach Wunsch, frisch gebackenes und getoastetes Brot, Speck, Schinken, Würstchen, Bohnen, Tomaten…

Die Pferde erwarteten uns schon gesattelt zum vierstündigen Morgenritt, auf dem wir nach nur 20 Minuten schon einem einsamen Elefantenbullen begegneten. Als Warm-up gab es dann erste flotte Galoppaden mit großen Gnu-Herden und einige Übungssprünge über Baumstämme von 30-60 cm Höhe. Mein Snaffels erwies sich hierbei als begeistertes Springpferd, so dass selbst mir das Springen anfing richtig Spaß zu machen!

Entlang eines kleinen Flusslaufes ritten wir vorbei an einer Gruppe Masai Frauen, die ihre farbenprächtige Wäsche in den Büschen trocknete, während nebenan Schaf- und Rinderherden weideten. Kurz bevor wir im tiefen Flussbett unseren Platz für die Mittagsrast erreichten, schreckten wir noch einen Büffel beim Schlammbad auf – im Anblick unserer großen Reitertruppe ging er zum Glück in die Flucht und nicht zum Angriff über!

Metti erwartete uns schon mit dem Jeep und hatte über dem Feuer schon eine grandiose Gemüsepizza gezaubert! Dazu gab es angenehm frische Getränke aus dem Kühlschrank im Jeep und leckere Sandwichs.

Gut gestärkt konnten wir uns auf unser großes Abenteuer am Nachmittag begeben: Die Überquerung des Mara River stand an! An dem Strom, dessen braunes Band die trockene Landschaft der Serengeti und Masai Mara auf 395 km als lebensspendende Ader durchfließt und der als einziger Fluss ganzjährig Wasser führt, hielten wir erst einmal die Luft an beim Anblick der mächtigen Nilpferde unmittelbar im undurchsichtigen Wasser der Furt und bei den zwei Krokodilen, die langsam davon schwommen. Jakob prüfte ausgiebig die Lage und zog seine „Bullenpeitsche“, mit der er mehrfach laut knallte, so dass die Nilpferde prustend abtauchten. Skeptisch äugten sie nun aus etwas weiterer Entfernung – für meine Vorstellung jedoch immer noch recht nah – zu uns rüber, wie wir uns nun einer nach dem anderen mutig in die braunen Fluten stürzten. Bis über die Sattelblätter reichte das Wasser und die Pferde wateten schnaufend durch die träge Strömung. Mit noch immer klopfendem Herzen und unseren tapferen Pferden unendlich dankbar, kamen wir alle heil am anderen Ufer an und klettern die Steilböschung hinauf – geschafft!

Weiter ging es durch weite Savanne, Schirmakazien überall – Afrika wie aus dem Bilderbuch! Die Masai Mara machte ihrem Namen hier wirklich alle Ehre! Dieser stammt einerseits von den hier lebenden Masai ab und zudem bedeutet „mara“ in der Sprache der Masai „gefleckt“ – denn von oben betrachtet sieht die Savanne mit den vielen einzelnen Bäumen wirklich wie „gepunktet“ aus.

Wir hatten jetzt das Gebiet des sog. „Mara Triangle“ erreicht, das gebildet wird aus der schnurgeraden Grenze Tansanias im Süden, den schroffen Bergen des Oloololo Escarpments im Nordwesten und dem Mara River im Osten – hier war das Gras wesentlich höher, da die Große Wanderung der Wildtiere noch nicht durchgezogen war. Da man in dem hohen Gras nicht nur Löcher im Boden, sondern auch Raubtiere weniger gut ausmachen kann, gab es hier weniger Wild zu sehen - dafür mehr Büffel und Elefanten – und unser Ritt war vom Tempo her eher ruhig.

Der Abend brachte uns einen weiteren Höhepunkt – im wahrsten Sinne, denn es ging hoch hinauf auf das Oloololo Escarpment – die beeindruckende Steilstufe bildet einen Ausläufer des Great Rift Valley, des Großen Afrikanischen Grabenbruchs. Im flotten Galopp folgten wir einem gewundenen Weg bergauf, vorbei an großen Herden von Zebras, Elefanten, Topi-Antilopen, davonstiebenden Straußen-Gruppen im goldgelben Savannengras – hier gab es keinen Fotostopp – nur fliegenden Galopp! Gut, für einen mächtigen Büffel am Wegesrand haben wir dann doch kurz durchpariert, der trollte sich aber und machte uns den Weg frei, so dass unsere Pferde freudig weiterlaufen konnten bis wir das Hochplateau erreichten – unter uns die honiggelbe Savanne mit den grünen Farbtupfern der Akazien in der Abendsonne – ein spektakulärer Anblick!

Das Camp auf 2.000m Höhe, versteckt im grünen Wald, und die Duschen mit heißem Wasser standen schon parat ebenso wie die kühlen Getränke. Dazu gab es jedoch als Krönung noch frisch gebackene Brownies und dampfenden Kaffee. Dem nicht genug, wurden wir am Lagerfeuer mit Appetizern verwöhnt, vom Dinner ganz zu schweigen.

