Kroatien: Plitvice Abenteuertrail - Land der fallenden Seen,

Kroatien: Plitvice Abenteuertrail - Land der fallenden Seen,

Beitragvon admin » 04 Mär 2013, 17:41

Kroatien: Plitvice Abenteuertrail - Land der fallenden Seen, Juni

Kroatien – ein Reiterland par excellence! Keine Reitverbote, dafür endlose Blumenwiesen, Felder, ausgedehnte Wälder, in denen noch Wölfe und Bären hausen, einsame Berge und gastfreundliche Menschen, die einen herzlich willkommen heißen. Eine Woche erlebte ich ein abwechslungsreiches Reitabenteuer in Dalmatien, auf den Spuren von Winnetou und Old Shatterhand. Bis zu dem einzigartigen Plitvice Nationalpark, UNESCO Weltnaturerbe, führte uns die Reittour, wo wir uns auf die Suche nach dem legendären „Schatz im Silbersee“ begaben.

Bild

Samstag, 23. Juni, Ankunft in Split
Aus Basel kommend, landeten Renate und ich in Split zu früher Stunde, um 07.30 Uhr bei sommerlichen 32°C und Sonne satt. Schnell waren wir per Taxi im Stadtzentrum, ließen unser Gepäck in einem der Schließfächer und stürmten die malerische Altstadt, immerhin UNESCO Weltkulturerbe, was uns sehr neugierig machte. Entlang der Hafenpromenade ging es immer der Nase nach und so landeten wir erst mal auf dem Fischmarkt, wo geschäftiges Treiben herrschte. Da uns aber nicht wirklich nach Sushi zum Frühstück war, zogen wir ein nettes kleines Café vor, wo wir gemütlich im Schatten unter Bäumen auf einem belebten Platz das Leben der Stadt an uns vorbeiziehen lassen konnten, bevor wir uns mit Prošek (Achtung, das ist kein Prosecco, wie wir ursprünglich glaubten, dafür aber ein sehr süffiger dalmatinischer Wein!) und Kaffee gestärkt selbst wieder ins Getümmel stürzten. Die Altstadt von Split lohnt auf jeden Fall einen Besuch! Sie erstreckt sich vorwiegend innerhalb der 2000 Jahre alten Mauern des Diokletian Palastes. Der römische Kaiser Diokletian hatte diesen einst als prunkvollen Ruhesitz erbauen lassen. Heute finden sich hier neben der prächtigen Kathedrale, historischen Ruinen und Ausgrabungen sowie unzähligen Geschäften und trendigen Szeneläden ein unglaubliches Gewirr an engen und engsten Gassen – wunderbar geeignet, sich einfach treiben zu lassen… Natürlich küssten wir auch den großen Zeh der Bronzestatue des heiligen Bischof Gregor von Nin, denn das soll ja Glück bringen!

Bild

Am Nachmittag wurden wir am Hafen von Isabel, unserer Schweizer Reitführung, und unseren Mit(st)reiterinnen Diana und Petra abgeholt. Durch unsere letztjährige Reittour auf Kreta sind wir schon eine eingeschworene Truppe und freuten uns über das Wiedersehen sowie auf ein neues Reitabenteuer…
Die Ranch befindet sich ca. 50 min Fahrt von Split, im Landesinneren. Auf dem Weg dahin erwartete uns jedoch noch eine Überraschung: der Besuch eines kroatischen Pferderennens! Da hier zwei Pferde des Reitstalls an den Start gingen, wollten wir uns dies natürlich nicht entgehen lassen! Bei Spanferkel frisch vom Spieß genossen wir das bunte Spektakel – für die Leute aus der Gegend ein willkommener Anlass zum Feiern!
Am Abend kamen wir dann auf der Ranch an, wo wir von zahlreichen Vierbeinern schon mit tierischer Freude erwartet wurden: 5 Hunde und 4 hungrige Katzenbabys, die durch einen unglücklichen Zufall auf der Ranch „gestrandet“ sind und nun per Flasche aufgepeppelt wurden. Für uns war auch noch gekocht worden, obwohl wir ja schon ganz satt vom Spanferkel waren. Müde fielen wir dann spät in unsere Betten.

