Etrusker-Abenteuer-Ritt

Etrusker-Abenteuer-Ritt

Beitragvon admin » 04 Mär 2013, 17:39

Reiten, Schlemmen und ...Geschichte!

Am Sonntag Nachmittag komme ich pünktlich mit dem Zug in Orvieto an, wo ich zusammen mit einer Mitreiterin aus der Schweiz von unserem Partner abgeholt werde. Aus der Schweiz ist die Anreise per Bahn recht bequem, manche Züge fahren sogar bis Florenz durch. Von Orvieto geht es ca. 50 Minuten über eine kurvenreiche Strecke durch ein einsames Waldgebiet. Irgendwo mittendrin liegt unser Ziel, ein netter kleiner Agriturismo. Nach dem Aperitif haben wir beide noch etwas Zeit uns umzusehen. Allerdings regnet es und die matschigen Wege verlieren sich alle im Felde. Um 19:00 Uhr sollen unsere 4 Mitreiterinnen eintreffen. Kurz nach 7 rufen sie an. Da über Florenz stundenlang schreckliche Gewitter herrschten, mussten sie schließlich in Pisa landen. Dort versuchen sie nun ein Taxi aufzutreiben, aber niemand will die lange Strecke so recht auf sich nehmen. Also fahren Sie mit dem Flughafenbus nach Florenz. Als sie dort endlich ein Taxi bekommen ist es schon nach 21:00 Uhr. Wir genießen derweil unser mehrgängiges typisch italienisches Abendessen zu Dritt. Typisch italienisch ist leider auch der Fernseher, der hier in jedem Restaurant läuft. Weshalb man zu einem leckeren Abendessen geschmacklose Unterhaltungsshows braucht, ist auch unserem Reitführer Duska ein Rätsel und als wir alleine im Restaurant sitzen, schalten wir das Ding heimlich aus. Um 11 begeben wir uns langsam ins Bett, die anderen sind immer noch unterwegs und bestehen schon ihr erstes Abenteuer bei einer Fahrt durch die einsame Dunkelheit. Nur ein einzelnes Stachelschwein begegnet ihnen unterwegs. Schließlich rufen Sie um Mitternacht an. Sie stünden jetzt vor einem Haus irgendwo mitten im Wald und nirgends sei ein Licht... Ich komme herunter und tatsächlich steht draußen in der Dunkelheit ein Taxi. Heilfroh beziehen sie Ihre Zimmer und wir legen uns wieder schlafen. Statt von einem Hahn werden wir hier von einem Esel geweckt und endlich scheint auch wieder die Sonne. Nach einem kleinen italienischen Frühstück mit Kuchenstückchen und Capuccino, holt uns Duska ab und bringt uns zu den Pferden, die schon fertig gesattelt parat stehen. Am Anfang habe er die Gäste selbst helfen lassen, aber mit den Woilachen gab es da oft Schwierigkeiten und es dauerte seine liebe Zeit, bis alle fertig waren. Wir haben gegen diesen Service auch gar nichts einzuwenden, denn es bedeutet, dass wir uns morgens schön Zeit lassen können. Um 8:30 Uhr gibt es Frühstück, Abholservice um 9:45 Uhr, da kann man nicht meckern.

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Als die Pferde eingeteilt sind und alle im Sattel sitzen, kann es losgehen. Ich bekomme die kleine weiße Andalusierstute Esperia, die noch nicht viel Trailerfahrung hat. Was meinem Pferd etwas Schwierigkeiten bereitet sind die großen Schritte der anderen. Ihre Schritte sind einfach kürzer, weswegen wir meist im Trab unterwegs sind. Da das nicht jedermanns Sache ist, wird Esperia sonst nicht oft von Gästen geritten. Wir kommen aber nach kleiner Gewöhnungsphase gut miteinander aus. Die anderen sind teils alte Hasen, die kleinste Stute ist 18 Jahre alt, läuft aber flink vorne mit und ist auch die Chefin im Bunde. Annette aus der Schweiz hat einen feinen jungen Araberwallach bekommen, einen echten Schönling, der nicht genug bekommt vom Galoppieren. Wir genießen denn auch viele lange Galoppaden. Die Pferde sind wirklich ausgesprochen zäh und ausdauernd. Das Tagespensum sieht bis zu 40 km am Tag vor, was schon ganz ordentlich ist.

