Wanderritt durch Sizilien bis zum Ätna

Wanderritt durch Sizilien bis zum Ätna

Beitragvon admin » 16 Dez 2013, 12:22

Schon lange habe ich mich auf diese Reise gefreut, war ich doch schon in vielen Teilen Italiens,aber Sizilien fehlte bislang. Mein Flug landet in Catania, von dort geht es weiter mit dem Bus nach Palermo. Die Fahrt dauert über zwei Stunden, bietet mir aber gleich Gelegenheit einiges von der Insel zu sehen. Bei strahlendem Sonnenschein geht es durch die Berge. Gleich merkt man, dass man in Italien ist, denn zwischen den Reisenden entstehen bald nette Gespräche, jeder wechselt ein paar Worte mit seinem Sitznachbarn. So vergeht die Busfahrt schnell und bald sind wir da. Franco, einer der beiden Reitführer holt mich am Busbahnhof ab, von wo es noch einmal eine gute Stunde in die Berge zum Ausgangsort der Reittour geht. Die Landschaft ist Anfang Juli karg, die Getreidefelder sind abgeerntet, das Gras trocken, die endlosen Berge leuchten gelb in derAbendsonne. Franco erklärt mir, dass Sizilien einst voll Wald war, doch dieRömer haben für den Bau von Rom einen Großteil der Eichenwälder der Inselgefällt. Zwischendrin sehen wir vereinzelte historische Orte, die sich an dieBerghänge schmiegen. Das Landhotel in Terravecchia liegt in herrlicher Alleinlage. Von der Terrasse aus überblickt man die gewaltigen einsamen Berge.Ein wunderschöner Ort zum Entspannen. Ein großer Pool, Hängematten und zahlreiche Sitzecken laden zum Verweilen ein. Doch wir sind gekommen um die Insel zu Pferd zu erobern und so geht es gleich am nächsten Morgen los zu einem ersten gemütlichen Ritt in die Umgebung. Insgesamt sind 12 Gäste bei dem Ritt dabei, eine große Gruppe bestehend aus Deutschen, Franzosen, Walisern und Amerikanern, zehn Frauen und zwei Männer. Ich bekomme mein Wunschpferd, einen zierlichen Araberwallach namens Dago, ein ehemaliges Distanzpferd vom Typ„läuft bis zum umfallen“, in den ich mich sofort verliebe. Wir reiten durchViehweiden und kehren bald bei einer Schäferhütte ein, wo schon etwa 20 Familienmitglieder versammelt sind. Die Schäfer leben den Sommer über mit ihrenRindern, Schafen und Ziegen auf den Almen und stellen in dieser Zeit va. Käseher, wie etwa Ricotta und den typischen sizilianischen Hartkäse „Cacciocavallo“. Nach der Verköstigung mit Käse und Grillspezialitäten reiten wir übereinen breiten Weg, der uns in Serpentinen immer weiter hinauf führt bis zueinem kleinen ehemaligen Kloster. Das Panorama schon unterwegs ist überwältigend. Die Berghänge der Madonie ziehen sich endlos weiter und kaum einDorf oder eine Straße sind zu sehen. Als wir beim Kloster ankommen, ziehtgerade eine riesige Nebelfront auf und umhüllt den kleinen Wald auf der anderen Seite des Berges. Durch diesen geht es nun wieder herunter. Ein schmaler Wegführt durch das Dickicht, bevor wir wieder auf einen breiten Panoramaweg gelangen. Durch ein felsiges Terrain geht es zurück zum Reiterhotel.

