Reiter-Traumland Mongolei

Reiter-Traumland Mongolei

Beitragvon admin » 04 Mär 2013, 17:38

Weite Steppen, Berge und Seen im Nomadenland in der Zentralen Mongolei (Provinz Arkhangai)

Die Vorfreude ist riesig, die Reise bereits seit Monaten geplant und endlich ist es soweit – meine Reise in die Mongolei beginnt. Allerdings stehen zwischen hier und dem Ausgangspunkt in der Zentralmongolei noch 2 Stunden Zugfahrt, 10 Stunden Flug und 5 Stunden Fahrt mit dem Minibus. Ziemlich gerädert kommen wir schließlich um 7 Uhr morgens in Ulan Bator an, wo uns unser sympathischer Übersetzer Ogi bereits erwartet. Erstmal Geld wechseln, denn die Landeswährung Tugrik darf nicht eingeführt werden. Gar nicht so einfach allerdings, denn die Wechselstube macht erst um 9 Uhr auf. Nicht besonders geschäftstüchtig, wenn man bedenkt, dass die meisten internationalen Flüge zwischen 5 und 7 Uhr ankommen. Zum Glück gibt es noch eine Bank und natürlich Geldautomaten, so dass wir doch noch zu Geld kommen. Anschließend treffen wir das Fahrerteam Dschimbat& Dschimbaya sowie Köchin Chara. Die beiden Minibusse, die uns die nächsten Tage begleiten werden sind schon voll bepackt und wir brechen gleich auf zur Fahrt in die Steppe. Sobald wir die schäbigen Häuser und dreckigen Straßen Ulan Bators hinter uns gelassen haben, machen wir in der Steppe Rast und bekommen erstmal ein Frühstück serviert, während der berüchtigte mongolische Wind über unsere Köpfe fegt. Immerhin strahlt die Sonne, in Deutschland war der Sommer bisher ziemlich verregnet. Mittags machen wir erneut Rast unter freiem Himmel und genießen Charas Gemüseeintopf, der auch in der vegetarischen Variante ohne Hammelfleisch super schmeckt. Unsere Köchin ist die gute Seele des Teams und hat neben hervorragenden Kochkünsten auch einen Abschluss in chinesischer Medizin vorzuweisen. Unterwegs bietet sie uns auch schmerzhafte, aber äußerst wohltuende Massagen an.

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Unser erstes Ziel ist ein gepflegtes Jurtencamp am Fuße eines felsigen Berges, dem Khogno Khan, der sich steil aus der Steppe erhebt. Der Weg dorthin führt über eine holprige Straße mit zahlreichen Schlaglöchern, eine der wenigen befestigten Straßen der Mongolei überhaupt. Der bekanntermaßen strenge und lange Winter setzt den Straßen offenbar stark zu. 5 Stunden geht es durch die endlose Weite, in der nur hin und wieder zwei, drei Jurten auftauchen. Immer wieder muss sich unser Fahrer hupend durch große Herden von Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen seinen Weg bahnen. Die Tiere sehen den wenigen Autos mit völliger Gelassenheit ins Auge und bewegen sich nur zögerlich von der Straße.

Am Abend unternehmen wir mit Ogi eine kleine Wanderung zur anderen Seite des Khogno Khan, wo sich eine kleine buddhistische Klosteranlage befindet. Die Aussicht unterwegs über die weite gold-gelbe Steppe ist bezaubernd: Auf der einen Seite die massiven Felsen und in der Ferne ragt eine lang gezogene Sanddüne aus der Steppe hervor, die in der Abendsonne leuchtet.

Am Morgen genießen wir noch eine letzte lauwarme Dusche, bevor wir die nächsten 10 Tage darauf verzichten müssen. Dann geht es zunächst zum Kloster Erdene Zuu, dem ganzen Stolz der ehemaligen Hauptstadt Karakorum, einst der kulturelle und wirtschaftliche Mittelpunkt des gesamten Ostens. Da Russland während seiner Herrschaft über die Mongolei große Teile der buddhistischen Tempelanlagen zerstört hat, kann man von Glück sagen, dass hier noch so viele Gebäude erhalten blieben. Die bunten geschwungenen Tempel bergen zahlreiche Schätze wie Gemälde und vergoldete Buddhastatuen.

