Gobi Ritt in der Mongolei

Gobi Ritt in der Mongolei

Beitragvon admin » 07 Jul 2017, 10:48

Gobi Ritt in der Mongolei

Endlose Weite, menschenleere Steppe, zurück zu den Wurzeln

Unser Ziel für diese Reise war die Mongolei. Wir wollten etwas Neues, Spannendes kennenlernen und in die Weite der mongolischen Steppe eintauchen. Wir brachen am Pfingstmontag auf und kamen mit Umstieg in Peking gut in Ulan Bator an. Die Organisation des Transfers lief reibungslos und wir erreichten am frühen Morgen müde und erschöpft unser Hotel. Ein Begrüssungsschreiben erwartete uns dort bereits – wir wurden zum gemeinsamen Abendessen eingeladen, bei dem wir unsere Mitreiter kennenlernen durften. Da bis dahin noch etwas Zeit war, gingen wir in die Stadt, assen eine Kleinigkeit und machten uns mit der Grösse und des Lärmes der Stadt vertraut. Knapp die Hälfte der mongolischen Landbevölkerung lebt in der Hauptstadt, kaum vorstellbar, denn die Mongolei hat insgesamt nur knapp 3 Millionen Einwohner und ist fast 8 mal so gross wie Deutschland! Wirklich beeindruckend. Hier kann man Kaschmir und Souvenire kaufen, gut essen gehen und durch die zahlreichen Läden schlendern.

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Wir freuten uns aber auch bereits auf unsere Tour mit den Pferden durch die Steppe! Abends wurden wir pünktlich von unserem Guide abgeholt und brachen zu unserem ersten gemeinsamen Abendessen auf. Unsere Gruppe war klein, bunt durchmischt und sehr freundlich – ein Schwede, eine Finnin, eine Italienerin und wir beiden Deutschen. Unser Guide stellte sich vor und erklärte die wichtigen Dinge für die nächsten Tage. Nach einem gemütlichen Abendessen ging es dann zurück ins Hotel. Wir wollten früh ins Bett, um den Jetlag gut zu überstehen. Am nächsten Morgen erwartete uns ein liebevoll zubereitetes Buffet im Hotel, bevor wir unsere Sachen packten und uns auf die Fahrt in die Steppe freuten. Auf dem Weg fuhren wir zum Gandan Kloster. Die Farbvielfalt und die grosse Anzahl an Gebetsmühlen waren beeindruckend. Wir hatten das Glück, dem morgendlichen Mönchsgesang beizuwohnen und einen kleinen Gottesdienst mitzuerleben. Draussen tummelten sich Mongolen, die beteten oder die Gebetsmühlen zum Schwingen brachten.

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Diese werden immer im Uhrzeigersinn gedreht, um Körper und Geist in Einklang zu bringen. In den Gebetsmühlen befinden sich Rollen mit Gebeten, die durch die Drehungen wirksam werden sollen.

Zurück in unserem kleinen Bus machten wir uns auf die längere Fahrt in die Steppe. Wir hielten zwischendurch für einen kleinen Snack an. Wir fuhren vorbei an vielen Viehherden sowie einer grossen Zahl von Pferden. Nach ca. vier Stunden Fahrt erreichten wir unser Ziel: unser erstes Camp. Wir versuchten mitanzupacken und bald schon standen unsere mannshohen Zelte schwedischer Herkunft. Sie waren recht gross mit Platz für 1-2 Personen und wir hatten den Komfort eines Feldbettes mit Auflage und Decke.

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Kurze Zeit später ging es auf einen kürzeren ersten Ritt zum Wasserloch, um die Pferde zu tränken. Jedem wurde ein Pferd zugeteilt und wir starteten unseren ersten Ritt. Wir sollten vorsichtig sein, es war die erste Tour dieses Jahres und die Pferde waren noch frisch, munter und kaum an menschliche Berührungen gewöhnt. Mir wurde ein kleiner Fuchs zugeteilt, den ich während der Tour immer mehr zu schätzen lernte. Er war vorwärtsgehend, absolut händelbar, willensstark und im Laufe der Tage auch durchaus aufgeschlossen für Streicheleinheiten. Die Pferde in der Mongolei leben ein freies, unabhängiges Leben. Sie kennen keinen Hufschmied, keinen Tierarzt und keine westlichen Verhätschlungen wie Kraft- und Mineralfutter, Decken und Boxen im Winter. Sie leben vom mageren Gras, das in der Steppe wächst, erhalten 1-2 Mal am Tag Wasser und leben ansonsten ein echtes Pferdeleben.