Am folgenden Tag beginnt die eigentliche Reittour, die unsvom Naturpark Madonie bis zum Ätna bringen wird. Wir verlassen die typischenKalkfelsen der Madonie (auch „Dolomiten Siziliens“ genannt) und reiten übergepflegte Waldwege, gesäumt von Steinmauern. Hier treffen wir auf große Gruppen von Waldarbeitern und auch Waldarbeiterinnen, die Steinmauern anlegen, Wege pflegen und den Waldboden von Nadeln und Blättern säubern. Letzteres soll demBrandschutz dienen. Die „Forrestale“, also die Forstwacht, stellt auf Sizilieneiner der wichtigsten Arbeitgeber dar. Nach dem Mittagspicknick im Wald gelangen wir in ein Gebiet, das sehr an die Toskana erinnert. Goldene Getreidefelder und wilde violett blühende Artischocken prägen dasLandschaftsbild. Wir genießen einen langen Nachmittagsritt in der herrlichen Sonne. Nahe Gangi erreichen wir unser Landhotel, die Villa Raino, ein sehrstilvoll renoviertes Herrenhaus mit großer Terrasse und Pool. Die Pferde teilensich heute eine riesige Wiese mit den Schafen des Hofbesitzers. Dieser begrüßt uns mit verschiedenen süßen Aperitifs, die wir uns gerne schmecken lassen. Nacheinem abendlichen Bad im Pool wird das mehrgängige Abendessen serviert. Verschiedenegegrillte Gemüsearten und frittierte Teigwaren bilden die köstlichenVorspeisen. Ich bin froh, dass ich kein Fleisch esse, denn für den Hauptgang hätte ich kaum noch Platz gefunden. Mit bestem sizilianischen Weinklingt der Abend gemütlich aus.

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Am nächsten Morgen brechen wir auf in RichtungCapizzi. Zunächst geht es weiter durch die „sizilianische Toskana“. Nach einem langen Galopp erreichen wir die Hochebene und passieren Windmühlen. DieLandschaft wechselt mit diesem Pass schlagartig und wir erreichen den Wald. Zunächst machen wir hier oben eine ausgedehnte Mittagsrast im Schatten derBäume. Anschließend geht es über einen sehr gepflegten breiten Forstweg durchden duftenden Mischwald. Der Schatten ist sehr willkommen, denn die Sonne istheute besonders intensiv. Am Ende des Waldes müssen wir ein Stück der Straße folgen, da die Weiden umzäunt und in Privatbesitz sind. Rund um Capizzi sindzahlreiche Viehweiden, auch Stuten mit ihren Fohlen begegnen uns. Die Pferdeauf Sizilien sind sehr schön, es gibt verschiedene Rassen, die äußerst edelsind und ihre orientalische Abstammung ist deutlich erkennbar. Leicht nehmen sie es in ihrer Anmut mit Andalusiern auf. Auch unter unseren Pferden sind mehrere echt sizilianische Pferde. Kurz vor Capizzi werden wir von Bekanntender Reitführer spontan zu einem Glas Wein eingeladen. Da der Nachmittagsritt sehr lang und bei dem warmen Wetter recht anstrengend war, kann ich ihn nicht so genießen, aber anstandshalber trinke ich meinen Becher leer. So geht es weiter durch Capizzi und schließlich erreichen wir einen kleinen Bauernhof, wo die Pferde bleiben. Der Hofbesitzerzüchtet im kleinen Stil sizilianische Schweine, die wie kleine Wildschweine aussehen. Die Ferkel nutzen die Löcher im Zaun und entwischen auf den Hof, zuunserem großen Vergnügen. Die Pferde stören sich nicht weiter daran. Eines der Ferkel muss später fürs Abendessen herhalten und wird komplett gegrillt serviert.