Bild

Sonntag, 24. Juni: Fitness-Test!
Wir durften ausschlafen. Von 9-10 Uhr gab es Frühstück in der Sonne. Danach war Pferdefangen im großen Corral angesagt. Insgesamt leben auf der Ranch 85 Pferde, inklusive Ponys, Hengste und Fohlen. Und seit neuestem auch zwei Schweine. Nach dem Satteln ging es auf eine erste ruhige Tour zum Eingewöhnen, hinauf auf den Hausberg, zunächst durch Felder, dann durch niedrige Küstenwälder von Steineichen und vielerlei Gebüsch und Kräutern, darunter sogar blühender Lavendel. Rast machten wir nach gut zwei Stunden an einem Häuschen in den Bergen, während sich unsere Pferde auf der saftig grünen Wiese vergnügten. Wir wurden schon vom Begleitteam erwartet, d.h. von Ivo und Ante, die uns auf der Tour bestens betreuten, bei der dann auch noch Antonia, Ivo’s Tochter, dabei war. Auf der Feuerstelle köchelte schon ein Topf „Peka“ in der Glut, eine kroatische Spezialität mit Hähnchen, Kartoffeln und Gemüse, sehr schmackhaft! Gut gestärkt und ausgeruht konnten wir dann die nächste Etappe in Angriff nehmen – diesmal allerdings auf Schuster’s Rappen! Zu Fuß wurden wir mit der Aussicht auf tolle Aussicht eine Steilwand hinaufgeschickt, die wir munter in Angriff nahmen. Die ca. 150 Höhenmeter kamen uns dann doch deutlich mehr vor und ich glaube, Isabel stoppte unten die Zeit, um unser Fitnesslevel zu testen! Doch der anstrengende Aufstieg lohnte sich, denn die Aussicht vom Gipfel war wirklich beeindruckend: im Nachbartal sah man den türkisblauen Stausee des Cetina-Flusses und das umliegende Küstengebirge mit seinen weißen, zerklüfteten Karstfelsen bot eine wunderbare Kulisse.

Bild

Unten bei den Pferden freuten wir uns, dass wir uns wieder in den Sattel schwingen konnten und in der herrlich goldenen Abendsonne ging es nun bei angenehmen Temperaturen und einer frischen Meeresbrise zurück zur Ranch. Der Koch erwartete uns schon mit einem kroatischen Eintopf – die Küche hier ist meist deftig und vor allem immer reichlich!!!