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Ein gewöhnliches Pferd einzureiten dauert hier in der Steppe ca. 30 Minuten, dann ist es an Sattel, Trense und Reiter fürs Erste gewöhnt. Eine in unseren Augen etwas raue Art, jedoch gleichzeitig sehr naturnah. In der Steppe überleben nur die Stärksten– und mongolische Winter sind hart! Dennoch sind unsere Pferde bereits gut genährt, fit und munter und machen alles andere als einen unzufriedenen Eindruck. Unser erster Ritt sollte angeblich ein Schrittausritt werden, aber schon nach wenigen Minuten wurde der erste Trab und kurze Zeit später der erste Galopp angesetzt. Ein Pferd lernt man schliesslich am Besten in allen drei Grundgangarten kennen. Beim gemeinsamen Abendessen, das immer aus vier Gängen bestand, lernte sich die Gruppe kennen und es ging meist lustig und ausgelassen zu. In den folgenden Tagen ritten wir hinaus in die Steppe.

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Kaum ein Büschel Gras, Weite wohin das Auge reichte, ab und an ein kleiner Berg – ansonsten beinahe menschenleer. Wir begegneten immer wieder Schaf- oder Ziegenherden, ab und an ein dazugehöriger Hirte, aber das waren auch die einzigen Lebewesen, denen wir auf unseren Ritten begegneten. Ab und an sahen wir wilde Schafe und Gazellen und konnten sogar Murmeltiere ausmachen. Mäuse und kleine Erdhörnchen wuselten immer wieder auf dem Weg von der einen zur anderen Seite.

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Morgens wurde ca. 4 Stunden geritten, nach dem Mittagessen noch einmal 3-4 Stunden. Wir genossen flotte und lange Galoppaden und unsere Pferde gingen immer freudig vorwärts. Nie musste ich mein Pferd bitten, mit der Gruppe mitzuhalten. Sie waren alle ausdauernd und gehfreudig. Bei den Ritten genossen wir die Stille und Wind, der uns immer wieder überraschte und für eine willkommene Abkühlung sorgte. Er brauste mal leiser, mal lauter abends und nachts an und durch unsere Zelte und wehte auf unseren Ritten. Besonders stark war der Wind an einem ausgetrockneten Salzsee, den wir besuchten. Nichts war dort mehr zu hören ausser das Pfeifen des Windes.

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Wir waren dankbar, denn in der Steppe findet man kaum Schatten und der Wind bot ein bisschen Kühle. Unsere Crew versorgte uns bestens mit leckeren Speisen – morgens mit Würstchen, Käse, Toast, mongolischen Pfannkuchen und frischen Eiern. Mittags gab es Fleisch mit Reis oder Buchweizen und abends erwartete uns ein 4-Gänge Menü mit Salat, Suppe, Hauptspeise und Nachspeise. Immer war alles frisch zubereitet und wir staunten, was unsere Köchin und ihre Assistentin in ihrer recht kleinen Jurte für Köstlichkeiten zubereiten konnten. Wir wechselten nach Absprache nicht jede Nacht das Camp, sodass uns das Packen ab und an erspart blieb. Eine komfortable Dusche (mal heiss, mal kalt) stand uns so gut wie jeden Abend zu Verfügung. Und jeder freute sich abends den Staub und Schmutz abzuwaschen und frisch und abgekühlt zum Abendessen zu erscheinen.

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An einem Nachmittag beschlossen wir auf den heiligen Berg zu klettern. Bis die ganze Gruppe ankam, ging es eine Weile – war der Anstieg doch recht steil und steinig. Die Aussicht war dafür aber überwältigend. Natur pur wohin das Auge reichte! Und keine einzige Menschenseele ausser unser Camp am Ende des Tals.