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Am ersten Tag reiten wir v.a. durch den Wald. Nach einem unerwartet langen Galopp, bei dem ich mit Esperia gemütlich hinterher galoppiere, erblicken wir unser Tagesziel Proceno. Um dort hinzukommen, nehmen wir unseren ersten abenteuerlichen Pfad durch ein dichtes Gestrüpp, wobei es gilt, nicht an herunterhängenden Dornen hängen zu bleiben. (Am Anfang dachte ich, es seien Lianen...). Da es hier in letzter Zeit ergiebig geregnet hat, sind die Büsche seit der letzten Tour ordentlich gewachsen und wir werden uns noch ein paar Mal mit Brombeergesäumten Pfaden auseinander setzen müssen. Voraus reitet Duska mit seiner Machete und versucht, dem Gestrüpp Einhalt zu gewähren. Dabei hatten wir doch von der Toskana Zypressengesäumte Alleen erwartet. Wenn die Brombeeren wenigstens schon reif wären... Dafür genießen wir aber wenig später saftige Kirschen direkt vom Baum. Bald darauf erreichen wir das mittelalterliche Proceno. Unterhalb der Stadtmauern finden wir zwei große gepflegte Koppeln vor, die ordentlichst mit Holz eingezäunt sind. Hier lassen wir die Pferde doch gerne zurück. Wir selbst kommen heute in den Genuss einer Schlossübernachtung. Im Castello di Proceno erwartet uns ein herzlicher Empfang der „Hofdame“, die uns zu einer kleinen Führung durch Ihre privaten Gemächer und auf den eindrucksvollen Schlossturm einlädt. Wir sind beeindruckt von den vielen Schätzen an Bildern, Gewändern und vielem anderen, ebenso wie von der Aussicht vom Turm auf das malerische Städtchen. Und sogar unsere Pferde entdecken wir auf der Wiese weit unterhalb. Nachdem wir das versteckte Schloss-Restaurant gefunden haben, werden wir von den betagten Hausherren persönlich bewirtet, und das nur vom Feinsten! Heutzutage scheint der Adel also vom Tourismus zu leben und Leibeigene gibt es auch längst nicht mehr. Dafür hat man aber wohl ein recht angenehm verdientes und sicheres Einkommen. Das Frühstück genießen wir in der urigen Enoteca, mit Blick in etruskische Getreidespeicher. Der ganze Raum ist dunkel, mit typischen winzigen Fenstern, alles passt richtig gut zusammen, man fühlt sich wie im Mittelalter. Beim Frühstück erhalten wir einen kleinen Geschichtskurs in Sachen Etrusker. Erzählt von der Schlossherrin und im passenden Ambiente ist das Ganze plötzlich wesentlich interessanter als damals im Geschichtsunterricht. So erfahren wir nun, dass die Etrusker, die ca. im 4.Jhd. von den Römern verdrängt wurden, eine sehr hoch entwickelte Kultur hatten, mit Kutschen, Schiffen, Straßen und Städten. Allerdings ist doch nicht allzu viel erhalten geblieben. Zum einen haben die Römer über sämtliche Etruskerstädte ihre eigenen Bauten errichtet, zum anderen lebten die Etrusker auch vornehmlich in Holzbauten. Nur die Toten wurden in Tuffsteinhöhlen bestattet, wie wir später noch sehen werden. Die Etrusker hatten einen sehr starken Glauben an das Leben nach dem Tod, mit ihm begann erst das richtige Leben.

