Kanada - Kananaskis Explorer - Ein Packtrip in der Wildnis

Kanada - Kananaskis Explorer - Ein Packtrip in der Wildnis

Beitragvon admin » 10 Aug 2017, 12:48

Ein Packtrip in der kanadischen Wildnis

Endlich geht es los. Auf nach Kanada! Nach ca. 9 Stunden Flug lande ich in Calgary. Die Immigration geht recht flott und per Bus geht es nach „Downtown“, wo ich eine Zusatznacht vor der Tour gebucht habe. Ein kleiner Spaziergang durch die Innenstadt bringt viele neue Eindrücke. Überall wird das „Stampede“ beworben, ein riesiges Reiterfest mit Horse Shows, Rodeo und alles, was dem Pferdefreund gefällt.
Nach dem Frühstück erkunde ich die vielen Grünflächen und das Stampedegelände, bis es schliesslich zum Flughafen geht, wo ich zum Transfer erwartet werde. Von Calgary aus geht es ca. 1,5 Stunden gen Norden bis zur Ranch, wo wir willkommen geheissen werden. Häppchen und kalte Getränke stehen bereit. Die Gruppe ist komplett: Robert und Robin werden die Tour hauptsächlich führen, dazu kommen weitere Helfer, um die ganze Logistik und Organisation eines Packtrips in die Wildnis zu bewältigen. Wir bekommen eine Einweisung und besprechen den Tourenverlauf. Wir erhalten die Duffle Bags mit Schlafsack (extra warm) und Inlet sowie eine Isomatte (selbstaufblasend). Unser Gepäck ist bereits auf dem Zimmer und nach dem Abendessen, einem leckeren Burger direkt vom Grill, geht es ans Packen. Nur was wir wirklich brauchen geht in den Duffle Bag, der Rest bleibt auf der Ranch. Am Lagerfeuer lernt die Gruppe sich kennen, bevor es ins Bett geht.
Vor dem Abritt in die absolute Wildnis fernab der Zivilisation, nehmen wir ein fantastisches Frühstück ein. Joghurt, frische Früchte, Brötchen, Croissants, Marmelade, Honig, Nutella, Käse und Wurst, dazu Orangensaft, Kaffe oder Tee. Verhungern kann man hier wirklich nicht!
Dann endlich bekommen wir unsere Pferde, um die wir uns die ganze Woche selbst kümmern werden. Mir wird Sosci, eine hübsche Quarterhorse Stute zugeteilt. Putzen, satteln, dann aufsitzen und los geht es. Die Gruppe besteht aus Linda und Kelly aus British Columbia, Pam und Mad aus Washington, Kim und Mirijam aus Deutschland, Bibi aus Vermont und Leslie aus Nova Scotia. Dazu mindestens zwei Guides und natürlich die Crew samt Packpferden, die heute separat von der Gruppe gehen.
Wir starten über eine unbefestigte Strasse und nach einer Schrittphase am Anfang gibt es immer wieder einige Trabpassagen und auch mal einen Galopp. Der Grossteil bleibt allerdings, aufgrund des Geländes, Schritt. Kleine Wege, querfeldein durch Wald, Durchreiten von Flüssen, hoch und runter, über eine Blumenwiese (aufgrund der Höhe blüht hier die Fauna etwas später). Von oben hat man eine fantastische Sicht auf die umliegenden Berge, teils schneebedeckt. Rehe und ein Hirsch queren heute unseren Weg, dazu etliche Vögel. In den Pausen, in denen die Pferde grasen dürfen, erzählt uns Neal so einiges über die Natur dieser schönen Region. Dann reiten wir oberhalb eines Sees entlang mit toller Aussicht, bis wir schliesslich den Lunchplatz erreichen. Heute gibt es als Satteltaschenpicknick Tortilla, die sich jeder selbst belegt- je nach Geschmack.
Jedes Pferd ist mit zwei Satteltaschen ausgerüstet, eine für den Reiter, die andere für das Mittagspicknick. Nach ca. 5 Stunden Reitzeit erreichen wir das erste Camp. Die Zelte stehen schon und auf dem Feuer steht der Cowboykaffee und die Kartoffeln brutzeln. Jeder versorgt sein Pferd, bevor die Zelte eingerichtet werden und es Abendessen am Lagerfeuer gibt. Vor dem Nachtisch werden die Pferde zum Trinken an den Fluss geführt, bevor es etwas Süsses gibt und alle schlafen gehen.