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Unser Guide Zaya übersetzte vieles für uns und gab sich redlich Mühe, zwischen den Guides, der Crew und uns zu dolmetschen. Waren die mongolischen Jungen, die beim Auf- und Abbau mithalfen und sich um die Pferde kümmerten am Anfang recht schweigsam und schüchtern, so wurden sie im Laufe der Zeit offener. Wir stellten Fragen, sie interessierten sich für unser westliches Leben. Wir lernten besonders den Humor und die Witze unseres Guides Otka sehr zu schätzen, der uns immer wieder zum Lachen brachte. Die ganze Gruppe war entspannt, genoss die Stille und Ruhe der mongolischen Steppe und wir alle liebten die flotten, langen Galoppaden mit unseren Pferden. Abends wurden die Pferde mit Fussfesseln versehen, damit sie grasen und in kleinen Schritten laufen konnten, sich jedoch nicht zu weit vom Camp entfernten. Morgens ritt einer der Guides in flottem Tempo vom Camp weg und sammelte unsere Pferde wieder ein. Keines ging auf der Tour verloren. Der komplette Abbau unserer Zelte und der sehr robusten Jurten (Aufenthalts/Essgelegenheit und „Küche“) nahm morgens meist gute zwei Stunden in Anspruch, bis alles abgebaut und auf die Kamelkarren verladen war. Das Lied „Und die Karawane zieht weiter…“ kam einem fast jeden Morgen wieder in den Sinn. Die Kamelkarawane schritt geradlinig von einem Camp zum anderen, während wir in einem grossen Bogen während unseres Tagesrittes die Landschaft genossen.

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An unserem letzten gemeinsamen Abend im Zelt baten wir um eine kleine mongolische Vorstellung. Wir durften uns in Schale werfen und die traditionellen mongolischen Gewänder anprobieren und uns mit dem mongolischen Sattel vertraut machen. An die kurzen Steigbügel und die kurzen, hohen Sättel musste man sich erst gewöhnen. Es machte aber wirklich Spass und jeder hatte etwas zu lachen.

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Die Jungs zeigten an einem Abend eine kleine Ringvorführung, bei der der Verlierer den Abwasch übernehmen musste. An einem anderen Abend zeigten uns zwei der Guides, wie man in gestrecktem Galopp einen Stab vom Boden aufhob. In einer Welt ohne TV und Internet weiss man noch die Natur zu schätzen und beschäftigt sich mit den Dingen, die man in der rauen Steppe lernt. Viehherden hüten, Wasserquellen suchen, Tiere schlachten, ausnehmen, zubereiten sowie weitere Lebensmittel herstellen. Früh lernen die Kinder zu reiten – bei mongolischen Rennen starten die Kinder meist schon mit 4-5 Jahren. Es werden auch naturnahe Spiele erfunden, für die man nicht viel braucht: Wir lernten durch unseren Guide Spiele mit „Ankle bones“ – kleine Schafsknöchelchen mit unterschiedlichen Symbolen - kennen: Pferd, Kamel, Schaf und Ziege. Durch Werfen und Schnipsen kann ein Gewinner, der die meisten Knöchelchen einsammelt ermittelt werden, oder durch ein „Pferderennen“. Das Leben in der Steppe ist einfach, aber durchaus erfüllend. Man lebt hier mit dem, was man hat, und wer viele Tiere besitzt, der ist in der Mongolei ein reicher, angesehener Mann. Kaum vorstellbar für die westliche Zivilisation mit Prestigeobjekten wie Haus oder Auto.
Eines Abends durften wir einen aufkommenden Sandsturm sehen. Es wurde langsam dunkel und wir sahen die Sandwolke langsam und beständig auf uns zukommen. Ein etwas beklemmendes und beunruhigendes Gefühl. Wir schnürten unsere Sachen zusammen und warteten ab – Gelassenheit ist eines der Dinge, die man in der Mongolei lernt. Man sieht seinem Schicksal entgegen und harrt der Dinge, die da kommen. Wir wurden verschont, der Sandsturm zog an uns vorbei. Es war an unserem letzten Abend in den Zelten und unsere ganze Crew hatte ein richtiges Festessen für uns vorbereitet mit frisch zubereitetem Fleisch, vielen Salaten und einer leckeren Torte zum Schluss. Wir sassen alle zusammen und genossen einen herrlichen, lustigen Abend!
Am nächsten Morgen brachen wir auf und fanden uns bald in den Dünen wieder. Sand, soweit das Auge reichte. Eine herrliche Landschaft. Wir kletterten Sanddünen hinauf, ritten auf der geraden Linie und trabten über den tiefen Sand. Anstrengend für die Pferde, aber sie zeigten keine Müdigkeit oder Erschöpfung. Fast den ganzen Tag ritten wir durch die Dünen, ein wahrhaft tolles Erlebnis! Während der Mittagspause sassen im Schatten, mit direktem Blick auf einen Bussard. Nicht weit weg davon warteten zwei kleine Bussardkinder im Nest auf ihre Mutter und blickten uns von oben herab neugierig an.