Bild

Montag, 25. Juni: Das Abenteuer beginnt!
Unsere Pferde waren uns schon voraus – der Pferdetransport ging in der Nacht um 24 Uhr, da dann die Temperaturen angenehm kühl sind und keine Fliegen die Pferde stören. Für uns ging es dann nach dem Frühstück los Richtung Norden, mit dem Jeep und Anhänger voll Ausrüstung, Pferdefutter und Wassertank. Unterwegs füllten wir die Wasserreserven auf – Trinkwasser muss hier überall gekauft werden, denn viele Dörfer und selbst die Ranch sind ohne Wasserleitungsanschluss. Dafür hat das Trinkwasser in Dalmatien überall hervorragende Qualität und kommt meist frisch aus einer Quelle. Nach ca. 1,5 Stunden erreichten wir in der Lika-Region unseren Startpunkt, wo die Pferde auf der Koppel uns – oder besser unser Wasser – schon sehnsüchtig erwarteten! Nach dem Tränken und Satteln wurden die Pferde sorgfältig mit einem „leckeren“ Gemisch aus frischen Knoblauchzehen und Schweinefett eingerieben, wohl das Einzige, was gegen Fliegen hilft, und eine von jetzt an alltägliche Prozedur, die die Pferde dankbar über sich ergehen ließen. Vielleicht glänzte ja auch daher ihr Fell so toll!? So gewappnet konnten wir durchstarten! Einen Pferdetausch hatten wir noch vorgenommen, da uns eines der Pferde am ersten Tag doch etwas zu temperamentvoll gewesen war. Ich saß auf Funny, einer hübschen, braunen Anglo-Araberstute, die gern zügig und unerschrocken vorwärts ging – auch als Führpferd – ich fühlte mich mit ihr sehr schnell pudelwohl! Auch Diana auf Lilly war happy, ebenso Petra auf ihrem Lipizzanerschimmel Seus („Zeus“ auf Kroatisch) sowie Renate auf ihrem hübschen Braunen mit Namen „Nirvana“.
Ein ca. 2-stündiger Ritt führte uns flott durch üppig bunte Blumenwiesen vor schönem Gebirgspanorama bis zum Mittagsrastplatz, wo die Pferde in eine extra abgesteckte Koppel entlassen wurden und wir uns an die bereits gedeckte Tafel setzen und auf das von Ivo und seinem Team vorbereitete köstliche Mittagessen stürzen konnten – hungrig waren wir allemal! Als Dessert gab es eisgekühlte Fruchtsäfte – eine sehr willkommene Erfrischung! Zur Siesta zogen wir uns dann auf Schaumstoffmatten in den Schatten zurück, mit Blick auf die Pferdekoppel – wahrhaft paradiesisch! Gegen 17 Uhr ging es weiter, mit einigen flotten Galoppaden durch Kieferwäldchen, vorbei an Kuh- und Eselweiden und auf einem Feldweg in gestrecktem Galopp zu unserer Unterkunft. Nickys Haus liegt im „Windtal“, aus dem die zähesten Männer des Landes stammen, denn hier herrschen lange, harte Winter mit eisigem Wind und rauen Lebensbedingungen – der Temperaturunterschied zur Küste ist selbst im Sommer deutlich spürbar. Wir werfen die „Schnapsheizung“ an, d.h. es gibt erst mal einen kleinen Willkommenstrunk, Prost! Während wir sechs Frauen (Isabel, Antonia, Renate, Petra, Diana und ich) gemütlich in der blumenüberwucherten Gartenlaube sitzen und Schnaps trinken, bereiten uns vier Männer (Nicky und ein Freund, Ivo und Ante) in der Küche das Abendessen vor – Männer an den Herd! Wenn das kein Traumurlaub ist! Es gibt mein Lieblingsgericht: Gefüllte Paprikaschoten und Kartoffelbrei, da schaffe ich doch glatt die doppelte Portion!

Bild

Dienstag, 26. Juni: Den Letzten beißen die Esel!
Warmer Wind weht frischen Heuduft zu uns herüber und die Sonne scheint durchs Fenster herein – guten Morgen! Nicky hat den Frühstückstisch bereits reich bestückt und freut sich, dass wir den starken türkischen Kaffee sowie die fetten Berliner, die übrigens die Pferde scheinbar auch zum Fressen gern haben, genießen!
Auch unsere Pferde auf der Koppel hinterm Haus sind frisch – beim Einfangen galoppieren sie erst einmal munter mit wehender Mähne an uns vorbei… Unterm Sattel schreiten sie dann auch zügig aus, gut 15 km durch weite kornblumen- und mohngesäumte Felder und Wiesen. Nach einem langen Trab sind auch die Reiter wach. Margariten, Kamillen, Schafgarbe, Glockenblumen, hohes Gras und goldenes Getreide wiegt sich in weichen Wellen im Wind, der Kuckuck ruft uns aus dem Wald zu und weit und breit sind wir die Einzigen, bis auf eine Herde „Wildpferde“, eine frei laufende Herde bestehend aus Stuten, Fohlen und einem Hengst…
Die Idylle wurde plötzlich gestört von einem „Eselüberfall“: zwei angriffslustige Esel stürzten schreiend auf uns zu! Lilly fand das gar nicht lustig und suchte fix das Weite. Funny aber drehte sich blitzartig herum und ging frontal auf den Eselhengst los, der angriffslustig und wie ein Löwe mit weit aufgerissenem Maul in unserer Gruppe stand und lauthals sein Revier verteidigte! Nach dem ersten Schrecken mussten wir alle über diese komische Situation lachen!
Die Mittagsrast machten wir bei einem netten alten Pärchen, Mile und Milka. Während er uns erst einmal ein Brett über Baumstümpfe zu einer Bank zusammennagelte, tischte sie schon frisch gebackene Krapfen, selbstgemachten Walnuss- und Honigschnaps auf. Eigentlich waren wir schon nach dem Apéro satt, doch in Kroatien ist das Essen nicht nur deftig-lecker, sondern v.a. auch viel! Zum Mittag gab es Kartoffelecken, Schinkenspeck und Käse aus eigener Herstellung, Salat, Hähnchenschnitzel und Kaffee mit frischer Milch (oder deren sahniger Ablagerung, eine besondere Delikatesse, wie ich feststellen durfte…). Liebevoll sorgte sich die Dame des Hauses um uns und ihre herzliche kroatische Betreuung kannte keine Grenzen, nicht einmal auf dem WC…