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Gut gestärkt und informiert brechen wir nun wieder auf, allerdings zunächst im Regen. Ich verfluche meine blöden Regenchaps, die vielleicht chic sind, aber was nützen einem die Dinger, wenn man auf einen nassen Sattel steigt und der Hintern nass wird?! Naja, zum Glück hört es bald wieder auf und außerdem ist es warm, im Wald herrscht richtig tropisches Klima und alles duftet. Wir reiten über eigentlich schöne breite Wege, die allerdings nach dem extremen Regen der Nacht unter Wasser stehen. Der Galopp fällt daher auch erstmal ins Wasser, zum Glück gibt es später aber noch mal Gelegenheit dazu. Nachdem wir so den Privatbesitz eines Moussolini-Neffen durchstreift haben, erreichen wir am Nachmittag den Selva del Lamone, einen urigen Wald. Überall liegen hier riesige Lavasteine herum, die von Vulkanausbrüchen vor Hunderttausenden von Jahren stammen. Auch der Bolsena See entstand in dieser Zeit durch die Vulkanaktivitäten. Am Rande des Waldes lassen wir die Pferde auf einer schönen großen Koppel zurück und fahren zur Übernachtung nach Farnese. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, am Lago die Mezzano in einem Agriturismo zu übernachten, aber unser Führer fand, dass wir unbedingt Farnese ansehen müssten. Es ist eine hübsche uralte Stadt, die einst sehr wichtig war. Zu den bekannten Bewohnern der Stadt zählte u.a. Napoleons Bruder. Farnese verfügt über eine imposante Stadtmauer, um die zahlreiche Mauersegler ihre Runden drehen. Die schmalen, recht finsteren Gassen lassen uns erneut das Mittelalter nachfühlen. Aber vermutlich ist es im Hochsommer zwischen den Steinhäusern auch ganz angenehm zu wohnen. Allzu viel Leben herrscht hier heute nicht und manches Haus ist etwas heruntergekommen, wir befinden uns in einer recht armen Gegend Italiens und Farnese ist längst nicht (mehr) so bekannt wie etwa Montepulgiano. Unser Hotel in zentraler Lage hat nicht viel zu bieten. Positiv überrascht sind wir dagegen, als wir beim Abendessen von der Köchin himmlisch verwöhnt werden. Das macht die einfache Unterbringung durchaus wett.

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Am nächsten Morgen geht es weiter durch den geheimnisvollen Selva del Lamone. Wir folgen dem berüchtigten "Sentiero dei Briganti" (Pfad der Banditen), und in dem urigen Wald ist es leicht, sich die Überfälle der Wegelagerer auf vorbeiziehende Kutschen vorzustellen. Tatsächlich treffen wir bald auf einen vermeintlichen Wegelagerer, aber dieser entpuppt sich zum Glück als freundlicher Buttero (die Butteri sind die Cowboys der Maremma). Er wird uns heute in typischer Aufmachung begleiten. Besonders eindrucksvoll ist sein Sattel, „Poltrona“ (Sessel) nennen sie ihn zu recht: ein riesiges dick gepolstertes Ledergestell, das wir mit einigem Neid betrachten. Gewisse Ähnlichkeiten zu einem Ledersesssel sind offensichtlich. Am Ende des Waldes erinnert eine Hinweistafel an zwei besonders gemeine Banditen, die man vor Ihrer Erhängung noch rasch fotografierte. Das alte schwarz-weiß Bild dient der Abschreckung hervorragend.