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In den folgenden Tagen geht es tief in den Nebrodi Natirpark, der mit seinem urigen Eichen- und Buchenwald und den Almwiesen seinen eigenen Reiz hat. Von einem See zum anderen geht es rauf und runter. Wirbewegen uns auf Höhen um die 1.000 m ü.M. Während wir am Eingang des Naturparks noch in einem hübschen Landhotel übernachten, verbringen wir die folgende Nachtnahe dem See Tre Arie in einem einfachen Landhaus, das sonst den Arbeitern derForstwacht als Unterkunft dient. So können wir direkt bei den Pferden übernachten und müssen nicht erst in ein entferntes Hotel fahren. ReitführerPaolo hat zuvor als Koch gearbeitet und legt heute selbst Hand an beimAbendessen. Am knisternden Kaminfeuer genießen wir Gnocchi mit Pistaziensoßeund zum Desert Cremeschnitten mit dem Namen „Testa del Turco“ (Kopf des Türken), was eine Anspielung an den Sieg der Normannen über die Türken ist. AufSizilien, muss man wissen, sind bereits sehr viele verschiedene Völker einmarschiert. Römer, Araber, Türken, Normannen, Deutsche, Griechen undKarthager, alle haben die Insel schon besetzt und Ihre Spuren hinterlassen. Zu unsTouristen sind aber alle sehr freundlich, egal wo wir hinkommen, werden wirbegrüßt und hofiert. Anderen Touristen begegnen wir so gut wie gar nicht. Esscheint, dass man nicht allzu viel für den Tourismus tut, nicht einmalPostkarten gibt es in den Pensionen und Landhotels und am Flughafen von Cataniapraktisch nur ein paar Motive von der Stadt und dem spukenden Ätna. Für denberühmten Vulkan braucht es freilich nicht viel Werbung, aber auch die anderen Naturparks sind wirklich eine Reise wert. Für alle die Einsamkeit und Berge mögen, ist es ein Paradies.

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Vom Nebrodi Naturpark gelangen wir schließlich in den Ätna Naturpark. Von der Forstwacht geht es zunächst über einen hohen Pass mit herrlicher Aussicht hinunter ins Tal. Allmählich treffen wir dabei auf Spurendes Vulkans: kreisrunde mit Wasser gefüllte Krater, Lavasteine und violetter Sand. Die typischen Steinmauern sind nun auch aus Lavasteinen. Der Ätna ist andiesem Tag etwas bewölkt, so dass wir leider keinen direkten Blick auf ihnhaben, aber die Lavaspuren nehmen stetig zu. Die sandigen Lavawege bieten optimale Reitbedingungen. Durch Reben und Obstgärten reiten wir nach der Mittagspause steil bergauf bis in einen Wald und immer weiter bis wirschließlich aus dem Wald heraus reiten und von einem traumhaften Panorama erwartet werden. Wir sind nun auf dem Ätna, ringsherum Lavagestein und einherrlicher Blick über das Tal unter uns und zum Nebrodi Naturpark. Wirpassieren satt gelben Ginster und niedrige Bäume über einen breiten Sandweg.Dann geht es über einen schmalen Pfad mitten durch ein riesiges Lavafeld von1991, auf dem die einzige Vegetation aus kleinen feuerroten Büschen besteht.Sie sind die ersten, die auf den Lavafeldern nach dem Ausbruch wachsen.Ansonsten erinnert das Gebiet auf nunmehr über 1.700 m ü.M. an eineMondlandschaft. Nach einem fröhlichen Auf und Ab durch das Lavafeld erreichen wir einen breiten Höhenweg mit fantastischer Aussicht. Diesem folgen wir durchdie unwirklich anmutende violette Landschaft bis in den Wald hinein. Es istinzwischen schon dämmerig und die Tagesetappe entpuppt sich als besonders lang.Aber am Ende kommen alle an der Pension im Wald an und genießen das üppige Abendessen ganz besonders. Am nächsten Morgen gesellen sich zwei einheimischeReiter zu uns, die auf zwei besonders edlen Angloarabern mitreiten werden. Wiesich herausstellt gehören die Pferde dem jüngeren, gerade mal 14-jährigen, dersich als hervorragender Reiter herausstellt. Sein etwa 60-jähriger Reiterfreundführt uns heute durch den dichten Wald, dessen Boden aus schwarzem Lavasandbesteht. Ein Traum zum Reiten. Über schmale Pfade geht es herauf und herunter.Noch einmal reiten wir über ein großes Lavafeld und genießen bei strahlendem Sonnenschein einen ausgezeichneten Blick auf den rauchenden Vulkan. Wie eineFlasche Sekt ohne Korken sei er, sagen die Einheimischen. Der Ätna ist ständigaktiv, stets brodelt er vor sich hin um dann alle paar Jahre seine Asche auszuwerfen. Zum Glück ist das nicht allzu gefährlich, denn die Lavaströmenehmen seit langem die selben Wege bis zum Meer. Dennoch: Gibt es bei uns Warnschilder mit dem Hinweis „50 bei Nässe“, gibt es hier Schilder mit der Aufschrift „20 bei Vulkanasche“. Und diese liegt tatsächlich noch in allen Straßen und auf den Dächern Milos, unserem Zielort. Wie ein eigens erschaffener Randstreifen für Reiter, zieht sich der schwarze Sand an den Straßen entlang.