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Nach dem Mittagessen steigen wir noch einmal in den Minibus und fahren weiter durch die Steppe bis Dschimbaya plötzlich bei einer Gruppe von angebundenen Pferden stehen bleibt. Juhu – unser Ritt beginnt! Nach einem kurzen Blick und zwei, drei Worten unseres Übersetzers, teilen unsere beiden jungen Reitführer die Pferde zu. Die Einteilung soll sich als optimal erweisen und wir alle sind total zufrieden mit unseren Pferden. Nun geht es ans Satteln, wobei sich die Guides nicht ins Handwerk pfuschen lassen. Die russischen Sättel machen mit ihrem einfachen Holzbaum und ungepolsterten Lederbezug (Gewicht ca. 2 kg) nicht gerade einen bequemen Eindruck. Allerdings erweisen sich die minimalistischen Gestelle bald als durchaus bequem und ich reite die gesamte Zeit ohne Schaffell. Nachdem sich unsere Guides Njama und Baska mit den langen Bügeln unser 1,80m großen Mitreiterin abgefunden haben, kann es los gehen. Allzu gern hätten sie ihr die Bügel wenigstens um 10 cm gekürzt, so reichen ihre Füße nun dem Pony bis zum „Knie“. Unser erster kurzer Ritt bringt uns in allen Gangarten zu einem hübschen Flussufer, wo wir unsere Zelte aufschlagen. Unterwegs treffen wir auf eine kunterbunte Pferdeherde, die sich völlig frei in der Steppe bewegt – ein herrlicher Anblick, besonders da nun Anfang Juni viele kleine Fohlen darunter sind. Als wir ankommen, legen unsere Guides drei Pferden Fußfesseln an, der Rest wir einfach mit dem Strick am Hals dieser Pferde angebunden. Sofort legen die Pferde den Kopf auf die Schulter des Nachbarn und harren so geduldig 2 Stunden lang aus, bis nach unserem Abendessen. Werden in Europa immer zuerst die Pferde versorgt, so stehen hier eindeutig die Menschen an erster Stelle. Wir werden uns daran gewöhnen, die Tiere sind es längst. Am Abend genießen wir unser erstes Lagerfeuer unter dem klaren funkelnden Sternenhimmel der Steppe. Nur einmal versuchen zwei der inzwischen angepflockten Pferde sich davon zu stehlen. Baska springt rasch auf den Rücken eines anderen Pferdes und folgt ihnen durch den Fluss. Nur mit Halfter reitend, fängt er die beiden Ausreißer gleich wieder ein. Als ich mich um 11 Uhr als letzte in mein Zelt verkriechen will, höre ich erneut ein lautes Plantschen nur wenige Meter entfernt. Kein Zweifel, das müssen unsere Pferde sein, die anscheinend versuchen sich ihrer Arbeit als Wanderreitpferd zu entziehen. Ich wecke die Guides und tatsächlich zählen wir nur noch 7 von 9 Pferden. Sie schwingen sich sofort wieder auf den Rücken zweier Pferde und schon sind sie in der stockfinsteren Nacht verschwunden. Meine Stirnlampe wollen sie nicht – wahrscheinlich findet ein Mongole auch mit verbunden Augen und ganz ohne Zaum den Weg. Bevor ich sie zurückkommen höre, bin ich eingeschlafen.

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Am nächsten Morgen sind die beiden Ausreißer wieder an Ort und Stelle, dafür fehlt jetzt ein anderes Pferd, vermutlich ist es zu seiner Herde zurückgelaufen. Seine Reiterin bekommt erstmal das Ersatzpferd und wir brechen auf Richtung Hoton, wo wir eine uralte historische Jurte besichtigen. Das kleine „Museum“ ist nett, aber die Hütten des Dorfes sind schäbig und wir sind etwas entsetzt über den vielen Abfall, der vom Wind in den Senken in der Steppe zusammengefegt wurde. Nach Hoton geht es jedoch einen Berghang hinauf über weite Wiesen und sobald wir von der Siedlung weg sind, ist es schon deutlich besser. Wir genießen lange Trab- und Galoppstrecken im weglosen Gelände. Da in unserer Gruppe manche gerne sehr schnell, andere aber lieber etwas gemäßigter reiten möchten, zieht sich unsere kleine Gruppe manchmal über einen Kilometer auseinander, ohne dass sich Pferde oder Guides daran stören würden. Später im Wald kommt es sogar vor, dass ich einige Kilometer lang das Gefühl habe, ganz allein unterwegs zu sein, da ich weder die Reiter vor mir, noch hinter mir sehe. Ich genieße die Stille, während sich mein kleiner Wallach tapfer zwischen Sumpf und Steinen seinen Weg sucht.