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Der verführerische Duft von Blaubeerpancakes weckt uns, lecker!
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Die Dufflebags werden beladen und auf die Packpferde geschnallt und jeder bereitet sein Pferd für den Ritt vor. Ich soll noch das Pferd tauschen (Sosci soll konditionell noch aufbauen) und bekomme Pippin, ein ehemaliges Wildpferd und Unikat. Ein Rappe mit einer von weissen Strähnen durchzogenen Mähne! Er wird mein treuer Begleiter, der durch Trittsicherheit glänzt, für die restliche Tour.
Ein ca. 7-stündiger Ritt erwartet uns heute mit einigen Stopps. Um die Aussicht in den kanadischen Rockys zu geniessen und das Mittagspicknick mit Sandwiches zum selbst belegen zu verzehren.
Es geht viel bergauf und bergab aber die Pferde meistern dies dank ihrer Trittsicherheit alle mühelos. Wälder, Flüsse, schneebedeckte Berggipfel bei Traumwetter mit blauem Himmel, sonnig und vereinzelte Schäfchenwolken – ein traumhafter Reittag in einer unberührten Natur, die ihresgleichen sucht!
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Wir erreichen das zweite Camp, in dem wir die kommenden drei Nächte bleiben. Zwei grosse Zelte und ein kleineres dazu, die zentrale Feuerstelle mit festem Holztisch und Bänken, dazu eine Pferdeweide. Heute gibt es Spaghetti mit Fleisch und Tomatensosse frisch auf dem Feuer zubereitet. Danach sitzen wir Zusammen und Robin gibt spannende Geschichten zum Besten.
Heute ist eine Art Erholungstag mit einer Reitzeit von ca. 4 Stunden. Das Frühstück findet deshalb ein wenig später statt und wir können entspannt die Pferde richten. Wir reiten am Elbow River entlang, bevor es höher geht, teils an einem Abhang entlang mit immer wieder grandiosem Panorama. Schneebedeckte Gipfel, Tannen, ein Wasserfall und der Fluss, der sich unten durch das Tal windet. Auf der Ebene ein Galopp und schon erreichen wir unseren Mittagrastplatz, wo frisch auf dem Feuer Würstchen am Spiess gebraten werden. Der Rückweg ist viel zu schnell vorbei, noch eine letzte Flussquerung durch kristallklares Gletscherwasser bevor wir wieder im Camp eintreffen und die Pferde auf ihre Weide dürfen. Wir Reiter geniessen einen Drink, dann wird das Abendessen serviert. Die Pferde werden zum Fluss zum Trinken geführt (oder geritten- ohne Sattel versteht sich), bevor sie ihren Schlafplatz einnehmen.
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Am nächsten Morgen schleicht ein Reh durch unser Camp. Pippin ist mir richtig ans Herz gewachsen und so freue ich mich auch heute wieder auf einen schönen Reittag mit ihm. Wir starten am Fluss entlang, bevor es nach und nach immer weiter bergan geht. Sogar ein Wildpferd bekommen wir zu Gesicht, davon leben hier einige, fernab der Zivilisation, in Freiheit.
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Die Mittagspause findet auf einer Wiese statt. Welch ein Anblick die grasenden Pferde vor solch einem Panorama…Idylle pur! Da schmeckt der Wrap gleicht doppelt so gut.
Gestärkt geht es nun an den eigentlichen sehr anspruchsvollen Teil des Tages: Erst über eine Bergkuppe, dann durch sattgrünen Wald.
Der schmale Weg schlängelt sich hinauf und runter, teils ist er matschig und mit Baumstämmen übersäht (was den Pferden gar nichts ausmacht) bis zu einer steil abfallenden Passage. Während die Reiter das kurze Stück zu Fuss einzeln meistern, werden die Pferde ebenso einzeln hinterher geschickt und unten vom Reiter in Empfang genommen. Man könnte meinen, dass in diesen Pferden ein Grossteil Bergziege steckt, so trittsicher und ausbalanciert wie sie laufen.