Müde aber glücklich zogen wir uns in unsere komfortablen Zelte zurück – Busch-Komfort versteht sich, d.h. ein Feldbett mit Bettzeug, Handtücher, Seife und Nagelbürste, Spiegel, ein Waschbecken außen, Taschenlampe, eine Solar-Lampe für innen und eine Sturmlampe für außen, ein kleiner Nachttisch, sowie je Zelt ein Busch-WC-Zelt ca. 3-5 m hinter dem Zelt.



Donnerstag, 21.07.

Heute holte uns ein besonders früher Wake-up-Call aus den Federn - wir fuhren den Berg hinauf zu einer Klippe, wo wir den Sonnenaufgang in voller Pracht bei duftendem Kaffee und Keksen genießen konnten, während über der Masai Mara wie bunte Perlen zahlreiche farbenfrohe Heißluft-Ballons zogen.

Zurück im Camp erwartete uns neben frisch geputzten Schuhen (!) schon die reich gedeckte Tafel. Heute sollten wir auf gut 4 Stunden am Morgen und 2,5 Stunden am Nachmittag sportliche 45 km unterwegs sein. Der Ritt führte uns weiter durch das „Mara Dreieck“, eine sehr einsame Gegend mit hohem Wildreichtum – hier hatten wir die Wildnis mit all ihren Tieren ganz für uns allein!

Zunächst ging es über den Höhenrücken des Oloololo Escarpments, eine völlig andere Landschaft, die mit dem silbergrünen, büschelförmigen Elefantengras z.T. an die Pampas von Argentinien erinnerte. Dazwischen immer wieder Kuhherden auf saftig grünen Wiesen mit Kuhglocken, deren Bimmeln einen an die heimischen Alpen denken ließ! Golfplatzähnlicher Rasen ermöglichte uns das ein oder andere Wettrennen. Durch dichten Wald und Buschland führte uns ein steiniger Weg wieder hinab in die Ebene. Da der Weg z.T. sehr steil und durch das lose Geröll recht rutschig war, führten wir die Pferde und lockerten damit gleichzeitig unsere Beine. Dass dieser Pfad auch von Elefanten genutzt wird, wollten wir zunächst nicht glauben, sahen es aber dann an den unübersehbaren Haufen auf dem Weg…

Unten angekommen, gab es wieder einige schöne Galoppaden durch die Savanne bis zu unserem Rastplatz, der uns – wie eine Großbildleinwand – ein fantastisches Panorama bot und die vorbeiziehenden Wildtiere sorgten für Unterhaltung: Zebras nahmen ein Sandbad im Staub und beäugten uns neugierig, Giraffen verrenkten sich ihre Hälse in unsere Richtung, Elefanten zogen in der Ferne vorüber – verwöhnt wurden wir zur „Show“ mit einem köstlichen Barbecue.

Am Nachmittag folgten wir einem Pfad durch das hohe Gras, so dass wir flotter reiten konnten. Es gab einige Elefanten- und zahlreiche Büffelbegegnungen. Mit unglaublicher Power kletterten unsere Pferde nach dem langen Ritt wieder den steilen Hang zum Camp hinauf. Zum Abendessen genossen wir Fish & Chips und gebackene exotische Früchte zum Dessert… Allmählich wünschte ich mir für daheim auch so einen begnadeten Koch…



Freitag, 22.07.

Zum Wake up Call um 7.30 Uhr gab es heute auch frischen Kaffee ans Zelt, was mich gleich noch mal so schnell aus dem Bett springen ließ. Heute war wieder ein „Moving Day“, das hieß Packen, denn das Camp zog um. Zum Glück kümmerten sich jede Menge fleißige Helfer um das Gepäck, das gesamte Camp und Material. Ein Team von fast 20 engagierten Mitarbeitern sorgte dafür, dass es uns an nichts fehlt, darunter Köche und Küchenhelfer, Pferdepfleger und Leute die das Camp aufstellen und sich um all die täglichen Arbeiten kümmern, vom Wasserholen bis Wäschewaschen, denn ein täglicher Wäscheservice ist ebenfalls inklusive.

Zu Pferd ging es hinunter in die Ebene – am Fuße der Berge fanden wir jede Menge Wild, u.a. mächtige Elanantilopen, die größte Antilope Afrikas, mit einer Schulterhöhe bis 1,90 m und ein Gewicht bis zu einer Tonne, die zudem locker über 2 Meter hoch springen kann!

Wir durchquerten ein Trockenflussbett, in dem ein über 200 Jahre alter, gewaltiger Würgefeigenbaum wuchs – in dessen Mitte klaffte ein über mannsgroßes Loch, durch das man gut hätte hindurchreiten können.

Danach ging es im flotten Galopp auf einem kurvigen Pfad durch die Savanne, als auf einmal aus dem Busch eine Herde Giraffen hervorkam, den Weg kreuzte und dann ein Stück mit uns galoppierte!

Und schon waren wir wieder am Mara River angelangt, den es ein zweites Mal zu durchqueren galt, wieder kritisch beäugt von einigen Nilpferden. Anschließend führte der Weg immer entlang des Steilufers mit spektakulären Blicken hinunter auf den Mara River, in dem es von Nilpferden und fetten Nilkrokodilen nur so wimmelte.

Im gestreckten Galopp erreichten wir die Randgebiete des Nationalparks, die auch von den Masai mit ihren Rinder- und Schafherden genutzt werden dürfen. Hier war das Gras wieder kürzer, was uns flottes Reiten ermöglichte. Wir kamen vorbei an einigen Wurstbäumen, deren längliche, wurstähnliche Früchte ihnen den Namen gaben. Die Wurstfrüchte werden gern von Elefanten und Pavianen gefressen und die Masai bereiten aus ihnen eine Suppe gegen Malaria.