Auf dem Weg nach Milo erwartet uns aber noch etwas Besonderes:Im Wald binden wir die Pferde an und besichtigen die äußerst gut versteckte Höhleehemaliger Banditen. Es handelt sich um einen natürlichen Krater mit zwei schmalen Eingängen, aber das Ausmaß unter der Erde ist beachtlich. Hier treffenwir schließlich auch die ersten anderen Touristen. Ausgestattet mit Bergwerkhelmen untersuchen sie die Höhle. Der Reithelm tut es aber auch und somischen wir uns zu ihnen in die völlige Dunkelheit. Der Hintergang wurde einstfür die Pferde geschaffen, ein extrem steiler und schmaler Pfad mit Stufen. Esmuss eine Herausforderung gewesen sein, die Pferde hier herunter in die Dunkelheit zu bringen! Weiter geht es über breite schwarze Sandwege durch dieGinsterhecken hinunter nach Milo. Bald wird der Blick frei auf das Meer.

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Nach knapp vier Stunden im Sattel kommen wir schließlich in Milo an, wo wir die Pferde auf einer Eselfarm verabschieden. Wir selbst stärkenuns erstmal, bevor wir einen kleinen Rundgang auf der Farm machen. Gut 200 Eselbesitzt Michele, der Hofherr. Die Milch wird auf dem Festland zu Kosmetikaverarbeitet, dient aber auch als Ersatz für Kuhmilch für Allergiker. Nur rund 6Liter Milch bringt eine Eselstute pro Tag, wovon die Hälfte vom Eselfohlenverputzt wird. Offenbar würden die Esel die Milchproduktion ohne ihre Fohlensofort einstellen, was sie davor bewahrt, dass man Stute und Fohlen trennt. Nachdem wir unsere Unterkunft, eine private sehr luxuriöse Pension im Ortbezogen haben, treffen wir uns erneut bei Michele zum Abendessen. Paolo stellt noch einmal seine Kochkünste unter Beweis und überrascht uns mit leckererHolzofen-Pizza. So geht der letzte Abend langsam zu Ende und es heißt Abschiednehmen. Die Nacht ist kurz, früh um 6:00 Uhr geht es schon los nach Catania.Franco fährt uns mit seinem Minibus und unterhält uns ein letztes Mal mitseinem unglaublichen Wissen über Geschichte, Kultur und Pferde Siziliens. Mit einem Kilo Caciocavallo, einem Liter Eselmilch und einem großen Päckchen gemahlener Pistazien im Gepäck trete ich die Heimreise an. Der Abschied von den liebenswerten Reitführern Paolo und Franco ist herzlich und sie laden uns ein noch einmal den Madonie Rund-Ritt mitzureiten. Wer weis,schließlich ist die gastfreundliche und wunderschöne Insel per Flugzeug schnell erreicht und bietet unzählige Urlaubsfreuden.

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Link zum Programm: http://www.reiterreisen.com/siz009.htm
Bildergalerie: https://www.facebook.com/media/set/?set ... 099&type=3

Jessica Kiefer, Juli 2013
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