Costa Verde: Reittrail im wilden Nordportugal

Costa Verde: Reittrail im wilden Nordportugal

Beitragvon admin » 25 Nov 2013, 17:37

Endlich geht es los, nach Nordportugal! Ich bin voller Erwartung und freue mich auf die Natur, Wildpferde- mal sehen, ob wir diese wirklich in freier Wildbahn erleben- und viele neue Eindrücke.
Schon kurz nach 6:00 Uhr früh geht mein Flug nach Porto. Carlos, der Reitführer und Stallbesitzer holt mich persönlich ab. Auf der gut einstündigen Fahrt bekomme ich erste Eindrücke vom mir bislang unbekannten Nordportugal: Alles ist so grün! Im Hintergrund erheben sich die Berge und auf der anderen Seite erhascht man immer wieder einen Blick auf das Meer. Die neu ausgebaute Autobahn schlängelt sich immer weiter gen Norden bis wir in die Berge abbiegen und durch kleinere Ortschaften bis nach Arcos de Valdevez fahren. Kurz dahinter biegen wir in die Einfahrt zu einem typischen Landhaus im portugiesischem Stil. Schöne Zimmer mit Bad und teils Balkon bieten einen freien Blick auf die Berge, die wir bereiten werden. Ein Pool und ein Tennisplatz stehen ebenso zur Verfügung aber das wichtigste: der Stall ist direkt nebenan.
Die Pferde stehen draussen in einer Herde und lassen es sich hier gut gehen. Carlos stellt sie mir einzeln vor, er kennt alle genau und teilt sie den Reitkünsten entsprechend zu. Ich kann es gar nicht erwarten morgen die Tour zu starten. Beim Abendessen wird der Trail besprochen, natürlich bei portugiesischer Küche. Diese ist lecker und immer mehrgängig. Schon in den nächsten Tagen werde ich Fan von Caldo Verde (einer Suppe aus der Region) und vor allem vom portugiesischen Tiramisu! Ein wahres Gedicht.
Heute geht es endlich los: Ich bekomme Negrita eine wunderschöne Rappstute, die mir auf Anhieb gefällt. Ein Stück durch den Ort dann biegen wir in die Berge ab. Die trittsicheren Pferde erklimmen diese mühelos und bringen uns in eine grüne und teils felsbesetzte Landschaft. Und plötzlich stehen sie vor uns: eine ganze Herde Wildpferde. Sie beäugen uns skeptisch, vor allem der Hengst, der seine Herde beschützen möchte. Als er sieht, dass wir weiterreiten, widmet er sich seiner Herde.
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Wir treffen noch auf Cacheños, freilebende Kühe, bevor wir mittags in ein uriges Lokal zum Essen einkehren (vorher füttern wir natürlich erst die Pferde). Da heute Sonntag ist, sind riesige Tafeln für die Einwohner des ganzen Dorfes gedeckt, die hier alle gemeinsam essen. Touristen sind hier eine Seltenheit, aber durch Carlos entsteht schnell Kontakt. Eine Reittour zu Pferd ist für die meisten nicht vorstellbar. Fast alle besitzen mindestens ein Pferd, welches allerdings höchstens einmal im Jahr geritten wird. Nach dem netten Plausch geht es zum Eingang des Nationalparks Peneda Gerẽs, wo Wölfe eine Heimat finden. Nach einem Kaffeestopp reiten wir ein letztes kurzes Stück zu einer Weide, wo die Pferde übernachten. Wir versorgen sie und fahren zurück zur Unterkunft. Abends essen wir in einem kleinen Lokal im Nationalpark, so können wir den Pferden gute Nacht sagen, bevor wir zur Unterkunft zurückfahren.
Nach einem leckeren Frühstück, ich habe das Gefühl viel zu viel zu essen, es ist aber auch wahrlich köstlich, geht es zu den Pferden. Während diese frühstücken werden wir zu einem Kaffee bei Einheimischen eingeladen. Carlos` Kontakte und sein Wissen über Flora und Fauna sind unerschöpflich.
Heute geht es auf die Bergkuppen des Nationalparks. Bäume, ein idyllischer
Flusslauf und wunderbare kleine Wege führen uns in unberührte Natur.
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Ausser mehreren Wildpferdeherden und Kühen treffen wir niemanden und der Blick dort oben ist fantastisch. Die Lunchpause mit Satteltaschen-Picknick schmeckt hier gleich doppelt gut! Bergziegengleich schlängeln die Pferde sich schmale Wege auf und ab. Und immer wieder bin ich von dieser grünen und abwechslungsreichen Natur verblüfft: anfangs durch Wald, später oben auf den Bergen und immer grün.
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Dieser heutige längere Ritt endet in einem kleinen Stall, wo wir die Pferde über Nacht lassen. Im Anschluss an das Abendessen geniessen wir ein Feuer im Kamin des Wohnzimmers und entspannen.