Die Ponys, die zwischen 1,35m und 1,50m groß sind, sind extrem trittsicher und laufen ohne Eisen. Diese wären im Wald auf den steinigen Pfaden ohnehin hinderlich und im Sumpf würden sie sicherlich stecken bleiben. Zusatzfutter kennt man hier nicht, die Pferde ernähren sich nur von Gras und stillen ihren Durst immer, wenn wir an einen Bach kommen. Dennoch marschieren die Pferde schier unermüdlich durch jedes Gelände, ein genügsameres Pferd als die mongolischen Ponys dürfte es kaum geben.

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Am vierten Tag unserer Reise erreichen wir die heimatlichen Weiden unserer Pferde im Santtal, wo auch unsere beiden Guides den Sommer über mit Ihren Familien leben. Hier treffen wir auch unseren Ausreißer wieder. Der Ritt war kurz und am Nachmittag bleibt genug Zeit um an den warmen Quellen nahe des Jurtencamps zu baden. Wir alle sind gespannt auf die Quellen im Santtal. Auf Island hatte ich bereits in heißen Quellen gebadet, was ein großes Vergnügen war. Allerdings stellen sich die warmen Quellen als einfache Badestelle der Einheimischen heraus, die eindeutig nicht für Touristen eingerichtet wurde: Aus zwei Rohren fließt einmal 60 °C warmes und einmal kaltes Wasser heraus, das man in einem mitgebrachten Bottich mischt und sich dann in eine der vier klapprigen Holzkabinen zum Waschen zurückzieht. Aber es tut gut und wir nutzen die Gelegenheit auch gleich zum Wäsche waschen. Anschließend wollen wir in dem kleinen Laden in der Nähe einige Genussmittel (Bonbons und Wodka) erwerben. Es ist nicht so, dass man hier wie in Russland ständig Wodka trinkt, aber da unsere Guides bereits eine Flasche spendiert haben, möchten wir uns nun revanchieren. Außerdem wirken 1-2 Gläschen hervorragend gegen die nächtliche Kühle. Bestimmte Öffnungszeiten haben die kleinen „Tante-Emma-Läden“ in der Steppe nicht, aber anscheinend wohnen die Betreiber „gleich nebenan“, wie Ogi uns erklärt. Wir fragen also bei den Jurten nebenan (natürlich mit Zeichensprache, denn mehr als „Guten Tag“ haben wir noch nicht gelernt). Wir werden über den Hügel geschickt, was noch mal einen kleinen Spatziergang bedeutet. Klar, wenn man wie die Mongolen keine 100m zu Fuß zurücklegt, ist das immer noch „nebenan“, aber wir Touris haben ja nicht ständig unser gesatteltes Pferd vor der Jurte geparkt, da sind wir etwas neidisch. Als wir bei den Jurten ankommen, steht da auch bereits Njamas Schimmel am Pferdeparkplatz, der aus zwei langen Masten mit einem Seil dazwischen besteht und vor jeder Jurte zu finden ist. Meist stehen an diesen Parkplätzen 2-3 Pferde, die geduldig, manchmal ein paar Stunden lang, auf Ihre Besitzer warten. Wir werden bereits von einer jungen Frau erwartet, die uns zum Laden begleitet. Zusammen mit unserem Guide ist wohl schon die Nachricht über unser Anliegen eingetroffen. Als wir von unserem Ausflug zurück sind, erwartet mich der 15-jährige Baska mit seinem Motorrad, dem neuen Stolz der Landbevölkerung. Natürlich folge ich ihm zuliebe der Einladung zu einer kleinen Spritztour durch die Steppe, obwohl mir Pferde natürlich wesentlich lieber sind...

