Auf den Spuren der Karawanen durch die Sahara

Auf den Spuren der Karawanen durch die Sahara

Beitragvon admin » 29 Jan 2014, 11:01

Dünen & Oasen in Marokkos Süden

Die Sonne blinzelt durch die Palmen zu uns nieder. Links und rechts des Weges erheben sich Lehmmauern, die die Palmenhaine und Gärten vor angewehtem Sand schützen. Im Zickzack geht es durch die riesigen Oasen. Zwischendrin ein paar Lehmhäuser, die sich wunderbar in die Landschaft einfügen. Ja, so hatte ich mir meinen Marokko-Urlaub vorgestellt! Araber-Berber-Hengst Chams („Sonne“) schreitet zügig voran, am liebsten läuft er vorne weg, denn sein Marschtempo ist flotter als das der anderen Hengste. Er darf, denn den Weg kennt er ohnehin, ob es quer durch die Sanddünen oder über eine endlose Ebene geht. Nur bei den Picknickplätzen ist er nicht ganz sicher, denn diese variieren schon mal. Bild
Mehrere Oasen durchstreifen wir auf unserem Ritt durch die Sahara. Die Menschen leben hier vor allem von Ihren Datteln. Durch Ouled Driss führt uns die lange Hauptstraße, die Hauptverbindungsroute der Gegend. Eine schönere Hauptstraße habe ich nie gesehen. Das Verkehrsaufkommen ist gering, der Boden ist sandig und es reitet sich ausgezeichnet durch Palmen und Lehmbauten. Der Ort ist belebt, viele Jungen tummeln sich auf einem Platz und spielen Fußball. Frauen unterhalten sich vor den Häusern und auf den Äckern. Die Männer gehen Ihrer, wie uns scheint, Hauptbeschäftigung nach: Sie liegen auf dem Boden vor den Häusern, lehnen an den Wänden, unterhalten sich oder verfolgen einfach gemeinsam das Geschehen im Dorf.. Nur ein einziges Pferd begegnet uns unterwegs, die Berber in der Wüste haben im Allgemeinen kleine Esel, die sie reiten und für den Transport von Gütern benutzen. Diese sind wesentlich genügsamer als ihre größeren Verwandten. Natürlich gibt es auch Dromedare. Die ein oder andere Karawane zieht in der Wüste an uns vorbei. Während dem Ritt hoch zu Ross durch eskortieren uns die Kinder des Dorfes, wir sagen Bonjour und winken ihnen zu, fast kommen wir uns dabei vor wie Königinnen bei einem Ritt durchs Volk, ein etwas seltsames Gefühl. Bild
Ebenso schön wie die Palmenhaine und Berberdörfer sind die Sanddünen. Zweimal reiten wir durch ein regelrechtes Meer von Dünen. Ein einziges Mal habe er sich hier verritten, erzählt unser Reitführer Mohammed, ganz zu Beginn. Inzwischen kennt er die Dünenlandschaft jedoch ganz genau. Für die Pferd ist es anstrengend durch den teils recht tiefen Sand zu laufen, so dass das „Dünensurfen“ im Schritt erfolgt. In den endlosen Sandebenen erwarten uns dafür traumhafte Galoppaden über perfekten Boden. Ein Reitplatz im XXL-Format, wie uns scheint. Neben Palmen, Dünen und Sandebenen, prägen auch vielerorts hohe Felswände die Sahara. Steile graue Tafelberge durchziehen hier kilometerweit die Wüste. Am vorletzten Tag wird es steinig: Wir reiten durch eine schmalen felsige Schlucht stetig leicht bergauf. Falls es mal regnet, fließt hier ein Bach in Tal hinab, allerdings kommt das sehr selten vor, so ist das Flussbett auch nun völlig ausgetrocknet und nichts trübt den strahlenden Sonnenschein. Diesen geniessen auch zwei Streifenhörnchen, die wir dank unserem Reitführer in den Felsen entdecken. Am Ende des langen Aufstiegs erwartet uns eine gewaltige Aussicht über die weite rot leuchtende Draa Ebene auf der anderen Seite des Djebel Bani. Wir genießen das weite Panorama eine Weile, bevor wir uns an den Abstieg machen. Die Route über den Berg ist eine der wenigen Verbindungswege zwischen den Wüstentälern und wird seit Jahrhunderten von Karawanen genutzt. Um den Blick ins Draa Tal genießen zu können, aber auch für den Abstieg zu Fuß sollte man besser schwindelfrei sein. Steil fällt der Berg hier hinab in die Ebene und der Pfad entlang dem Berghang wurde nicht zu breit gehauen. Besser, man hat keinen Gegenverkehr. Ausserhalb der Oasen und Dörfer trifft man auch kaum jemanden, nur am Fusse des Jebel Bani, begegnen wir einem einsamen Berber, der sich mit seinen zwei Dromedaren von der Bergüberquerung ausruht. Zeit für ein Picknick und zum Pferdtränken! Die Pferde erhalten Ihr Wasser aus den Quellen, nach denen sich die Route durch die Wüste ebenfalls richtet. Eimer für Eimer wird herausgeschöpft. Bild