Die Sonne begrüßt uns mit einem Lächeln und so fahren wir zu den Pferden. Der erste Teil des Rittes führt uns nach und nach den Berg wieder hinunter zu einem fantastischen Lunchlokal. Idyllisch an einem Flusslauf gelegen, geniessen wir eine längere Siesta nach dem Essen. Und auch Kicker und Billiard werden gespielt bevor uns der zweite Teil durch den Ort führt: Mitten durch die Altstadt ist ein Erlebnis der besonderen Art und wird mit Staunen und Bewunderung der Bewohner gewürdigt. Die Pferde lassen sich durch gar nichts aus der Ruhe bringen, einfach traumhaft! Immer wieder winken Kinder und bestaunen die Pferde, kein alltäglicher Anblick in dem kleinen beschaulichen Valdevez. Zurück auf der Finca ist das Gewieher groß, als die Herde uns begrüßt. Abends treffen zwei weitere Gäste aus Russland ein und wie könnte man Gäste besser willkommen heißen als mit einem typisch portugiesischen Abendessen: Appetizer wie geräucherter Schinken und Oliven, Suppe, Seafoodplatte und Salat sind nur einige der Köstlichkeiten dieses Abends. Dazu wird portugiesischer Wein serviert. Ein kleiner Altstadtspaziergang führt uns zu einem urigen Kellergewölbe, wo wir nicht nur richtigen roten Portwein probieren, sondern von den Besitzern auch die legendären Geschichten aus der Region zu hören bekommen. Welch ein Tag!
Nach einem leckeren Frühstück starten wir gestärkt den zweiten Teil unseres Trails: In Richtung des Waldgebietes Corno de Bico. Dieses liegt auf der entgegengesetzten Seite des Nationalparks Peneda Gerẽs aber erneut beginnt der Ritt mit dem Anstieg in die Berge. Die Pferde sind gut trainiert und schreiten flott hinauf. Hier ist die Landschaft wieder anders: sandige Wege führen durch Waldgebiet dazwischen Täler mit urigen, kleinen Ortschaften. In einer kehren wir zum Mittag ein. Wir speisen draussen, die Sonne lacht und schnell spricht sich rum, dass „Leute zu Pferd“ vor Ort sind. Nach dem Essen haben wir nahezu alle Dorfbewohner kennengelernt und nach einer kleinen Siesta geht es wieder in Waldgebiete auf Anhöhen, wo es sich wunderbar galoppieren lässt. Negrita scheint das richtig zu geniessen und ist mir ein verlässlicher Partner geworden.
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Nach diesem herrlichen Ritt erreichen wir unsere zweite Unterkunft: ein portugiesisches Landhaus, das mit Liebe zum Detail besticht. Charmante Zimmer mit eigenem Bad, ein grosser Aufenthaltsraum mit Kamin und auch ein Pool laden zum Verweilen ein. Die Pferde übernachten auf einer anliegenden Weide. Gegen 20:00 Uhr stehen wir frisch und hungrig am Auto und fahren in eine nahegelegene Ortschaft. So stelle ich mir ein portugiesisches Restaurant vor: Steinmauern mit Gewölbecharakter, eine kleine Bar und lange, gedeckte Tische. Auch hier geht es nicht unter drei Gängen dazu exzellenter Wein und mein Lieblingsgericht: portugiesisches Tiramisu! Am Nachbartisch findet ein Treffen unter Freunden statt mit Spielen und Entertainement. Wir werden direkt integriert und erleben die Abendgestaltung der Einwohner.
Nach einem grandiosen Frühstück holen wir die Pferde von der Weide und reiten in die Berge des „Corne de Bico“. Ein längerer Ritt oben auf einem Bergkamm beschert uns wunderschöne Ausblicke auf die Umgebung. Auch hier begegnen wir nur einigen Kühen und Wildpferden.
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An einem Aussichtspunkt geniessen wir das Satteltaschen-Picknick, bevor es durch Wald und wieder hinab zur Unterkunft geht. Die Pferde entlassen wir glücklich auf die Weide und geniessen Freizeit bis es am Abend in das Restaurants des Vortages geht. Das hatten sich alle gewünscht aufgrund des leckeren Essens und der unglaublich sympathischen Gastfreundschaft der Portugiesen.
Nach einem wiederum grandiosen Frühstück satteln wir die Pferde ein letztes Mal. Heute steht ein längerer Ritt an. Hinauf in die Berge mit wunderschönen Panoramablicken. Einige flotte Galoppaden später erreichen wir, erneut in dem winzigen Örtchen, unser Mittaglokal. Diesmal werden wir vom Bürgermeister persönlich begrüßt, der hier regelmässig zum Kaffee und Plausch vorbeischaut. Die Sonne lacht uns an, so reiten wir weiter durch Ortschaften und Wald bis hinab zur Finca. Die Pferde werden, wie gehabt, von der restlichen Herde begrüßt und geniessen ihre wohlverdiente Pause. Danke Negrita, du warst ein verlässlicher Partner auf dieser wunderbaren Tour! Beim letzten Abendessen werden die Erlebnisse und Eindrücke der letzten Tage bei einem Glas Wein ausgetauscht. Begeistert wird bis spät in die Nacht geredet.
Sehr früh am nächsten Morgen heißt es für mich Abschied nehmen und ab zum Flughafen. Die Fahrt dorthin ist wie eine kleine Reise zurück in die städtische Zivilisation: Anfangs grün und unberührt dann durch mehr und mehr Orte bis zur Autobahn und nach Porto. Im Flugzeug denke ich, was ich für einen tollen Trail ich erleben durfte: sagenhafte Natur, touristisch nicht erschlossene Gebiete, Gastfreundschaft, ein sehr kundiger und lustiger Reitführer und natürlich die wunderbaren ebenso gelassenen wie trittsicheren Pferde.
Fazit: Portugal ich komme wieder!
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