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Die letzten zwei Nächte verbrachten wir im festen Jurten Camp „Arbud Sands“ – in grossen Jurten mit schönem Restaurant und zwei Jurten zum Duschen. Wir unternahmen von dort aus einen längeren Ausritt in die nähere Umgebung und genossen noch einmal wunderschöne, lange Galoppaden. Am späten Morgen waren bei einer nomadischen Familie zu Besuch. Wir wurden eingeladen, konnten Fragen stellen und bekamen frische Milch und kleines Käsegebäck serviert. Wir wollten gerne einmal das mongolische Nationalgetränk (Airag – vergorene Stutenmilch) probieren, wurde uns doch schon so oft davon berichtet. Wir kamen allerdings 1-2 Wochen zu früh, Airag wurde erst nach unserem Abflug hergestellt. Die mongolische Gastfreundlichkeit hat uns sehr beeindruckt. Wir waren willkommen und man zeigte uns gleich die angrenzende Pferdeherde und die Arbeit mit den Pferden. Seit März ist die Nomadenfamilie bereits acht Mal umgezogen, das heisst fast alle zwei Wochen. Dabei wird alles komplett ab- und wieder aufgebaut und neu eingerichtet und die Viehherden ziehen mit ihren Besitzern weiter. Am frühen Abend wurde für uns ein Schaf geschlachtet. Unser Guide wollte uns die mongolische Schlachtweise zeigen. Obwohl es brutal anzusehen war, ging es schnell und ohne grosses Leiden. Danach wurde das Fell abgezogen und die Innereien ausgenommen. Alles wird in der Mongolei verwertet und zubereitet.

Am Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg nach Arbud Sands und mussten uns von unseren treuen Wegbegleitern verabschieden. Wir schauten den Pferden hinterher und nach einem ausgiebigen Wälzen, liefen sie von dannen. Sie hatten ihre Freiheit wieder! Wir dagegen brachen auf, zurück in die Zivilisation. Wir verabschiedeten uns von der ganzen Crew und stiegen in den Bus ein. Nach einigen Stunden im ruhigen Bus (jeder hing seinen Gedanken nach), erreichten wir Ulan Bator und brachen gemeinsam zu einer kleinen Shoppingtour auf. Abends war traditioneller Gesang und Tanz angesagt. Es war sehr touristisch mit vielen Menschen, was ein besonderer Schock nach der Ruhe und der Stille der letzten Tage war. Allerdings waren die unterschiedlichen Vorführungen wie Akrobatik, traditioneller Tanz, „throat singing“ und die vielen bunten Kostüme und Masken sehr interessant und abwechslungsreich. Danach trafen wir uns zu einem letzten gemeinsamen Abendessen, bevor wir uns abends voneinander verabschiedeten. Wir alle traten den Heimweg in unterschiedliche Richtungen an und waren traurig, diese tolle Gruppe und unseren tollen Guide Zaya und die wunderbaren Pferde und die beeindruckende Landschaft hinter uns lassen zu müssen. Wir kommen wieder!

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Juni 2017, Angelika Kaiser
Alle Informationen zum Programm unter http://www.reiterreisen.com/mgs012.htm
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