Einen besseren Ort für die Silvesternacht als diese einsame Wüste können wir uns kaum vorstellen. Wir genießen den Sonnenuntergang in den Dünen und sitzen anschließend am Lagerfeuer zusammen. Das Feuer ist allerdings nötig, denn nach Einbruch der Dunkelheit wird es eiskalt. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn am nächsten Morgen finden wir im Wassereimer eine beachtliche Eisschicht vor! Gut, dass wir zu Beginn der Reise in Ouarzazate Berberteppiche erstanden haben. Nun sind wir dem alten Berber, der uns mit seinem Charme in seinen Keller gelockt hat und dafür gesorgt hat, dass wir alle drei wieder mit einem seiner traumhaften Teppiche hinausgekommen sind, ziemlich dankbar. Mit dem Berberteppich im Schlafsack lassen sich die kalten Wüstennächte gut aushalten. Die Wahl der Übernachtung ist hier gut gelöst: Im großen Zelt, in dem zu Abend gegessen wird, haben leicht 6 Personen Platz zum Übernachten. Ein weiteres etwa halb so großes Zelt, in dem man ebenso aufrecht steht, bietet Platz für mindestens zwei Personen, ein Igluzelt ebenso. Und dann ist da noch das endlose Sternenzelt, das manch einem Mitreiter zur Übernachtung dient. Jeder wählt sich so nach seiner Vorliebe den Schlafplatz, wobei das Igluzelt bei unserer 6-köpfigen Gruppe stets leer bleibt... Bild
Für das leibliche Wohl ist ebenso bestens gesorgt, Koch Mohammed (der Name ist hier so häufig wie in Deutschland Julia) verwöhnt uns mittags mit frischen Salaten und Fladenbrot, die wir in den Satteltaschen mitnehmen. Abends gibt es dann traditionell Taschine, das heißt Gerichte aus dem spitzen Steinguttopf. Da ich kein Fleisch esse, bekomme ich meine eigene Taschine, die jedes Mal viel zu üppig ausfällt. Ich versuche mich zu „wehren“, doch in Marokko ist man es wohl nicht gewöhnt, Portionen für eine Person zu zubereiten und so gebe ich mir alle Mühe, mein Gemüse aufzuessen...
Nach 6 Tagen auf dem Rücken unserer braven Berber- und Araberhengste heißt es Abschied nehmen von den Pferden und der Wüste. Unsere Guides Mohammed und Hassan begleiten uns noch bis zum nahe gelegenen Zagora, wo wir einen kurzen Stopp in einem typischen Kunsthandwerkerladen machen. Nachdem wir erfolgreich um Fingerringe gefeilscht haben, verlassen wir die Wüste endgültig und es geht entlang endloser Palmenhaine hinauf nach Ouarzazate am Fuße des Atlasgebirges. Unsere Mitreiter aus Belgien und Frankreich fliegen früh am nächsten morgen zurück, während wir Schweizer und Deutsche noch weiterreisen nach Marrakesch. Dank der ausgezeichneten und sehr preiswerten Busverbindung zwischen den Städten in Marokko lässt sich eine Reiterreise bei Agadir oder Ouarzazate bestens mit einem Besuch des zauberhaften Marrakesch verbinden. Die Fahrt von Ouarzazate dauert ca. 4 Stunden und führt durch den schönen Hohen Atlas. Ganz oben liegt sogar etwas Schnee, ansonsten ist das Gebirge überwiegend von roten kargen Felsen geprägt. Zu Marrakesch hin erstreckt sich jedoch ein riesiger Pinienwald. Marokko ist ein so vielfältiges Land mit Bergen, Wüsten und Küste, dass für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. In Marrakesch tauchen wir nach unserem Wüstenritt nun in den Trubel der orientalischen Metropole ein. In einem netten kleinen Riad in einer verwinkelten Seitengasse in der Altstadt. haben wir zwei Übernachtungen gebucht und starten von hier aus unsere Shoppingtouren auf den Souk. Da wir schon mit Berberteppichen ausgestattet sind, lässt das Gepäck nicht mehr zu viele Einkäufe zu, aber einige Schals, Öle, Gewürze und sogar Schuhe und Lampen finden doch noch Platz. Am Flughafen in Marrakesch nähme man es mit dem Handgepäck nicht so genau, versichern uns die gewieften Händler. Und sie haben Recht, neben meinem Rollkoffer bringe ich als Handgepäck den Reithelm, eine Handtasche und eine große vollgestopfte Handtasche ohne Probleme durch den Check-In. Es gibt so viele schöne Länder, aber in Marokko war ich nun schon zum zweiten Mal, die landschaftliche Vielfalt, die tollen Pferde und das exotische Flair begeistert mich auch ein zweites Mal. In nur 3 Stunden gelangt man von der nass-kalten Schweiz ins winterwarme Marrakesch und taucht ein in eine völlig andere Welt, gut möglich, dass es mich auch noch ein drittes Mal hier her verschlägt...
Jessica Kiefer, 28.01.2014

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Link zum Programm: http://www.reiterreisen.com/mom008.htm
Fotos zur Reise: https://www.facebook.com/media/set/?set ... 099&type=1
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