Bild

Während unsere Pferde friedlich grasten, hielten wir im Garten Siesta, zu der sich dann auch der Hofhund und einige Truthähne gesellten. Der Nachmittagsritt führte zunächst durch ein angenehm schattiges Wäldchen und dann einen Berg hinauf auf ein einsames Hochplateau, das außer durch uns nur von einem Schäfer mit seiner Schafherde und Wachhund in seiner Stille gestört wurde. Ein flotter Galopp führte uns durch bunte Blumenwiesen und Schmetterlingswolken. Goldenes Abendlicht verzauberte die umliegenden grünen Berge. Im Hotel wurden wir bereits von einem „Empfangskommitee“ erwartet. Die Pferde durften auf die Koppel, die Reiter an die Bar! Abendessen gab es à la Carte.

Mittwoch, 27. Juni: Baden verboten!
Nach dem Frühstück um 8.30 Uhr erreichten wir in flotten Galoppaden (nur dichtes Gestrüpp konnte uns stoppen!) nach gut 2 Stunden Korenica. Im Zentrum des kleinen Ortes wurden wir bereits von Ivo und einer Horde Jungs erwartet, die darauf brannten, sich wie echte Cowboys in den Sattel zu schwingen. Also gaben wir unsere Pferde ab und ließen sie das restliche Stück zur Koppel reiten, wo sie auch begeistert absattelten und den ganzen Nachmittag bei den Pferden verbrachten. Wir spazierten derweil zu unserer Unterkunft, einer netten kleinen Privatpension, wo wir im Garten mit frischer Holunderblütenlimonade begrüßt wurden. Nach einer angenehm kühlen Dusche ging es los Richtung Plitvice Nationalpark. Unterwegs gab es im Dorfladen für jeden noch ein Sandwich auf den Weg. Den ganzen Nachmittag hatten wir bei den Plitvicer Seen zur freien Verfügung, doch man könnte Tage in dem Park verbringen, der so viel reizvolle Eindrücke zu bieten hat! Wir entschieden uns für Route E, so dass es per Bimmelbahn zum Start des 3-stündigen Rundgangs ging und dann per Schiff zurück. Bei prächtigem Wetter genossen wir die traumhafte Kulisse: 16 Seen, verbunden durch unzählige Bäche und Wasserfälle, berechtigterweise UNESCO Weltkulturerbe! Sprühender Wassernebel und die vielen sprudelnden Bäche sorgten zusammen mit der üppig-wilden Vegetation für ein angenehm kühles Klima und echtes Regenwald-Feeling. Da hier die Natur sich selbst überlassen bleibt, uralte, mächtige Baumstämme im Wasser langsam verrotten oder von Farn und Moos überwuchert werden, fühlte man sich teilweise wie in die Urzeit zurückversetzt, und wenn noch ein Dinosaurier aufgetaucht wäre, hätte mich das in dieser mystischen Szenerie nicht verwundert!

Bild

Das glitzernde, türkis und himmelblau schimmernde Wasser war extrem verlockend, doch Baden ist hier leider verboten! So beneideten wir die vielen Fische, Enten und Krebse die sich im kristallklaren Wasser tummelten. Berühmt wurde der Park ja auch als Filmkulisse für die Karl May Verfilmung vom „Schatz im Silbersee“. Winnetou hätte auch jederzeit um die Ecke geritten kommen können, so eindrücklich erinnerte die Landschaft mich an die Filme aus meiner Kindheit!
Gegen 19 Uhr holte uns Ivo ab und in 20 Minuten trafen wir wieder in Korenica ein. Hungrig waren wir dann auch und so marschierten wir geschlossen ins Restaurant, wo schon ein Spanferkel über dem Feuer brutzelte. Gesellschaft bekamen wir noch durch ein sympathisches französisches Pärchen, die mit dem Motorrad in Kroatien unterwegs waren und uns am Morgen sehr interessiert beim Abritt beobachtet hatten. So wurde es ein fröhlich bunt gemischter, internationaler Abend mit Gesprächen in Deutsch, Englisch, Französisch und Kroatisch…