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Am nächsten Tag leisten wir unseren gesattelten Pferden an ihrem Parkplatz eine geschlagene Stunde lang Gesellschaft, während Njama „schnell“ noch etwas zu Hause holt. Nicht ohne sich noch einmal mit etwas Airag und anderen Dingen zu stärken, wie es scheint. Zeit spielt hier keine Rolle, man hat genug davon, Armbanduhren sind nicht in Mode. Losgeritten wird, wenn alle fertig sind, meist so zwischen 10 und 11 Uhr. Aufstehen tun wir, wenn die Stimmen vom Küchenzelt her lauter werden oder spätestens, wenn Ogi mehr oder weniger sanft an unserem Zelt rüttelt. Als Njama endlich wieder angaloppiert kommt, reitet er einen schicken Rappen. Wir verlassen das weite grüne Santtal und reiten nun durch ein lang gezogenes Seitental Richtung Wald, vorbei an mehreren hölzernen Winterställen. In dem geschützten Tal verbringen unsere Guides mit ihren Familien den langen Winter. Die Nomaden in der Mongolei ziehen übrigens nur 2-3 mal pro Jahr um, was mit den Jurten und den großen Viehherden sicher auch einen ziemlichen Aufwand bedeutet.

Wie es ist mit Yaks umzuziehen, davon erhalten wir bei unserer 4-tägigen Packtour in den Naturpark der 8 Seen einen Eindruck. Am Orkhon-Wasserfall treffen wir unsere Yakführer Zogo und Bargi, 27 und 16 Jahre alt. Der erste Eindruck von den beiden ist ziemlich negativ, denn beim Einfangen der vier Yaks sind sie ganz schön grob. Es scheint als wollten sie uns damit beeindrucken. Zudem wirkt Zogo mit seinen gestylten und gefärbten Haaren, der Kunstlederjacke und weiten Jeans für unseren Geschmack etwas zu cool. Ganz im Gegensatz zu unseren beiden Reitführern, die bei jedem Wetter traditionell in Deel und Lederstiefeln reiten. Nachdem wir beim Einfangen der Yaks kurz zugesehen haben, wenden wir uns enttäuscht ab. Offenbar haben Bargi und Zogo aber den Wink verstanden und gehen fortan mit den Tieren freundlicher um. Der erste Ritt mit den Yaks wird nach kurzer Zeit unterbrochen, denn das Gepäck hängt bei einem Tier schief. Da die Yaks frei vor uns herlaufen, muss das betreffende Tier nun erstmal wieder eingefangen werden. Dazu hat es jedoch überhaupt keine Lust und spielt mit den Guides erstmal 20 Minuten Fangen, wobei es quer durchs Gestrüpp geht. In der Zwischenzeit schließt sich eines der anderen Yaks einer Herde freilaufender Yaks an. Die Kälbchen kommen neugierig herbei gerannt und springen neben dem bepackten Neuling auf und ab, als würden sie sich über sein komisches Aussehen amüsieren.

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Weiter geht es über eine feuchte Wiese und plötzlich reiten wir durch Schnee, obwohl es bereits weit über 20 Grad warm ist. Mein erster Schnee-Ausritt seit 1,5 Jahren, denn in Basel hat es schon ewig nicht mehr richtig geschneit. Hier aber liegen auf gut 1.500m ü.M. im Juni noch die letzten Schneefelder. Der Winter muss wirklich hart sein und vermutlich wird niemand der spaßhaften Einladung von Njama und Baska folgen sie in ihrem Winterquartier zu besuchen...

Wir reiten über weite Lavafelder über idyllische Weiden, wo uralte Bäume aus den überall herumliegenden Steinbrocken emporragen. Während wir im Schatten der Bäume Rast machen, zockeln unsere Yaks einfach weiter. Das hat den Vorteil, dass wir sie anschließend im Trab oder Galopp wieder einholen können. Die Landschaft in der Provinz Arkhangai ist äußerst abwechslungsreich: Die ersten Tage genossen wir lange Galoppaden (und sogar ein kleines Wettrennen) durch die weite Steppe, dann folgten wir den alten Lavafeldern am Orkhon, an dessen Ufer rote Felswände emporragen. Unsere Yaktour wird uns nun über satte blühende Wiesen und durch den Wald zum Naimaan Nuur und den anderen Seen führen. Unsere Fahrer warten auf uns derweil am Orkhon.