Das Picknick erwartete uns heute in der Leopardenschlucht. In dem felsigen Tal gab es schattenspendende Bäume und zahlreiche Höhlen, ideale Verstecke für Leoparden, auch wenn wir die scheuen nachtaktiven Katzen hier nicht zu Gesicht bekommen sollten, dafür einige Hyänen und possierliche Klipp-Schliefer . Nach einem wie immer köstlichen Lunch kletterten wir wieder in den Sattel, um nur 5 Minuten später auf einem buschbewachsenen Hügel einem Rudel Löwen zu begegnen – es handelte sich um sechs Junglöwen, die uns aus der Ferne neugierig beäugten.

Danach starteten wir ein Wettrennen mit einem Teil einer großen Gnuherde, die sich bis zum Horizont erstreckte, wobei wir uns den Tieren zeitweise bis auf wenige Meter nähern konnten. Derartige Rennen sind jedoch nur von kurzer Dauer, um die Gnus nicht unnötig zu beunruhigen.

Doch es gab noch ein weiteres tierisches Highlight: Eine Löwenmutter lag vollgefressen mit dickem Bauch träge am Fuße eines Hügels, auf dem sich im Gebüsch die Junglöwen noch fauchend und mit peitschenden Schwänzen um den Rest der Beute stritten. Da die Löwendame sehr schläfrig war, konnten wir es – mit allem Respekt - wagen, uns ihr ein Stück zu nähern und einige Fotos zu schießen! Sie hatte für uns nur ein müdes Gähnen übrig und drehte sich dann auf den Rücken um nach der anstrengenden Jagd und üppigem Mahl alle Viere von sich zu strecken…

10 Minuten später erreichten wir unser Camp für die nächsten drei Nächte, das „Lions Camp“ – den Namen hat es wirklich verdient! Schnell sprangen wir von den Pferden unter die heiße Dusche und danach in den Jeep, um zu den Löwen zurück zu fahren und den Sundowner bei ihnen einzunehmen…

Am nächtlichen Lagerfeuer gab es dann als geräuschvolle Untermalung Gnu-Sound und Löwengebrüll aus der Ferne und dazu einige aufregende Safari-Geschichten von unserem Reitführer Jakob.



Samstag, 23.07.

Heute gab es das Angebot, sich ein wenig die Beine zu vertreten, in Form eines morgendlichen Spaziergangs durch den Busch, geführt von Metti, bewaffnet traditionell mit Pfeil und Bogen, und Jakob, mit Flinte. So streiften wir durch die Umgebung und konnten aus dieser Perspektive ganz andere, spannende Dinge entdecken.

Eine freudige Überraschung war das Buschfrühstück, das einladend an einem idyllischen Plätzchen am Bach für uns bereit stand. Zurück im Camp war Relaxen angesagt – während kaum 400 m entfernt die Big Migration unüberhörbar an uns vorbeizog… Am späten Nachmittag starteten wir zu einem weiteren Ritt mit flotten Galoppaden über sattgrüne, golfplatzähnliche Rasenflächen und einigen netten, kleinen Sprüngen. Auch mit Gnus konnten wir wieder um die Wette galoppieren. Im Galopp bot sich dann ein atemberaubender Anblick in der Abendsonne: zwei mächtige Elefantenbullen, davor galoppierende Gnus, Topi-Antilopen, Zebras und Büffel – alles auf einmal, was bei anderen Safaris jeweils einzeln das Highlight des Tages darstellt, erlebten wir hier quasi im Vorbeigaloppieren – dabei konnte einem einfach nur das Reiterherz höher schlagen!

Zum Abend bekamen wir noch einen Tipp, dass in der Nähe Löwen ein Impala erlegt hatten – flink waren wir alle im Jeep und fuhren zur beschriebenen Stelle, wo wir tatsächlich die Löwen beim Mahl antrafen. Ein beeindruckendes Erlebnis, den Raubkatzen aus nächster Nähe beim Fressen zuschauen zu können und die Knochen knacken zu hören… Die Löwenmutter hatte ihren vier einjährigen Jungen eine erfolgreiche Lektion im Jagen erteilt und nun, satt und zufrieden, spielten und tollten die Jungen miteinander -fast hätte man sie streicheln wollen … Doch dann schien der Jagdinstinkt noch einmal aufzuflammen, wenn auch eher aus Spieltrieb, als aus Hunger, und dramatische Szenen spielten sich in der Dunkelheit ab: Mit unseren zwei Jeeps blieben wir auf Höhe des Rudels, das sich aufteilte, Wildtiere sprangen in wilder Flucht davon, Staub wirbelte auf, es fing an in Strömen zu regnen und zu gewittern, Donner grollte und die stockschwarze Nacht wurde nur von zuckenden Blitzen und unseren flackernden Suchscheinwerfern erhellt. In dem ganzen Tumult stellte sich diesmal kein Jagderfolg ein und die Löwen zeigten mit ihren vollgefressenen Bäuchen auch kein allzu großes Engagement. Trotzdem waren wir von dem Erlebnis tief beeindruckt!
Zurück im Camp gab es ein köstliches Abendessen – kein Impala – im gemütlichen Messe-Zelt, während es draußen in Strömen goss. Auch ansonsten wurde es noch ein feucht-fröhlicher Abend mit Trinkspielen in geselliger Runde…



Sonntag, 24.07.

Irgendwie kam mir der Weckruf heut besonders früh vor… Nach einem extra Kaffee schwang ich mich dann aber fit in den Sattel, bereit für neue Afrika-Abenteuer! Und diese ließen nicht lang auf sich warten! Keine 10 Minuten vom Camp entfernt sprang ein prächtiger Leopard aus dem Gebüsch am tiefer gelegenen Flussufer, verharrte kurz und funkelte uns mit seinen bernsteinfarbenen Augen an, um dann in die Büsche zu entschwinden – was für ein Anblick in der zartgoldenen Morgensonne!

Gleich hinter uns Lion’s Hill und die Löwen, die wir nur müde gähnen sahen. Über uns kreiste ein Schwarm Geier, die von ihrem Schlafbaum aufgeflogen waren, der von den ganzen Exkrementen mit der Zeit abgestorben war und seine kahlen toten Arme in den Morgenhimmel reckte. Als nächstes ging es im wahrsten Sinne des Wortes „in die Höhle des Löwen“ – Jakob führte uns den steilen, steinigen Lion’s Hill empor, um oben die Reste der Beute zu sehen – ein wenig gruselte mir schon bei dem Anblick. Schnell weg! Auf dem Hochplateau erwarteten uns einige fröhlich-flotte Galoppaden mit Gnuherden.

Mit Löwenhunger kamen wir zurück ins Camp, wo es ein üppiges Frühstück bei strahlendem Sonnenschein gab. Und anschließend war Shopping angesagt! Zur großen Freude der Reiterinnen hatten einige Masai-Frauen vor unserem Camp ihre Waren in Form eines farbenfrohen Marktes ausgebreitet. Mit Begeisterung probierten wir bunte Ketten, Ohrringe und Armbänder aus Perlen und in den für die Masai typischen kräftigen Farben, auch kleine Schnitzereien wurden angeboten. Afrikanisch herausgeputzt und mindestens mit ebenso viel Schmuck behangen wie die stolzen Masai, übrigens Männer wie Frauen, begaben wir uns nun per Jeep auf Pirschfahrt im Masai Mara Nationalpark – der einen stolzen Eintrittspreis hat – für unsere zwei Fahrzeuge und 11 Personen lag dieser bei 800 USD! Nebenbei erwähnt sei, dass ein Pferd gleich wie ein Auto gerechnet wird (obwohl darauf tendenziell weniger Personen Platz finden), was uns langsam ahnen ließ, wie der Reisepreis zu Stande kommt, abgesehen von dem enormen organisatorischen Aufwand und all dem Komfort mitten in der Wildnis…

Mitten im Mara Dreieck konnten wir den Blick Richtung Tansania schweifen lassen, zur Serengeti, aus der die 2,5 Mio. Gnus und 1,5 Mio. Zebras nach Geburt der Jungtiere alljährlich gen Norden gezogen kommen, dabei stetig dem Regen und frischen Gras folgend und mit dieser Grossen Wanderung eines der spektakulärsten Naturschauspiele unserer Erde bildend. In der Zeit von Juli bis September ziehen sie dann durch die Masai Mara, wo sie sich dann langsam verteilen, bis sie sich Im Oktober wieder sammeln und im großen Bogen zurück gen Süden ziehen, wobei man schätzt, dass nur jedes dritte der im Mai geborenen Kälber wieder die Serengeti erreicht.

Und in diesem gewaltigen, schwarzen Strom wogender Tierleiber befanden wir uns nun – Gnus bis zum Horizont!

Topi-Antilopen überragten das Ganze, in ihrer typischen Position auf Termitenhügeln stehend, riesige Termitenschwärme auf Wanderschaft zogen in einer fetten schwarzen Wolke an uns vorbei, Zebras dösten in der Mittagshitze, den Kopf jeweils vertrauensvoll auf den Rücken des anderen gelegt, Warzenschweine suhlten sich fröhlich in Schlammlöchern, Thomson- und Grant-Gazellen sprangen grazil davon – eigentlich war die Welt für mich ganz in Ordnung. Bis wir plötzlich das grüne Band des Mara Rivers erreichten, der einen alles andere als idyllischen Anblick bot: voll mit hunderten angeschwemmten Kadavern von Gnus, die die Flussüberquerung nicht geschafft hatten. Der ganze Fluss war voll davon – und jede Menge fette Krokodile und Nilpferde mittendrin, sowie tausende Geier und Marabu Störche, die über dem Fluss kreisten oder sich am Aas gütlich taten. Nicht nur der Anblick sondern auch der damit verbundene Gestank war unbeschreiblich… Eigentlich hatten wir hier unser Picknick einnehmen wollen, doch zum Glück entschieden wir uns für einen anderen Rastplatz, weit weg vom Fluss, der über einige Kilometer verseucht war mit Kadavern. Scheinbar stellen sich die Gnus bei der Flussüberquerung nicht besonders geschickt an – anstatt eine flache, besser geeignete Furt zu suchen, nehmen sie oft die hohen Steilhänge. Zudem sammeln sich die Herden stets vor der Überquerung, manchmal tagelang, bis es tausende Tiere sind, und keines will den ersten Schritt machen, doch wenn das erste Tier es wagt, sich hinunter ins Wasser zu stürzen, dann gibt es kein Halten mehr, und das große Schieben und Drängen beginnt – die dabei unvermeidlichen Unfälle sind viel gefährlicher für die Gnus als die im Fluss lauernden, gefräßigen Nilkrokodile. Böse Zungen behaupten, die geringe Intelligenz der Gnus sei der Grund, warum es so viele von ihnen gäbe… Die Zebras haben das wohl etwas besser im Griff. Erfahrene Tiere führen die Herden alle Jahre durch gut bekannte, sichere Furten, so dass es wesentlich weniger Verluste zu beklagen gibt.