Bild

Donnerstag, 28. Juni: Wir gehen doch baden!
Sonne satt und blauer Himmel, dazu ein üppiges Frühstück inklusive hausgemachter Marmelade, Käse, Ei, gebackene Minikrapfen und ein feiner Hagebuttenlikör… Die Dorfjungs hatten unsere Pferde bereits geputzt – ein toller Service! Gern haben wir sie dann durch den Ort reiten lassen, bevor wir uns selbst in den Sattel geschwungen haben. Durch duftende Tannenwäldchen ging es entlang einer bewaldeten Bergkette vorbei an bunten Imkerwagen und einer einsamen Kirche in gut 2 Stunden zum heiß ersehnten Baggersee! Die Pferde durften sich zunächst auf der Koppel tummeln, während wir in unsere Badesachen sprangen und dann ging’s per Pferd ab zum Badeplausch! Funny hatte viel Freude an dem kühlen Nass und so konnte ich mit ihr richtig „Wellenreiten“ – wie per Jetski, nur viel besser, durchpflügten wir gemeinsam den kleinen See! Danach konnten wir auch ohne Pferde noch eine Runde schwimmen – wie langweilig! Nach der herrlichen Erfrischung wieder im Sattel gab es einen ebenso frischen Galopp über die weite Wiese! Danach ging es steil bergauf, bis auf 1.613 m, auch ein Stück (ca. 30 min) zu Fuss, bei dem wir ganz schön ins Schwitzen kamen. Zu Pferd ging es dann weiter durch angenehm schattigen, sattgrünen Wald und nach einer langen Trabstrecke riss der Wald plötzlich auf und wir standen mitten auf einer üppig bunten, farbenprächtigen Blumenwiese. An deren Ende wurden wir bereits von unserem aufmerksamen Begleitteam erwartet – mit gedeckter Tafel und frisch gekochtem, deftigen Gemüseeintopf sowie einem hübschen Blumenstrauß auf dem Tisch. Doch ebenso liebevoll sorgte Antonia für die Pferde, die Apfelstückchen und Brot bekamen…
Nach der himmlischen Siesta auf der Blumenwiese ritten wir gegen 18 Uhr weiter durch tiefe Wälder und einsame Berge – weit und breit keine Spuren von Zivilisation, nur dichte Buchen- und Nadelwälder – ich hoffte nur, unsere Reitführerin Isabel kennt den Weg, denn ich kam mir schon fast vor wie in der fernen Taiga… Im Galopp erreichten wir dann ein kleines Bauerngehöft, wo der Abend zu einer Art „Zeitreise“ wurde. Schwarz gekleidete Frauen erwarteten uns bereits im Garten unter Obstbäumen. Das Landleben in dieser Gegend ist einfach und hart, viele Menschen leben fast ausschließlich von dem, was sie selber anbauen, so auch hier. Umso gastfreundlicher wurden wir aufgenommen und von dem Herrn des Hauses fröhlich mit einem breiten „Okay Baby“ begrüßt, den einzigen zwei Worten, die er auf Englisch beherrscht. Wir zogen mit unseren Koffern ins „Heuhotel“ – statt Zelten bevorzugten wir das Abenteuer der Übernachtung in der alten Scheune. In der sehr einfachen Küche kochte Antonia auf dem urigen Holzofen bereits Spaghetti für uns, dazu gab es Salat. Mit Rotwein und Prošek wurde es ein gemütlicher Abend in der kleinen Küche um den Ofen, jedoch erst, nachdem unser Held Ante das schreiende Katzenbaby vom Baum gerettet hatte! Glühwürmchen tanzten im Garten und wir taumelten unter dem glitzernden Sternenhimmel müde gen „Heuhotel“, wo wir uns in unsere duftenden Betten sinken ließen…