Die Nächte verbringen wir im Wald an idyllischen Bachläufen oder einem See. Hier waschen wir uns im kalten klaren Wasser, zum Glück ist es fast die ganze Zeit über sonnig und warm. Die Abende verbringen wir am Lagerfeuer, wo uns der mitgebrachte Wodka dabei hilft, doch noch etwas Mongolisch zu lernen. Am Ende der Tour bringen wir es auf „moer“ (Pferd), Guten Tag, Guten Morgen, Wie geht´s und natürlich dürfen auch die üblichen Schimpfwörter nicht fehlen. Ab und zu verschwindet der ein oder andere Guide unterwegs in einer Jurte um Bekannten und Verwandten Hallo zu sagen. Später holt er uns dann einfach im Galopp wieder ein. Am Abend bleiben die Pferde der Guides meist noch gesattelt, denn auch dann stehen kurze Besuche in der Umgebung an. Stolz galoppieren die Jungen mit ihren Ponys auf und davon. Einmal kehren sie mit großen Löchern in Ihren Kleidern zum Lagerfeuer zurück. Neben dem Reiten messen sich die Jungen vor allem im Ringen und dabei zerreißen Hosenbeine und vorzugsweise Ärmel. Kurzerhand eröffnet unsere schweizer Mitreiterin ein mobiles „Nähstudio“ und flickt die Kleider im Reihum. Dabei wird ihr das komplette Ausmaß der Zerstörung wohl erst allmählich bewusst. Dafür putzt und fettet Baska aber ihre Stiefeletten mit.

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Yakführer Zogo überzeugt uns übrigens bald mit seinem unglaublichen Charme. Am Lagerfeuer und während dem Reiten erfreut er uns mit seiner bezaubernden klaren Stimme und singt für uns mongolische Reiter- und Liebeslieder. Wir sind hellauf begeistert. Einmal bei einem anstrengenden Aufstieg im Wald springt unser aufgeweckter, immer fröhlicher Reisebegleiter plötzlich vom Pferd um uns 5 Frauen alle mit einem Vergissmeinnicht oder einer der anderen zahlreichen Bergblumen zu erfreuen. Obwohl unsere Guides leider kein Wort Englisch oder Deutsch können, uns wir uns verbal nur mit Hilfe von Ogi verständigen können, verbringen wir eine fröhliche Zeit zusammen.

Um den Park der 8 Seen zu erreichen, gilt es einen steilen Pass zu überwinden. Die Pferde bahnen sich den Weg durch Geröll und über Wurzeln ohne zu Zögern. Wir bewegen uns nun auf einer Höhe zwischen 2.000 und 2.700m ü.M. Am Nachmittag nach dem Aufstieg erkunden wir noch die übrigen Seen, wobei wir am großen zerklüfteten Naimaan Nuur Rast machen. Hier kann man auch prima schwimmen. Allerdings klettern wir lieber die Felswand am See hinauf und werden mit einem großartigen Panorama über den See und die Berge belohnt. Am letzten Tag unserer Yaktour verrutscht das Gepäck eines Yaks erneut. Nun beginnt eine wilde Yak-Jagd über die weite offene Wiese, bei der wir versuchen, das Tier mit den Pferden einzukesseln. Doch es gelingt ihm auszubrechen und nun galoppiert es durch die Steppe bis das Gepäck schließlich komplett am Boden liegt. Schließlich gelingt es mit der Hilfe der ansässigen Nomaden das wild gewordene Yak doch noch einzufangen und erneut zu bepacken. Derweil halten wir die übrigen Yaks in Schach und fühlen uns schon wie richtige Mongolen. Da die Yaks, wie alle anderen Tiere, halbwild in großen Herden leben, sind sie nicht gerade zahm, aber einmal eingefangen ergeben sie sich sogleich ihrem Schicksal und wir Frauen halten bereitwillig die büffeligen Tiere bis das Gepäck richtig sitzt.