Am Fluss ist eine Trinkpause angesagt bevor es zu Pferd lange am idyllischen Flussufer entlang geht. Erst parallel dann führt der Trampelpfad durch Wald, immer wieder den Fluss kreuzend bis zur Mündung in den Elbow Creek. Wir folgen dem Fluss und einem breiteren Weg, wo auch die Möglichkeit zum Trab und Galopp, herrlich! Die Pferde sind nach wie vor topfit und ich geniesse die ca. 7 Stunden im Sattel meines Wildpferdes. Dieser darf sich im Anschluss ausgiebig auf der Weide wälzen und seinen Feierabend geniessen.
Nach einem solchen Reittag schmeckt das Abendessen gleich doppelt gut. Heute gibt es Salat, Kartoffeln, Fleisch und Gemüsebratlinge. Dann geht es wieder zum Tränken an den Fluss, bevor wir uns in die wohlverdiente Nachtruhe begeben.
Am nächsten Morgen herrscht rege Betriebsamkeit im Camp, jeder packt seine Sachen, frühstückt und bereitet sein Pferd vor. Pippin liegt noch und entspannt. Nach einigen Streicheleinheiten steht er jedoch auf und freut sich zurück auf die heimatliche Wiese (in unfassbarer Grösse) zu kommen. Die Packpferde werden beladen, dann wird aufgesessen und los geht es. Ein letztes Mal am Fluss entlang, dann durch Wald und immer entspannt im Schritt, schliesslich müssen heute alle Packpferde mit der Gruppe mit. Nach einer letzten Flussquerung erreichen wir einen Parkplatz, wo die Packpferde verladen und in den heimischen Stall gefahren werden. Sie haben grandiose Arbeit geleistet. Die Reiter packen ihr Lunch und weiter geht es in den Kananaskis Nationalpark. Hier treffen wir auch das erste Mal wieder auf andere Menschen, komisch nach den ganzen Tagen inmitten der Natur.
Nach einem guten Stück bergauf erreichen wir den Mittagsrastplatz unterhalb des Gipfels, ein fantastischer Platz mit Ausblick ins Tal auf den Elbow River dazu schneebedeckte Gipfel und die Blumenwiese, einfach nur traumhaft.
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Nach dem Essen geht es auf den Gipfel mit kurzem Fotostopp, bevor wir uns an den Abstieg machen (ein kurzes Stück Führen, der Rest wird wieder geritten). Es geht einen schönen Weg entlang, der wieder etwas breiter wird und uns in die Ebene auf der anderen Seite bringt. Viel zu schnell erreichen wir einen Parkplatz, wo unsere Pferde und wir Reiter „verladen“ werden und zum Ausgangspunkt am Hof gefahren werden. Auch hier werden zuerst die Pferde versorgt und ich muss mich von meinem Wildpferd verabschieden, der später auf die immens grosse Weide entlassen wird, um seine wohlverdiente Pause zu bekommen. Pippin, ich werde dich vermissen!!!
Dann startet der Run auf die heißbegehrten Duschen – eine Wohltat nach der Katzenwäsche im Fluss während der Campzeit.

An einer grossen Tafel nehmen wir das Abendessen ein, u.a. mit regionalem Fleisch, Kartoffelgratin, Pilzen, Spargel, Gemüse und einen Baiserfrüchtenachtisch – ein Gedicht. Schlussendlich lassen wir diesen letzten Abend wie gewohnt am Lagerfeuter ausklingen, diesmal mit Gitarrenbegleitung. Ein schöner Abschluss eines tollen Reittrails inmitten der kanadischen Wildnis!
Das Bett wartet schon.
Nach dem leckeren und sehr üppigem Frühstück wartet schon der Shuttel, der mich zurück nach Calgary zum Flughafen bringt. Der Abschied fällt mir - wie immer nach einer tollen Woche – schwer. Ich werde die Wildnis, die Mitreiter und Guides und natürlich auch Pippin vermissen!
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Ein Reisebericht von Julia Wies | Pegasus Reiterreisen
Weitere Infos hier: http://www.reiterreisen.com/rtab18.htm
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