Nach dem finsteren Wald führt der Banditenpfad heute durch sonnige Olivenhaine und Getreidefelder, mit Blick auf die Berge von Castro. Am Mittag erreichen wir die Ruinen der einst bedeutenden Stadt Castro, die im 17.Jh. auf Anweisung des Papstes völlig zerstört wurde. Anscheinend hatte der castrische Fürst wenig Lust um für den Papst die Zeche einzusammeln, und zusammen mit sonstigen Konkurrenzkämpfen zwischen den Adelsfamilien provozierte dies den Papst gewaltig. Da der einzige Weg nach Castro eine versteckte gut bewachte Etruskerstraße war, brauchten die päpstlichen Truppen drei Monate um eine Strategie zur Vernichtung der Stadt auszuarbeiten. Von einem entfernten Hügel aus katapultierten sie Castro schließlich derart, dass nur noch wenige Reste an die Stadt erinnern. Nach so viel Geschichte haben wir uns unsere Mittagspause wirklich verdient. Unser Buttero führt uns noch sein reiterliches Können vor, und wir dürfen alle einmal Probesitzen auf der „Poltrona“. Am Nachmittag treffen wir auf die typischen Rinder der Maremma, die meist weiß sind und riesige geschwungene Hörner tragen. Wir reiten erneut durch den Privatbesitz eines Adligen, genießen dann wieder lange Trab- und Galoppstrecken und gelangen schließlich an ein hübsches kleines Schloss, das Castello dell' Abbadia. Hier überqueren wir die so genannte Teufelsbrücke, die über den idyllischen Fluss Fiora führt. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte hierbei die Augen schließen, es geht wirklich richtig tief runter und die nach oben gewölbte gepflasterte Brücke misst nicht viel mehr als einen Meter Breite. Ihren Namen bekam sie aber nicht, weil hier zahlreiche Reiter mit ihren Pferden abstürzten, sondern weil man es im Mittelalter nicht nachvollziehen konnte, wie die Etrusker eine solche Brücke erbauen konnten. Die Pferde lassen wir nun auf einer riesigen Wiese direkt neben der Brücke zurück. Erstaunt sind wir, als sie nach 6 Stunden Arbeit noch Energie genug haben um wild über die Weide zu galoppieren. Wir Reiterinnen sind dann doch über eine Pause froh. Übernachten werden wir heute in einer hübschen einfachen Pension mit Pool. Im Restaurant des Hauses werden wir mit Steinofenpizzas und Tiramisu verwöhnt. Dazu bekommen wir sogar unserem persönlichen deutschsprachigen Kellner.

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Am nächsten Tag brechen wir zu einem kürzeren Ritt durch den archäologischen Park von Vulci auf. Vulci war einst eine der größten Etruskerstädte Italiens und umfasste rund 80 ha Fläche. Begeleitet werden wir heute von einem speziellen Führer, der seinen hübschen Maremmano in passender Butterotracht reitet. Als wir etwa 100 m vom Stall entfernt sind, schießt plötzlich eine weiße Ziege an uns vorbei. Es handelt sich dabei um die Freundin des Maremmanos, und offenbar lässt sie keine Führung ausfallen. Sie wird uns während der drei Stunden durch den Park begleiten und ihrem Freund solange nicht mehr von der Seite rücken. Auch als wir später am Restaurant halt machen, steht die Ziege wie angebunden neben dem Pferd, bis es weiter geht. Wir sind alle entzückt. Der Ritt führt zunächst an der etruskischen Pforte vorbei und über die römische Straße bis zu den Ruinen des römischen Tempels und einer riesigen Römervilla. Diese besichtigen wir noch ausgiebig, bevor wir der Straße über den Fluss zu den etruskischen Grabstätten folgen. Die größte und berühmteste ist die Tomba Francois (1857 von einem Franzosen wiederentdeckt). Die Wandgemälde wurden vom Landherren damals gesichert und sind in Privatbesitz. Anhand nachgemalter Tafeln erklärt uns unser sympathischer Guide die Besonderheiten der Grabstätte. Erstaunt sind wir, dass die Bilder v.a. Szenen aus der griechischen Mythologie zeigen. Wieder an der Oberfläche geht es weiter zu einer kleinen Naturschönheit: die Fiora bildet an einer Stelle einen kleinen hübschen See mit Wasserfall. Die Pferde plantschen fröhlich im flachen Wasser. Als wir wieder gehen möchten, veranlasse ich meine Mitreiterinnen noch zu einem gemeinsamen Foto und alle stellen sich noch einmal ins Wasser. Plötzlich sackt Pferd Biondo zusammen. Aber er wollte sich und seiner erschrockenen Reiterin zum Glück wohl nur eine kleine Abkühlung verschaffen. Mit der Kamera in der Hand nehme ich die lustige Szene ebenfalls auf.

Nachdem wir die Pferde versorgt haben, haben wir die Wahl noch im Park zu bleiben, oder aber in der Pension am Pool zu relaxen. Kurzerhand entschließen wir uns zu einem Ausflug ans nur 12 km entfernte Meer. Leider finden wir aber kein Taxi. Schließlich bringt uns Duska hin und unser netter Gastgeber von der Pension holt uns später wieder ab. Der lange schwarze Sandstrand ist wirklich hübsch, und fröhlich genießen wir alle ein riesiges leckeres Eis.
Nach einem ausgiebigen Schlaf geht es am nächsten Tag zunächst entlang einer Straße über riesige Stoppelfelder. Wir folgen dabei dem Flusslauf der Fiora, zunächst durch Weiden, wo wir Eseln, kläffenden Jagdhunden und vielen schönen Pferden begegnen. Auch an einer Wiese mit Zuchtstuten und frisch geborenen Fohlen kommen wir vorbei. Die hübschen braunen Kleinpferde sind in einem guten Zustand. Von Duska erfahren wir, dass ein 3-Jähriger hier für gerade mal 500,- EUR zu haben ist. Pferde sind in der Gegend nicht besonders viel wert, was leider immer wieder dazu führt, dass sie in weniger sachkundige Hände geraten. Nach ein paar schönen Galopps und einem Picknick im Schatten des Waldes geht es weiter Richtung Castro. Da der Wasserstand der Fiora derzeit mit 1,50 m für einen Durchritt zu hoch ist, sind wir gezwungen ein gutes Stück an einer Straße entlang zu reiten. Bald darauf erreichen wir wieder Castro, wobei wir erneut die abenteuerliche Etruskerstraße entlang reiten. Da es geregnet hat ist der schmale Pfad, der teils auch noch mit römischen Pflastersteinen ausgelegt ist, recht rutschig, aber die Pferde meistern den schwierigen Weg wunderbar. Links und rechts ragen die Tuffsteinwände empor und es ist kühl und dunkel auf dem engen Pfad, obwohl „draußen“ die Sonne scheint. Nach einem langen schönen Ritt durch Wiesen, Felder und Olivenhaine gelangen wir zurück zum Banditenpfad, wo unsere Pferde erneut auf der großen Waldwiese untergebracht sind – und wir in Farnese.