Bild

Freitag, 29. Juni: Gipfelstürmer!
Am Morgen durfte ich mir die Milch für meinen Kaffee selbst melken! Im Garten saßen wir in der Sonne bei goldgelbem Omelette mit Zwiebeln, bevor wir wieder die Pferde sattelten. Heute übernahm Funny die Führung und wie Winnetou höchstpersönlich folgte ich der kaum sichtbaren, eher zu erahnenden vor zwei Wochen ausgetretenen schmalen Spur durchs hohe Gras. Ein langer Trab durch die Felder ließ uns wach werden. Danach gab es einen flotten Galopp über einen gewundenen Feldweg und über eine weiche Wiese einen gestreckten Galopp – Funny gab jetzt richtig Gas, denn sie wusste, jetzt gibt’s bald eine Woche Ferien! Auf einem Bauernhof aßen wir zu Mittag. Die Gastgeberin hatte schon reichlich aufgetischt: auf der Tafel türmten sich Schinken, Speck, Käse, Frischkäse – alles selbstgemacht! Als Hauptgang gab es Lammleber und Polenta, als Vorspeise und Nachtisch den üblichen Schnaps. Einige Schnäpse konnten wir hier auch kaufen. Das Haus war angenehm kühl, da ca. 2 m in die Erde eingelassen. Am Nachmittag erwartete uns wieder eine Bergetappe, ca. eine Stunde ging es durch schattigen Buchenwald und leicht schläfrig Serpentine um Serpentine bergauf. Doch der Aufstieg sollte sich lohnen! Auf dem Gipfel angekommen, öffnete sich vor uns plötzlich ein herrliches Panorama. Ein weites Hochplateau und bunte Almwiesen umrahmt von grünen Hügeln und Bergen, sowie eine schier grenzenlose Einsamkeit lagen uns zu Hufen! Die Pferde bekamen eine Gipfelpause im schattigen Wäldchen: Absatteln, Wälzen, Freiheit!
Nach dem dritten Mal Aufsatteln heute (langsam können wir’s!) ging es an den Abstieg querfeldein. Durch ein weites Hochtal eingerahmt von grünen Bergketten ritten wir durch ein geologisch interessantes Gebiet – in der Karstlandschaft gab es immer wieder plötzliche tiefe Einsenkungen und Löcher. Über uns trällerten die Lerchen, um uns herum summten und brummten die Bienen, während wir durch Margeritenfelder, weiße „Wolkenblumen“ und Schmetterlingswolken ritten. Weiße Kalkfelsbrocken schimmerten im smaragdgrünen Gras und goldenen Abendlicht. Es schien, als wollte Mutter Natur uns sich am letzten Reittag noch einmal in ihrer ganzen Schönheit zeigen. Man hätte ewig so weiterreiten können, in dieser herrlichen Landschaft. Doch viel zu schnell war es vorbei und wir erreichten Ivo, Antonia, Ante und Nicky mit dem Transporter. Unsere Pferde hatten jetzt 1 Woche Koppelferien bei Nicky, unserem Gastgeber vom 3. Abend, vor sich und da sie das genau wussten, waren sie auch ganz fix im Hänger!
Nicky freute sich schon sehr auf die Pferde, die er seinen Enkeln zeigen wollte. Als Überraschung und Abschiedsgeschenk hatte er jedem von uns sogar noch eine (Liter!) Flasche Schnaps mitgebracht, was uns sehr rührte.
Nach dem Abendessen im Restaurant machten wir uns auf die Heimfahrt zurück zur Ranch, wo wir bereits sehnsüchtig von den vier Katzenbabys und fünf Hunden erwartet wurden. Nach der heißen Dusche ging’s ab ins Bett.

Bild

Samstag, 30. Juni: Auf Wiedersehen Kroatien!
Da Renates, Dianas und mein Rückflug schon sehr früh gingen, hieß es 05.30 Uhr aufstehen. Ivo brachte uns zum Flughafen. Es versöhnte mich ein wenig, dass das Wetter bei Ankunft in Basel in etwa dem in Split entsprach: 30°C und Sonnenschein! Und das letzte Mal war ich ganz sicher nicht in Kroatien!

Julia Kretschmer

Alle Infos zur Reiterreise: http://www.reiterreisen.com/pli008.htm


Bild
Benutzeravatar
admin
Site Admin
 
Beiträge: 116
Registriert: 20 Feb 2013, 13:58

Zurück zu Unsere Reiseberichte

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast