Ratekjokk Trail in Lappland - im Land der Elche

Ratekjokk Trail in Lappland - im Land der Elche

Beitragvon admin » 20 Okt 2017, 16:05

So weit das Auge reicht erstreckt sich unter uns die nordschwedische Tundra mit ihren niedrigen Wäldern, Mooren, Heide und Seen. Keinerlei Häuser oder Straßen sind in Sicht. Der Anblick vom Flugzeug aus, bevor wir in Kiruna landen, ist überwältigend! Anders als die knapp 20.000 Einwohner zählende „Hauptstadt“ des Nordens. Diese entstand erst um 1900, als die schwedische Regierung die riesige Mine hier erschloss. Aktuell wird ein Teil der Häuser abgerissen um wieder einmal Platz für die Ausgrabungen zu schaffen.
Bis Mitte des 17. Jh. lebten die Samen, das ursprüngliche Volk Lapplands noch ziemlich unbehelligt, doch dann mischten sich die Regierungen zunehmend in das Leben der Ureinwohner ein. Die Rentierbeweidung wurde reglementiert und Siedler aus dem Süden nahmen Land ein und machten Jagd auf die Tiere der Samen. Später wurden die Menschen auch gezwungen Schwedisch zu sprechen und die Sprache der Samen wurde aus den Schulen verbannt. Die Kirche tat ihr Übriges das Naturvolk mit allen Mitteln zum Christentum zu bekehren. Größere Aufstände gegen die Übernahmen gab es von Seiten der Samen nicht, denn sie sind ein sehr friedfertiges Volk. Heute macht man das Beste daraus: Traditionen werden weiterhin hoch gehalten und Kunsthandwerk, Rentierzucht und Fischerei sind noch heute die wichtigsten Sektoren. Dazu kommen inzwischen der Tourismus und eben die Mine.
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Kerstin und Matti haben sich mit ihrem erstklassigen Islandpferdehof v.a. dem Tourismus verschrieben. Im Winter erkunden die Gäste zu Pferd, Snowmobil, Rentierschlitten usw. die zauberhafte Schneelandschaft, im Sommer geht es auf Reittouren hinauf in die Berge. Für eine solche Wildnistour begebe ich mich Mitte August in den Hohen Norden. Am Abend treffen alle Teilnehmer nach und nach mit Flugzeug, Zug und Bus ein. Die bunt gemischte Gruppe zwischen 15 und 65 Jahren kommt aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Belgien, England und sogar Neuseeland. Neben Kerstin wird uns noch Sarah begleiten, die ein Studium als Wildnisguide absolviert hat und seit einigen Jahren fest angestellt ist. Die erste Nacht verbringen wir auf dem Reiterhof in zwei gemütlichen, typisch schwedischen Gästehäusern. Die riesigen Koppeln erstrecken sich bis zum breiten Strom Kalix, der hier mehr wie ein See wirkt. Am Ufer liegt auch die neu gebaute Sauna. Am nächsten Morgen geht es jedoch gleich in die Wildnis. Zunächst werden die Pferde aber verladen, da wir zunächst den Fluss überqueren müssen. Irgendwann am Vormittag sind dann alle Satteltaschen gepackt, die Pferde gesattelt und eingeteilt und es kann losgehen. Nach einem kurzen Stück entlang dem Kalix, verlassen wir den befestigten Hauptweg und reiten über schmale Trampelpfade durch einen niedrigen Birkenwald. Obwohl der Sommer bisher sehr nass war ist der Untergrund nicht rutschig, der Waldboden ist schön locker und meist mit federndem Moos bewachsen. Schnell können wir uns von der Qualität der Islandpferde überzeugen: Kerstin legt sehr viel Wert auf eine gute Ausbildung und alle samt sind auch 4- oder 5-Gänger. In den baumlosen Bergen sollen wir möglichst nicht hintereinander, sondern verteilt reiten, damit die Pferde nicht abstumpfen. Dies ist auch gar kein Problem, alle sind sehr fein und unabhängig zu reiten. Besonders begeistert uns auch das routinierte Packpferd Brenna. Auch in den Pausen ist sie oft frei, während die anderen in einer abgesteckten Koppel grasen. So kommt sie gelegentlich auch an unserem Grillplatz vorbei und schaut was es so gibt. Wenn sie sich nicht ihren ganz eigenen Weg durch Geäst und die Ebenen sucht, dann nutzt die ansonsten rangniedrige Brenna gern ihren Vorteil ohne Reiter und bremst die hinteren Pferde etwas aus.
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Nach dem Birkenwald erreichen wir am Abend des ersten Tages eine weite Berglandschaft, auf der uns ein kräftiger Wind entgegenbläst. Schließlich erreichen wir unser Camp für die nächsten beiden Tage: Zwei Samizelte, Grillplatz und eine große Koppel liegen geschützt und idyllisch an einem Bach. Der erste Abend in der Wildnis ist recht kühl, so dass wir uns nach einem köstlichen Abendessen am Lagerfeuer bald in unsere Tippis zurückziehen. Jeder bekommt ein Rentierfell zum Schlafen, was sich als erstaunlich bequem erweist. Außerdem gibt es in der Mitte einen kleinen Ofen, in dem wir mit Holz Feuer machen und es so recht behaglich haben. Kerstin erweist sich als wunderbare Köchin, die selbst am Lagerfeuer 3-Gänge-Menüs zaubert. Hauptsächlich gibt es dabei Rentier aus eigener Zucht. Von geräuchert bis Blutwurst wird es in jeder erdenklichen Variation gegessen. Zwischendrin gibt außerdem Fisch aus den umliegenden Gewässern. Besonders die Fischsuppe erfreut sich größter Beliebtheit. Und natürlich darf auch Elch auf dem Speiseplan nicht fehlen. Mir als Vegetarierin sind dann die lebenden Rentiere und Elche lieber, die wir zwischendurch erspähen. Zumindest mit dem Fernglas entdecken wir auch ein paar Elche. Während sich die mächtigen Tiere im Winter um den Reiterhof scharen und sich großzügig aus den Heuraufen der Pferde bedienen, machen sie sich im Sommer eher rar. Die Wildnis ist einfach zu groß, da braucht es schon etwas Glück, die Tiere aufzuspüren. Ein Fernglas lohnt sich auf jeden Fall. Auch Bären, Wölfe und Vielfraße gibt es hier, diese bleiben uns jedoch gänzlich verborgen – und wir ihnen wohl auch….
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Die Natur beeindruckt außerdem durch ihre einzigartige Pflanzenwelt: Neben den charakteristischen Birken wird der Boden vor allem von Moosen, niedrigen Büschen und Beeren bewachsen. So steigen wir immer wieder ab um Blaubeeren, schwarze Krähenbeeren und die seltenen Moltebeeren zu pflücken.
Für Tierbeobachtungen, zum Beerenpfücken, dem Sammeln von Rentiergeweihen und zum Fotografieren bleibt stets genügend Zeit, Eile kennt man hier nicht! Was nicht heißt, dass nur Schritt geritten wird. Zwischendurch gibt es immer mal Gelegenheit zum Traben, Tölten oder für einen kleinen Galopp. Aber insgesamt ist es die perfekte Reittour um einfach in der Natur zu entspannen. Morgens wird erstmal in aller Ruhe gefrühstückt und auch am Mittag nehmen wir uns zum Pferde versorgen, Kochen und Essen viel Zeit.
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Unser nächstes Quartier erreichen wir über eine wunderschöne baumlose Hochebene, die zum Teil schon herbstlich rot gefärbt ist. Der Blick reicht über Seen, bewaldete Täler und bis hinüber zu den Kebnekaise Bergen, auf denen auch jetzt noch einiges an Schnee liegt. Am späten Nachmittag erreichen wir einen großen Wald, in dem sich auch unser nächstes Quartier befindet. Es ist das Heimatdorf von Matti, das inzwischen nur noch für die Reiter genutzt wird. Zwei riesige Pferdeweiden umgeben die beiden größeren Holzhäuser und mehrere kleinere Blockhütten sowie die Sauna am Fluss. Fließend Wasser besitzen die Häuser nicht, bzw. nur in Form des glasklaren Flusses, aus dem wir regelmäßig Wasser schöpfen. Statt mit Wasser wird die Toilette denn auch mit Feuer betrieben…
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Kleiner Wehrmutstropfen bei der sehr idyllischen Lage sind nur die Mücken, die sich im feuchten Wald sehr wohlfühlen. Aber mit einem entsprechenden Mückenschutz ist es kein Problem. Außerdem herrscht zwar freundliches Wetter, aber kein T-Shirt-Wetter. Nach einem sehr heißen Sommer in Deutschland, verschafft uns die Woche in Schweden eine kleine Abkühlung und einen Vorgeschmack auf den Herbst – ohnehin die beste Zeit zum Reiten! Am Abend genießen wir einen Saunagang, bevor uns Kerstin und Sarah zum Abendessen rufen. Das Bauernhaus birgt einige Schätze aus früheren Zeiten, so hängen vielerlei Gebrauchsgegenstände an den Wänden, deren Nutzen wir nicht erraten können. Kerstin, die auch traditionelles Handwerk und die samische Sprache unterrichtet hat, erzählt uns gerne von der Geschichte der friedfertigen Samen. Am letzten Tag erwartet uns ein Ritt hoch in die rötlich gefärbten Berge mit tollem Blick über den breiten Kalix, die Kebnekaise Berge und die riesigen Wälder. Am Picknickplatz finden wir frische Elchspuren und Kot. Leider sind wir zu spät gekommen…
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Anschließend verabschieden wir uns von den Pferden, die diesmal im Samendorf zurückbleiben, und wandern das kurze Stück zum Kalix hinab, wo Matti mit der Fähre auf uns wartet. Nach einer schönen Überfahrt, geht es per Minibus zurück zum Reiterhof, wo wir von den übrigen Tieren begrüßt werden: Neben knapp 30 Islandpferden wohnen noch eine Katze, zwei lustige Ziegenböcke und mehrere Hunde auf dem Hof. Aus Island sind im Sommer noch sechs neue Pferde eingetroffen, die nun sorgfältig ausgebildet werden. Einige der Älteren werden dann bei Freunden und Bekannten des Reiterhofs ihr Rentnerleben genießen. Es ist schön zu sehen, wie gut die Pferde umsorgt werden. Zu jedem Pferd wurde uns auch vor dem Ritt etwas über die Eigenheiten berichtet und jede von uns war absolut glücklich mit dem zugeteilten Pferd. Die Mischung aus hervorragenden Pferden, großer Gastfreundschaft und unberührte Natur machen den Ritt zu einem einmaligen Erlebnis – unbedingt zu empfehlen! J
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Nach dem Ritt verbringen wir noch zwei Tage in Stockholm. Die malerische Hafenstadt lohnt sich unbedingt für einen Stopover. Da die Inlandsflüge ausgebucht sind, haben wir einen Nachtzug gebucht, der in rund 17 Sunden von Kiruna in die Hauptstadt tuckert. Unterwegs sehe ich endlich noch einen Elch aus der Nähe, wenn auch nur kurz. Auch die Züge sind recht gemütlich unterwegs mit einigen Stopps und Aufenthalten. Es erweist sich als recht bequeme und günstige Alternative zum Flug. Selbst eine saubere Dusche steht den Passagieren zur Verfügung. Gut ausgeschlafen erkunden wir die Altstadt, die verschiedenen Inseln und die Uferpromenaden. Und versäumen es auch nicht Streiff zu besichtigen, das berühmte Oldenburger Kriegspferd des König Gustav Adolfs aus dem 17. Jh , das ausgestopft in der Rüstkammer des Schlosses steht.
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Link zum Programm: www.reiterreisen.com/ret007.htm
Jessica Kiefer, August 2018
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