Unser Picknickplatz bot neben saftigen Lammkoteletts, die Metti über dem Feuer für uns brutzelte, ein hervorragendes Panorama – weite gelbe Savanne, mit zahllosen schwarzen Punkten gesprenkelt – gewaltig!

Zwischendurch versuchten wir noch ein wenig Suaheli zu lernen, neben Englisch die Amtssprache Kenias. Ohne Frage sind die Einwohner Kenias extrem sprachbegabt – jeder spricht mindestens 3-5 Sprachen, was sich u.a. aus der Vielfalt der über 45 verschiedenen Stämmen begründet. Wenn man Suaheli lernt, denkt man als Europäer zuerst an Disneys „König der Löwen“, denn so heißt z.B. Simba Löwe, Pumba Warzenschwein und Hakuna matata „kein Problem“. Farasi bedeutet Pferd, Asante Danke und Karibu sana Bitte / Willkommen.

Bei unserer Weiterfahrt durch die offene, flache Savanne hielten wir heute v.a. Ausschau nach Geparden, für die dies der ideale Lebensraum ist. Andere Touristen waren da schon etwas erfolgreicher und wir gesellten uns zu der Ansammlung Fahrzeuge, die etwas besonderes erspäht haben mussten – und tatsächlich konnten wir eine Gepardenmutter mit drei ca. 1-jährigen Jungen beobachten, leider nicht ganz in unserer von der Reitsafari gewohnten Exklusivität. Trotzdem war es schön, den Tieren beim Spielen zuschauen zu können. Auf dem Rückweg zum Camp schauten wir nochmals bei dem uns mittlerweile altbekannten Lion‘s Hill vorbei, wo wir eine Löwin bei ihrem Toilettengang beobachten durften – auch so etwas sieht man nicht alle Tage. Auf der andern Seite des Hügels lauerte eine Löwin auf die Dämmerung und schien in rechter Jagdlaune zu sein. Mit federndem Schritt machte sie sich in Richtung der untergehenden Sonne und der Gnuherden auf den Weg, ganz clever unseren Jeep als Deckung nutzend. Unsere Spannung stieg, doch auch die der Gnus – diese hatten den Braten nämlich schon gewittert und stießen nun statt ihres üblichen beruhigenden „Muhen“ stampfend Warnlaute aus. Der Löwin war also erst einmal kein Glück beschert. Dafür genossen wir noch den feuerroten Abendhimmel, an dem die Sonne vor der Kulisse zahlloser schwarzer Gnus als riesiger, leuchtender Glutball langsam versank um einer weiteren afrikanischen Nacht Platz zu machen. Was für ein aufregender Tag und grandioser Abschluss!

Im Camp war dann Duschen unterm funkelnden Sternenhimmel angesagt, das angenehm heiße Wasser mit einem zart rauchigen Duft nach Lagerfeuer, im Hintergrund der quakende Sound der winzigen, aber dafür umso lauteren Schilffrösche, das Grillenzirpen, Gnu Sound und fernes Löwenbrüllen – nur eine Dusche, aber zugleich ein Fest für alle Sinne! Wie auch das anschließende Abendessen im 1000-Sterne-Restaurant! Statt im Messe-Zelt war unsere festliche Tafel heute am Lagerfeuer aufgebaut und wir konnten das delikate 3-Gang-Menü mit Blick auf das Kreuz des Südens genießen. Wahrscheinlich grenzt es langsam an Nötigung, wenn ich die Speisefolge aufführe, doch es war einfach zu vorzüglich, um es zu verschweigen: Gänseleberpastete, zarter Rinderbraten mit süßem Kürbisgemüse und Bohnen, als Nachtisch Früchte-Auflauf mit Vanillesoße.

Auf dem nächtlichen Weg zurück ins Zelt blieb mir kurz das Herz stehen – hörte sich das doch eben wie ein Löwe im Gebüsch an!? Nach mutiger Pirsch zusammen mit Eva stellte sich heraus, dass der „Löwe“ in Zelt Nr. 5 wohnte – hier schnarchte Bruce in Seelenruhe. Puh, da war ich doch etwas erleichtert und konnte beruhigt zu Bett gehen!



Montag, 25.07.