Zurück bei den Yakzüchtern erwartet uns ein traditionelles mongolisches Festessen. Ein Schaf wurde eben geschlachtet und gart nun in einer mit heißen Steinen gefüllten Milchkanne über dem Feuer. Leider sind wir keine guten Gäste, da zwei von uns kein Fleisch essen und die dritte liegt mit Magenkrämpfen im Bett. Diese verdankt sie einer anderen mongolischen Spezialität, dem berüchtigten Airag. Diese vergorene Stutenmilch sorgt im europäischen Magen mitunter für Probleme und sollte daher in Maßen genossen werden. Abgesehen von diesem einen Mal, geht es uns allen ausgezeichnet und wir genießen die Einladungen der Nomaden unterwegs. Einmal bekommen wir morgens und abends von den Nomaden nahe unseres Zeltlagers je eine ganze Schüssel mit leckerem frischen Joghurt geschenkt. Allgemein sind die Leute sehr freundlich und lustig, es scheint als mache sie das einfache Landleben zu glücklicheren Menschen. Allerdings hat das Leben in der abgeschiedenen Steppe natürlich seine sehr harten Seiten, besonders im Winter oder auch, wenn jemand krank wird. Da gibt es dann oft im Umkreis von 100 km keinen Arzt. So wird unsere Köchin Chara unterwegs gleich zweimal an ein Krankenbett geholt. Gerne helfen wir mit unseren mitgebrachten Medikamenten aus und glücklicherweise geht es den Betreffenden bald wieder besser.

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Nach der Yaktour geht unser Ritt allzu schnell zu Ende. An unserem vorletzten Reittag ist Njama plötzlich wieder unterwegs in einer Jurte verschwunden. Am Abend wird er von Bekannten per PKW zu unserem Lagerplatz gebracht. Wie sich herausstellt hat er soeben seinen Rappen samt Sattel und Zaum für umgerechnet 1.200 EUR verkauft. Dafür kann er nun 4 Fohlen kaufen, er ist zufrieden. Am nächsten Morgen brechen wir zu unserem letzten kurzen Ritt entlang des Orkhon auf. Njama reitet nun eines der Ersatzpferde und zwar ohne Sattel und Trense, denn die hat er ja verkauft. Mongolische Reitkunst beweist er nun bei einem letzten kleinen Galopprennen durch die Steppe, das er souverän gewinnt. Anschliessend heisst es Abschied nehmen von den beiden Reitführern und den tollen Pferden. Eines nach dem anderen wird freigelassen und sie alle traben zielstrebig in Richtung der 25km entfernten Heimat. Baska schwingt sich mit etwas Mühe auf seinen ungeduldigen Fuchs und schon verschwindet er im Galopp mit der Herde. Njama hat dagegen noch weitere Pferdegeschäfte zu erledigen und wird von einem Freund mit dem Moped abgeholt.

Für uns geht es nun wieder per Minibus weiter, was hier im Gegensatz zum Reiten eine äußerst holprige Fortbewegungsweise ist. So holpern wir durch die Steppe über die ausgespülte Fahrspur. Kaum vorstellbar, dass manche Touristen eine Jeeptour durch die Mongolei buchen und sich täglich stundenlang durch die Gegend rütteln lassen. Für uns steht fest, dass wer die Mongolei bereisen möchte, das nur mit ausreichend Reiterfahrung tun sollte. Die langen Galoppaden durch die endlose Steppe und das anspruchsvolle wilde Gelände der Naturparks lässt keine Reiterwünsche offen. Bevor wir zurückfliegen schmieden wir schon wieder Pläne für den nächsten Reiturlaub im Land unserer Reiterträume. Wenigstens fällt uns der Abschied nach zwei Tagen in Ulan Bator (grau, dreckig und hässlich) dann nicht mehr ganz so schwer. Mir bleiben als Souvenir immerhin ein paar mongolische Steigbügel, die ich auf dem Schwarzmarkt für umgerechnet 6 EUR erstanden habe. Mal sehen, ob sich dadurch das Reiten auf den heimischen Reitwegen etwas mongolisch anfühlt, vielleicht wenn man wenigstens bald quer über die Stoppelfelder reiten darf...

Jessica Kiefer, 27.06.2012

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Link zum Programm: http://www.reiterreisen.com/pegasus/d/r ... mnri01.htm
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