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Der letzte Reittag führt uns aus dem Selva del Lamone hinaus über Wiesen und Felder bis nach Vitozza. Hier machen wir nun aber Rast an der Burgruine, unterhalb derer rund 200 Tuffsteinhöhlen aus der Zeit der Etrusker zu sehen sind. Sie sind dunkel und feucht und doch haben bis ins 20.Jh. hinein noch Menschen darin gehaust. Die Wände sind vom Feuer schwarz verkohlt und in einer Höhle entdecke ich ein in die Wand gemeißelten Herrgottswinkel mit Kruzifix. Ausgerechnet in der Mittagspause regnet es und wir ziehen mit unseren Tischen unter den Dachvorsprung einer Kirche. An diesem letzten Nachmittag sollte die Reittour ihrem Namen (Etrusker-Abenteuer-Ritt) noch alle Ehre machen. Einen klaren Vorteil genießen ab hier alle, die über Militaryerfahrung verfügen, in unserer Gruppe lediglich eine Teilnehmerin. Der scheint der Abstieg über den glitschigen schmalen und vom heftigen Regen der letzten Zeit ausgespülten Etruskerpfad nicht viel auszumachen. Nach den ersten Metern lass ich alle vor, damit wenigstens niemand meine leisen Flüche, die ich bei der Rutschpartie mit Pferd unweigerlich ausstoße, zu hören bekommt. Der Weg ist derart ausgespült, das er nun riesige Stufen hat, an manchen Stellen lassen wir die Pferde ein Stück alleine vorgehen, bzw. vorrutschen. Zu blöd, dass man derartige historische Pfade nicht sanieren kann, dieser hätte es nun dringend nötigJ Zum Glück kommen aber alle gut unten an. Nun geht es weiter über einen matschigen Pfad oberhalb des Flüsschen Lente. Gegen den Etruskerweg ist dieser nun trotz Wasserlachen, Unebenheiten und Gestrüpp ein Kinderspiel – bis plötzlich alle anhalten. Offenbar hat der Gewittersturm in der ersten Nacht hier einen Baum zu Fall gebracht, der nun den schmalen Weg komplett blockiert. In 15-minütiger Handarbeit bahnt Duska mit Hilfe von Machete und Handsäge einen alternativen Weg über die Böschung – das Abenteuer kann weitergehen. Mit einem Satz gelangen wir über den rutschigen und unebenen Abhang hinauf ins Unterholz und von dort schließlich durch den Fluss zurück auf unseren eigentlichen Weg. Es regnet und stürmt im Juni ja sehr selten in dieser Gegend, aber wenn, dann offenbar richtig. Nach diesen Abenteuern erwartet uns dann noch eine schöne Strecke, an der auch das mittelalterliche Sorano liegt. Die Stadt thront hoch auf den Felsen über uns und bietet einen wunderschönen Anblick. Auf einer weiteren Etruskerstraße geht es hinauf bis in einen mediterranen duftenden Wald und durch blühende Ginsterhecken bis wir wieder zurück zum Stall gelangen. Hier lassen wir die Pferde zurück und fahren zu unserer letzten Unterkunft, einem hübschen idyllischen Landhaus, in dem früher Mönche gelebt haben. Auch heute geht man am Sonntag Morgen in die Kirche nebenan, allerdings zum Frühstück. Der Hund des Hofbesitzers ist recht mager und wuselt hin und her. Wir erfahren, dass es sich um eine Hund-Wolf-Kreuzung handelt, ständig in Bewegung und ein schlechter Fresser. In der Gegend, besonders am nahe gelegenen Monte Amiata sind Wölfe recht verbreitet und so geschieht es, dass sie sich auch mal mit Hunden kreuzen. Der zweite Hofhund liegt dagegen dick und träge unterm Tisch und hofft darauf, dass wir während unserem Aperitif eine Hand für Streicheleinheiten frei haben. Nach dem abenteuerlichen Ritt des heutigen Tages lassen wir den Abend gemütlich in einer ausgezeichneten Pizzeria ausklingen, bevor es am nächsten Tag in aller Frühe losgeht zum Flughafen. Schade, denn in der idyllischen Pension hätte man es gut noch 1-2 Tage aushalten können. Mein Resümee der Reittour: die wilde Maremma ist etwas für abenteuerlustige Reiter, denen es nichts ausmacht, sich zwischendurch den Weg durchs Unterholz zu bahnen oder über schmale Etruskerwege und holprige Römerstraßen zu reiten. Das Ganze ist aber sehr abwechslungsreich, denn der größere Teil der Strecke führt über schöne breite Feld- und Waldwege, auf denen richtig lange Galoppaden möglich sind. Auf alle Fälle kann mich jetzt zu Hause beim Reiten so schnell kein Gelände mehr aus der Ruhe bringen! Außer der Schlossübernachtung ist dieser Ritt nicht besonders luxuriös, aber natürlich speist man stets fürstlich, wie sich das für den Italienurlaub gehört. Genießen, Abenteuer und Geschichte erwarten die Reiter bei diesem Ritt. Etwas einfacher zu reiten, da weniger Etrusker- und Römerstraßen auf der Strecke liegen, ist der Schlösser- und Burgenritt, der durch die Gegend südlich von Siena und damit in die typische Toskanalandschaft führt.

Jessica Kiefer, Juni 2011

Link zum Programm: http://www.reiterreisen.com/etr008.htm
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