Wieder ein „Moving Day“ und unser längster Reittag mit 50 km. Zunächst ging es durch üppig grüne Landschaft entlang des Flusslaufes, dann änderte sich die Landschaft dramatisch, wurde immer trockener, um in einer steppenähnlichen, kargen Weite zu enden mit vereinzelten Sukkulenten und gewaltigen Kakteenbäumen sowie leuchtend gelb-orangen Senegal-Akazien. Weite, endlose Steppe mit kurzem, hartem, braunem Gras ersteckte sich bis zum Horizont – plötzlich fühlte ich mich wie in der Mongolei… Das Terrain war natürlich wie geschaffen für heiße, lange Galoppaden!

Entsprechend flott erreichten wir unser Mittagscamp, wo sich nicht nur die Pferde über was zu Futtern freuten! In dem angenehm grünen Wäldchen spendeten hohe Bäume wohltuenden Schatten für Ross und Reiter, während ein kühler Wind unsere heißen Gemüter beruhigte. Nach dem Picknick ein gutes Buch zur Siesta – ach, am liebsten könnte der Urlaub ewig so weiter gehen!

Wieder im Sattel staunten wir nicht schlecht, als wir wenige Meter vom Rastplatz entfernt in dem scheinbar „toten Busch“ eine große Herde von über 20 Giraffen entdeckten. Unser Handpferd Jonny Walker hatte nichts Besseres zu tun, als frech zu ihnen hinüber zu traben und sie ein wenig durch die Gegend zu jagen – und wir mittendrin!

Kurz darauf begegneten wir noch zwei stattlichen Elefantenbullen mit riesigen Stoßzähnen, die hoch aufgerichtet und trompetend mit wedelnden Ohren auf uns zu kamen – Jakob meinte, das sei nur Spiel – und so „spielten“ wir eine Weile mit ihnen, wobei ich doch eine Menge Respekt und ein wenig Herzklopfen hatte.

Noch sehr beeindruckt von dieser Begegnung erreichten wir in der Abendsonne unser letztes Camp, Olare Lamun.



Dienstag, 26.07.

Rund um die Pferde hüpften und flitzten jede Menge putziger Affen, sog. Südliche Grünmeerkatzen, die versuchten, ein wenig vom Pferdefutter zu stibitzen. Das goldene Morgenlicht blinzelte durch die Äste des tief grünen Akazienwaldes. Die gelbgrünen Gelbfieber-Akazien, wilde Lianen und dichtes Buschwerk sorgten für ein rechtes Dschungel-Feeling auf unserem Ritt entlang des tief in die weiche Lehmerde eingegrabenen Bachlaufes. Siedler hatten damals die Akazien nach dem gefürchteten Gelbfieber benannt, das stets in ihrer Nähe aufzutreten schien. Die Erklärung des Rätsels liegt darin, dass die Bäume in feuchten Gebieten vorkommen, oft an Flussläufen, die natürlich auch gern von den Siedlern als Rastplatz genutzt wurden, ohne Kenntnis darüber, dass die am Wasser besonders häufig auftretenden Stechmücken den Gelbfieber-Virus übertragen.

Im Camp gab es ein reiches Frühstück und danach fuhren wir per Jeep zu einem sehr schönen Aussichtspunkt, den es jedoch erst zu erklimmen galt! Wobei uns Metti unterwegs noch einen Trick der Masai zeigte: den „Zahnbürstenbaum“. Dabei handelt es sich um wilde Olivenbäume, deren Zweige man am Ende mit dem Messer anspitzen und die festen Fasern freilegen kann, mit denen man sich dann die Zähne bürstet, wobei der Saft der Pflanze eine desinfizierende Wirkung hat – sehr praktisch! Oben auf dem Felsen erwartete uns ein grandioses 360°Panorama über die weiten Ebenen, von denen wir gestern gekommen waren, bis hin zu den Loita Hills. Unten zogen zwei Elefanten derweil gemächlich an unseren Jeeps vorbei…

Am Nachmittag unternahmen wir von unserem Camp aus einen Spaziergang zu einem nahegelegenen Masai Village, und zwar einem echten, das nicht nur für Touristen errichtet wurde. Da der Masai Häuptling, ein guter Bekannter von Jakob, uns eingeladen hatte, war man auf unser Eintreffen bereits sehr geschäftstüchtig vorbereitet – die Frauen hatten ihre handgefertigten Waren und Schmuck ausgebreitet, so dass wir wieder verleitet waren, das ein oder andere Souvenir zu erstehen. Die Männer begeisterten hierbei eher die Waffen der Masai Krieger, die Speere, Messer sowie Pfeil und Bogen anboten. Jakob führte uns auch in eines der „Häuser“ der Masai, die man eher als Lehmhütten bezeichnen kann. Durch einen schmalen Eingang mit maximal 1,50 m Höhe tauchten wir in kleinen Gruppen in eine andere Welt ein. Jakob hatte eine Stirnlampe dabei, denn die Hütten besaßen keine Lichtöffnungen, nur einen winzigen Spalt für den Rauch des Feuers. Im flackernden Schein der Glut und dem kleinen Lichtkreis der Lampe erzählte uns Jakob einiges über die Kultur und Lebensweise der Masai. Die Hütten werden allein von den Masai Frauen errichtet und zwar immer wieder aufs Neue, wenn das Dorf ca. aller 10 Jahre umzieht. Auch alle sonstigen Arbeiten rund um den Haushalt und die Kindererziehung werden von den Masai Frauen verrichtet. Ihr Dorf und Tierherden schützen sie traditionell mit zwei Wällen aus dichten Dornenzweigen – auch deren Errichtung ist Aufgabe der Frauen. Die Männer kümmern sich um das Vieh, d.h. Ziegen, Schafe und Rinder – der größte Wert und ganze Stolz der Masai. Jakob erwähnte auch, dass der Häuptling sehr wohlhabend sei, er besitzt allein Kühe im Wert von über 50.000 USD, zudem hat er sechs Frauen – jede mit einem eigenen Haushalt versteht sich - und 29 Kinder – der größte Reichtum der Masai. So langsam begannen wir zu ahnen, wie anders die Welt hier aussah… Anschließend demonstrierten die Masai uns noch das traditionelle Gewinnen des Rinderblutes mit Pfeil und Bogen, wobei dem Rind eine geringe Menge Blut abgenommen, in einem ausgehölten Kürbis aufgefangen, mit Milch vermischt und von einem der Kinder sogleich getrunken wurde.

