Bosnien-Herzegowina - Ein Wintermärchen

Bosnien-Herzegowina - Ein Wintermärchen

Beitragvon admin » 27 Nov 2013, 11:00

Unzählige kleine Inselchen schimmern im glasklaren Wasser der kroatischen
Adriaküste. Ich befinde mich im Landeanflug über Split. Welch ein Kontrast - nur
eine gute Stunde zuvor wurde unser Flugzeug im Frankfurter Schneegestöber
enteist, nun verspüre ich durch das Flugzeugfenster mediterranes Flair.
Ziel meiner Reise bleibt jedoch nicht das kroatische Mittelmeer, sondern
Bosnien-Herzegowina. Ein Land, von dem mir bisher nicht wirklich viel bekannt
war außer dem Krieg in den Neunzigerjahren und dem Kommentar "Da ist es sehr
schön!" eines Bekannten, der das Land bereits bereiste. Nun bin ich hier um eine
Woche lang zu reiten und Ski zu fahren. Am Flughafen werde ich von meinen
Gastgebern Mate und Ilija herzlich in Empfang genommen. Gemeinsam mit Daisy,
meiner englischen Mitreiterin für diese Woche, fahren wir von Split aus nach
Bosnien. Die Route führt stetig bergauf, vorbei an schroffen, kargen Bergen,
tiefen Tälern, kleinen Ortschaften, Flüssen und Seen bis wir schließlich nach
2,5 Stunden unser Ziel erreicht haben: das Kupres-Plateau, ein Hochtal von ca.
20 km Länge und umzingelt von Hügeln und Bergen. Wir befinden uns mittlerweile
auch wieder im Schnee, der sich in der kleinen Stadt Kupres meterhoch am
Bürgersteig türmt. Der Ort lebt vom Wintersport und seinem kleinen Skigebiet und
vermittelt ebendieses Flair. Ansonsten ist diese Gegend hier sehr unbekannt und
touristisch noch kaum erschlossen. Außerhalb des Ortes befindet sich die Farm. Bild
Daisy und ich sind in einem Chalet untergebracht, das mit Holzmöbeln gemütlich
eingerichtet ist und den Charme einer gemütlichen, rustikalen Berghütte
versprüht. Es gibt ein Wohnzimmer mit Couch und Fernseher, eine Küchenecke mit
Esstisch, das Bad mit Massagedusche sowie eines der Schlafzimmer. Im oberen
Stock befindet sich ein weiteres Schlafzimmer und eine Galerie mit
Sitzmöglichkeit. Entgegen meinen Befürchtungen werden wir auch nicht frieren
müssen. Der Holzkamin mit angeschlossener Heizung im Wohnbereich heizt äußerst zuverlässig. Daisy hat es schnell raus die richtige Menge an Holz aufzulegen, damit es stets gemütlich warm ist. Bild
Im Haupthaus der Reiterhofs befindet der Essbereich, eine Bar mit Kamin sowie ein großer Grill, der auch Barbecues in der kalten Jahreszeit ermöglicht. Die Einheimischen lieben Fleisch und Gegrilltes. Das dürfen wir gleich beim ersten Abendessen kosten, bei dem wir mit herzhaften Cevapcici, Krautsalat und Kartoffeln verwöhnt werden. Müde aber satt fallen wir ins Bett. Am nächsten Morgen erwartet uns ein Winterwunderland! Während wir am Vortag im Dunkeln angekommen sind und nicht viel von der Umgebung sehen konnten, erstreckt sich nun das Kupres-Tal in voller Pracht vor uns. Eine weite, weiße Decke von Schnee breitet sich bis zum Horizont aus und geht in sanft geschwungen Hügel über, die in jeder Himmelsrichtung zu sehen sind. Die Lage des Hofes könnte wirklich nicht idyllischer sein. Während wir unser Frühstück in unserem Chalet vorbereiten, wechselt die Wetterlage plötzlich. Dicke graue Wolken ziehen auf und Schneeregen fällt nieder. Keine optimalen Bedingungen zum Ausreiten. Den Tag verbringen wir daher im gemütlichen warmen Haupthaus, spielen Karten und warten auf Besserung. Zunächst vergeblich – anstatt besser wird das Wetter nur stürmischer. Mittlerweile schneit es heftig mit sehr viel Wind während gleichzeitig ein Gewitter mit Blitzen und Donnern tobt – eine Wetterkombination wie ich sie noch nie erlebt habe. Dann am Nachmittag klart es plötzlich auf. Wir nutzen die Chance sofort und bereiten die Pferde vor. Zwar ist es schon spät, aber für einen kurzen Ritt reicht es noch. Der Hof verfügt über ca. 20 Pferde, die größtenteils Mischungen aus Araber und bosnischem Warmblut sind. Die meisten stammen aus eigener Zucht. Bild
Gemeinsam mit Marko, Mates Sohn, reiten wir aus. Ich habe eine hübsche Stute zugeteilt bekommen, die trotz ihres jungen Alters sehr ruhig und brav läuft und gut reagiert. Das Reiten im Schnee macht riesigen Spaß. Besonders das Traben und Galoppieren ist natürlich ein besonderes Erlebnis. Unsere Route führt in die nähere Umgebung des Reiterhofs. Mittlerweile ist die Sonne schon untergegangen und es dämmert ziemlich. Als wir eine große Pfütze durchqueren wollen, weigert sich eines der Pferde. In der Dämmerung bei schlechter Sicht traut es sich nicht durch den tiefen wässerigen Schnee zu laufen. Es hilft alles nichts. Da es keinen Weg drumherum gibt, müssen wir die gleiche Strecke zum Stall zurück reiten, die wir auch gekommen sind, was einen großen Umweg bedeutet. Uns stört das keineswegs. Wir freuen uns über die zusätzliche Reitzeit. Mittlerweile ist es aber komplett dunkel geworden und unser Ausritt ist zum Nachtritt geworden. Dank des weißen Schnees und hellen Mondscheins können wir aber immer noch genügend sehen und finden sicher wieder zum Stall zurück, wo uns schon ein wärmender Kakao erwartet. Am nächsten Tag hat sich das Wetter endlich stabilisiert und bei Sonnenschein starten wir zu einem Halbtagesritt auf einen der umliegenden Berge. Der Schnee geht den Pferden an manchen Abschnitten bis zum Bauch, aber sie laufen äußerst zuverlässig und ohne Probleme als würden sie ihr Leben lang nichts anderes machen. Oben auf dem Gipfel werden wir mit einer grandiosen Aussicht über das schneebedeckte Kupres-Tal belohnt. Zurück geht es über weite flache Schneefelder. Im gleißenden Sonnenlicht hat man manchmal das Gefühl man sei in der Wüste. Am Nachmittag dann geht es endlich zur Skipiste die nur 6 km vom Hof entfernt liegt. Skier, Stöcke und Schuhe sind auf dem Reiterhof in allen Größen vorhanden, so dass wir praktischerweise nur unsere Skikleidung mitbringen mussten. Bild Das Skigebiet von Kupres ist natürlich kleiner als unsere riesigen Skigebiete in den Alpen, aber es ist alles notwendige vorhanden. Es gibt 4 große Pisten mit mittlerem Schwierigkeitsgrad ausgestattet mit 4 Liften und Schneekanonen. Auf dem Gipfel sowie im Tal gibt es ein Restaurant. Für einen halben Tag Skifahren jeweils ist es eigentlich perfekt, zumal vor allem unter der Woche oft nicht viel los ist und man auf der Piste ausreichend Platz hat. Auch Anfänger sind hier bestens aufgehoben. Es gibt einige Anfängerhügel und Mate, der jahrelang als Skilehrer gearbeitet hat, gibt gerne Tipps und hilft mit Übungen. Die erste Abfahrt ist wie meistens etwas steif, aber schon nach dem zweiten, dritten Mal läuft es viel geschmeidiger. Die Piste ist in ausgezeichnetem Zustand und gut gelaunt freuen wir uns wie hungrige Bären auf ein erneut üppiges Abendessen zubereitet von Koch Ilija. Dieser spricht übrigens hervorragendes Deutsch, welches er in den wenigen Jahren während des Bosnienkrieges gelernt hat, die er in Deutschland verbrachte. Von ihm erfahren wir, dass die Auswirkungen des Krieges auch vorm idyllischen Kupres-Tal keinen Halt gemacht haben und viele Bewohner zur Flucht zwangen. Die meisten von ihnen sind aber wie Ilija später wieder in ihrer Heimat zurück gekehrt. Tatsächlich sind auch heute noch einige Spuren des Krieges zu sehen. An einigen alten Häusern sind immer noch Einschusslöcher zu sehen, ganz vereinzelt findet man noch Überreste zerbombter Häuser vor. Ansonsten erstrahlt der Ort in neuem Glanz. Viele Häuser sind ganz neu, so wie auch die Gebäude des Reiterhofs. Auch von Landminen gehen im Kupres-Tal keine Gefahren aus. Das Gelände ist absolut sicher und das Reiten ist uneingeschränkt möglich.
Wir genießen viele wunderschöne Ausritte durch die faszinierende Schneelandschaft. Einmal erleben wir ein richtiges „White Out“. Es ist so extrem nebelig, dass alles um uns herum schneeweiß ist und wir nichts erkennen können, selbst unseren Reitführer sehen wir kaum. Ein sehr eigenartiges aber auch faszinierendes Gefühl, da man sofort die Orientierung verliert und es einem ohne den fehlenden Horizont fast ein wenig schwindelig wird. Keine fünf Meter weit können wir sehen. Trotz der sehr guten Ortskenntnisse unseres Guides irren wir erst mal etwas ziellos umher, bis wir endlich ein paar Häuser erreichen, die uns als Anhaltspunkte dienen und uns nachhause leiten. Auch die Nachmittage auf der Piste werden nicht langweilig. Mein persönliches Highlight ist der 3-Personen-Ski! Auf einem langen Paar Skiern hat Mate 3 Bindungen montiert. Ich komme in die Mitte, Mate nach vorne und sein Kumpel nach hinten. Und ab geht es! Ich brauche nicht mehr machen als mich an Mate festzuhalten und locker mit in die Bewegungen zu gehen. Steuern und Bremsen übernehmen die anderen beiden, die trotz meiner Bedenken keinen steilen Hang oder Schikane auslassen. Ich habe keine andere Wahl als Augen zu und durch! Schnell werden wir natürlich zur Attraktion auf der Piste.
Daisy wagt sich außerdem noch auf Skiern hinters Pferd. Zurück am Stall behält Sie die Skischuhe gleich an und hängt sich mit Mate zusammen hinter die Stute Ruby, die die beiden zuverlässig durch den Tiefschnee zieht. Allerdings schlägt sie manchmal ihre eigene Route ein... Ich bevorzuge da doch lieber die Schlittenfahrt, bei der ich gemütlich sitzen und Fotos machen kann. Ein schöner Abschluss einer perfekten Winter-Reiterreise!
Infos zur Reiterreise: http://www.reiterreisen.com/bossta.htm Bild
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