Wieder in unserem Camp, kam am Abend eine Gruppe junger Masai Krieger zum Gegenbesuch und zeigte uns einige traditionelle Tänze. Als eine Art Lehrzeit über ca. 10 Jahre, im Alter zwischen 16 und 26 Jahren, in der sie die Kampfkunst erlernen und Erfahrungen sammeln sollen, ziehen die jungen Männer in Gruppen von Dorf zu Dorf, und genießen als Krieger höchste Achtung. Beim Einmarsch in ein Dorf vollführen sie stets einen Tanz, den sie uns nun als erstes vorführten. Da es früher Tradition gewesen war, dass ein junger Masai Krieger zuerst einen Löwen getötet haben musste, bevor er heiraten durfte, zeigten sie uns als nächstes den Tanz, der von der Löwenjagd handelt. Ein Vorsänger erzählte die Geschichte und die Krieger stimmten rhythmisch und vielstimmig darin ein. Wie sie inbrünstig singend, stampfend und ihre Speere stoßend den imaginären Löwen in einem immer enger werdenden Kreis umzingelten, war wirklich gänsehauterregend! Kein Wunder, dass die Löwen noch heute die Masai zu fürchten wissen und einen weiten Bogen um deren Herden machen! Bei einem weiteren Tanz ging es darum, welcher der Krieger am höchsten aus dem Stand springen kann – dieser hatte immerhin bei den Damen des Dorfes die erste Wahl! Wild, mitreißend, fremdartig, urtümlich, faszinierend und zugleich beängstigend empfand ich das ganze Spektakel am Lagerfeuer – auf jeden Fall ein ganz besonderes Erlebnis, das unter die Haut ging!

Dazu bot die sternenklare Nacht neben einem gigantischen, fast greifbar nahen, afrikanischen Sternenhimmel auch noch ein himmlisches Spektakel in Form zahlreicher Sternschnuppen…



Mittwoch, 27.07.

Ein früher Abschiedsritt führte uns ca. 1,5 Stunden in ruhigem Tempo durch den Busch, um noch einmal die Pferde zu bewegen vor ihrer langen Heimfahrt von ca. 9 Stunden im Transporter.

Nicht nur unseren Pferden, sondern auch uns stand dann eine Stunde Offroad-Piste bevor, ehe wir die Asphaltstraße erreichten. Doch auch der Highway entpuppte sich als heikle Angelegenheit, denn immer wieder klafften breite Löcher. Erst nach einer weiteren Stunde erreichten wir eine Schnellstraße – die direkte Verbindung nach Uganda – deren Asphaltbelag zwar in wesentlich besserem Zustand war, doch dafür herrschte hier voller Verkehr mit zig LKW’s, übervollen Matatus und sogar Esel-Troikas! Am Straßenrand standen Kühe und Zebras bunt gemischt und jede Menge bunter Stände von Straßenverkäufern.

Am späten Nachmittag trafen wir im Deloraine Estate ein. Hier erlebten wir eine völlig andere Landschaft mit sattgrünen Wiesen und weiten Feldern, die fast nahtlos in einen riesigen, gepflegten Park und Garten übergingen, mit prächtig blühenden Zierbüschen und feinstem englischen Rasen, hin zur Deloraine Lodge. Malerisch eingebettet in saftigem Grün lag das altehrwürdige Herrenhaus im typischen Kolonialstil mit seinen 6 Gästezimmern, jedes individuell gestaltet und mit antiken Möbeln eingerichtet. Über die breite, repräsentative Treppe gelangten wir hinauf zur großen, überdachten Terrasse, auf der zahlreiche Sofas mit weichen Kissen zum Verweilen einluden. Von Cindy, der Lady des Hauses, wurden wir nicht nur herzlich begrüßt, sondern auch gleich zur Tea Time eingeladen. Danach unternahmen wir einen Rundgang über die Anlage und natürlich zu den Stallungen. Denn von hier kamen ja schließlich unsere tapferen Safari-Gefährten, die uns nicht nur 9 Tage sicher durch den Busch getragen, sondern uns allen auch sehr ans Herz gewachsen waren. Hier auf Deloraine werden die Pferde sorgfältig ausgebildet und auf ihre anspruchsvolle Aufgabe im Busch vorbereitet – nur die besten Pferde, die z.T. auch erfolgreiche Polo-Ponys sind, gehen auf Safari. In den offenen Stallungen und auf zahlreichen Weiden tummeln sich bis zu 90 Pferde. Und dann kamen auch unsere Pferde auf Deloraine an – voll Freude stürmten sie auf die heimische Weide!

Wir genossen dann erst mal den Komfort unserer Badezimmer – welch ein Vergnügen ganz ausgiebig duschen zu können! Frisch gestylt waren wir dann parat für das festliche Dinner in geselliger Runde, um den Abend dann später mit einigen Drinks und aufregenden Safarigeschichten gediegen im Kaminzimmer ausklingen zu lassen.



Donnerstag, 28.07.

Ein ganzer Tag auf Deloraine stand uns zur Verfügung – und so unzählige Möglichkeiten, dass man sich kaum entscheiden konnte. Vor dem Frühstück ging es auf einen Ausritt zum wach werden. Wir durften uns noch einmal in den Sattel unserer treuen Pferde schwingen und ritten durch satte Wiesen, die smaragdgrün im goldenen Morgenlicht glänzten. Ein flotter Galopp führte uns über eine Hindernis-Strecke, die entlang einer Wiese angelegt war. Sprung für Sprung ging es quasi wie im Flug über ein Gebüsch nach dem nächsten. Etwas außer Atem, aber ganz begeistert, kehrten wir nach dem sportlichen Morgenritt zur Lodge zurück – unser Frühstück hatten wir uns wirklich verdient!

Ein Teil der Gäste hatte sich für die Option entschieden, den ca. 45 Minuten entfernten Lake Nakuru Nationalpark zu besuchen. Die Fahrt dorthin war afrikanisch-abenteuerlich, führte sie doch durch das lebendige Städtchen Nakuru. Fahrradfahrer, dreirädrige Tuk Tuks, voll beladene Eselskarren, lebensmüde Fußgänger, vollgestopfte Busse und Matatus - hier gab es wirklich alles auf der Straße, außer Ampeln und Verkehrszeichen!

Der Eingang zum Nationalpark war fest in Affenhand! Überall turnten die zierlichen Grünmeerkatzen herum und inspizierten auch unseren Jeep ausgiebig. Interessant waren die zahlreichen Schulklassen, gut erkennbar an ihren Schuluniformen, die hier unterwegs waren. Wir hatten herausgefunden, dass in der Nähe ein großer Gesangswettbewerb stattfand -auf Nachfrage sang uns eine Gruppe Schüler sogar ein Lied!

Dann fuhren wir in den Park ein, wo uns das weiche Grün von seltenen „Yellow Acacia“ Wäldern aufnahm. Bei strahlendem Sonnenschein erreichten wir den silbrig schimmernden Salzsee mit rosa Rand, der sich beim Näherkommen als eine Unzahl von Flamingos herausstellte! Zwischen die Flamingos mischten sich zahlreiche Pelikane, eine Herde Zebras kam zum Trinken an einen der Süßwasserzuflüsse, jede Menge Marabu Störche staksten durch das seichte Wasser, mächtige Büffel tauchten im Wasser zwischen den Vogelschwärmen unter und Breitmaulnashörner, die in der Masai Mara leider nicht (mehr) zu sehen sind, entdeckten wir im Wald. Dort beobachteten wir auch zahlreiche Pavian-Familien beim Spielen und ausgiebiger Fellpflege. Am liebsten hätte ich den ganzen Tag in dem Park verbracht, der einen so unglaublichen Wildreichtum vor prächtiger Kulisse zu bieten hatte! Zurück auf Deloraine gab es ein vorzügliches Lunch im Garten am Pool sowie Zeit zum Relaxen. Am Abend bekamen wir Gelegenheit zu einer Schnupperstunde Polo! Dafür erhielten wir neue Pferde und eine Einweisung in die Haltung des Holzschlägers und die Schlagtechnik – dann ging es schon ab aufs Polofeld. Jeder konnte mit einem Ball für sich ein wenig üben. Lustig war mein Polo-Pony, da es jedes Mal dachte, wenn ich schlage, müsse es nun auf Richtung Tor galoppieren – dabei hatte ich doch entweder den Ball gar nicht oder nur viel zu schwach getroffen, so dass dieser nicht wie bei den Profis 50 Meter weit flog, sondern nur ein paar Meter weit kullerte. Tja, ein echtes Polo-Profi-Pferd mit einem blutigen Polo-Sport-Anfänger im Sattel… Trotzdem hat es mir viel Spaß und Geschmack auf dieses Spiel gemacht! Und mein Pferd hat wahrscheinlich aus lauter Mitleid ab und zu den Ball mit seinen Hufen weiterbefördert, wenn ich mal wieder nicht getroffen hatte!





Freitag, 29.07.

Noch ein früher Morgenritt versüßte uns ein wenig den Abschied. Nach dem Lunch hieß es dann leider Abfahrt. Gut drei Stunden abenteuerliche Fahrt bis Nairobi ließen uns die Zeit nicht lang werden. Doch in Nairobi angekommen, hieß es dann endgültig Abschied nehmen, was nach 11 Tagen gemeinsam bestandener Abenteuer und geteilter Erlebnisse nicht leicht fiel. Für mich gab es ja zum Glück noch eine Verlängerung, mit einer Reitsafari im Amboseli Nationalpark – doch das ist eine andere Geschichte…

Alle Infos zur Reise: http://www.reiterreisen.com/mmr011.htm
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