Island - ein Naturerlebnis der besonderen Art!

Island - ein Naturerlebnis der besonderen Art!

Beitragvon admin » 25 Nov 2013, 17:00

Endlich geht es los, wochenlange Planung und Vorbereitung haben die Vorfreude stetig ansteigen lassen. Der Flieger bringt uns sicher nach Keflavik, wo alle internationalen Flüge ankommen. Bevor es in einer Woche auf Reittour geht, steht eine individuell geplante Mietwagenrundfahrt mit meiner Freundin auf dem Programm. Schnell den Wagen abgeholt und das Gepäck verstaut und schon tauchen wir ein in diese aussergewöhnliche und faszinierende Natur. Gletscher, Vulkane und deren Krater, Meer, Geysire, unendlich viele Wasserfälle und eine unglaubliche Weite erwartet uns auf dieser Insel der Gegensätze. Die Fahrt nach Reykjavik dauert ca. 45 min. und ist auch mit dem Flybus unkompliziert.
Die erste Nacht in Reykjavik ist gut überstanden und nach einem Frühstück geht es auf einen kurzen Stadtrundgang. Diese nördliche Hauptstadt ist einzigartig und bietet eine Vielzahl an Sehenswertem, Ausstellungen und Ausflugsmöglichkeiten. Das Wahrzeichen ist wohl die Hallgrímskirkja mit dem Leifur-Eiríksson-Denkmal im Vordergrund.
In acht Tagen umrunden wir Island auf der gut ausgebauten Ringstrasse: Reykjavik, der Golden Circle mit Þingvellir, Geysiren und dem Wasserfall Gulfoss, am Gletscher Vatnajökull mit seinen faszinierenden Gletscherseen vorbei zu den Ostfjorden. Die Landschaft wechselt ständig (das Wetter kann dies ebenso schnell). Über eine Kuppe und plötzlich sieht wieder alles anders aus!
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Die Route führt uns gen Norden in das Gebiet Mývatn: ein wunderbares Naturgebiet mit Islands viertgrößtem See, Lavaformationen, Vulkankratern früherer Zeiten und dampfenden Schwefelquellen bis nach Húsavík. Diese kleine Hafenstadt eignet sich perfekt, um auf Walbeobachtungstour stilecht auf einem Boot zu gehen. Und was für ein Glück - direkt am Anfang bekommen wir eines der seltensten Tiere zu sehen: einen Blauwal! Später nutzen Weissschnauzdelphine unsere Bugwelle und mehrere Buckelwale grüssen uns auf unserem Weg. Welch ein Erlebnis!
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Über Akureyri und die westlich gelegene Halbinsel Snæfellsnes geht es zurück nach Reykjavik.
Nur ungern verlässt meine Freundin die Insel, während ich von einem Mitarbeiter des Reiterhofes abgeholt werde. Jetzt geht es endlich los auf die Hochlandtour über den Sprengisandur, die Reittour mit den längsten Etappen.
Direkt im Bus lerne ich einen Grossteil der Gruppe kennen und schon die ca. 1-stündige Fahrt macht Spaß. Die Zimmer werden bezogen bevor das Abendessen lockt und die anschliessende Besprechung der Tour. Eine kleine Vorstellungsrunde mit jeweiliger Reiterfahrung bringt uns unsere Mitreiter für die kommenden acht Tage näher. Sehr international aufgeteilt mit einer französischen Mutter und ihren beiden Töchtern, 2 Dänen, einem englischen Ehepaar, 2 Schwestern aus Norwegen, zwei Schwedinnen, einer Deutschen, einer in der Schweiz lebenden Österreicherin und mir. Begleitet werden wir von Nonni, einen der Chefs und seine Frau. Anna, eine Mitarbeiterin, ist bei den Pferden behilflich, ein Freund der Familie kommt mitsamt sieben Pferden dazu und noch ein befreundetes Ehepaar. Er fährt den Gepäck- und Verpflegungswagen und sie zaubert uns unglaubliche Speisen auf 4-Sterne-Niveau!
Aufgeregt wird bis spät geredet, bevor es am nächsten Tag endlich losgeht. Da der Inlandsflug, der uns in den Norden führt, erst gegen Mittag startet haben wir Zeit für ein ausgiebiges Frühstück auf isländisch (Toast, Marmeladen, Kaffee, Obst, etc.).
Auf dem Weg zum Inlandsflughafen mitten in Reykjavik bekommen wir nagelneue orangene Wetteroveralls ausgehändigt, die uns bei Bedarf vor Regen und Kälte schützen sollen. Diese werden hinterm Sattel befestigt. Die Tour findet nur 2x jährlich statt: die erste führt von der Basis nach Norden mit Rückflug, wir hingegen fliegen nach Norden und reiten zurück. Nach 40min. erreichen wir Akureyri und bekommen noch am Flughafen (der kleinste, den ich je gesehen habe) ein warmes Mittagessen. Dann folgen noch 2 Std. Transfer mit dem Minibus bis tief ins Inland, wo keine Zivilisation mehr sichtbar ist. Dafür erwarten uns 72 Islandpferde, die sich mehrere Tage seit dem Ritt gen Norden stärken konnten. Nur die Härtesten und Stärksten sucht Nonni für diese Tour aus.
Die heutige Reitetappe führt uns durch unebenes Gelände und ist mit ca. 40 km eine der kürzeren dafür jedoch mit den steilsten Passagen. Gegen 16:00 Uhr reiten wir endlich los. Das Prinzip: Jeder Reiter wechselt bis zu 5 x täglich das Pferd, die Frontreiter bleiben vorne, geben die Richtung vor und lassen die Herde nicht vorbeiziehen. Die „Backriders“ folgen mit etwas Abstand hinter den letzten Tieren der 54 freilaufenden Isis. Alle Stunde ca. wird eine kurze Pause eingelegt, bei der die Pferde grasen dürfen und die Reiter sich kurz die Füße vertreten. Nach und nach werden Pferde getauscht. Für die ein wenig längere Mittagspause werden die Pferde eingezäunt: Ein Teil der Reiter bildet die Pfosten und hält das umzäunende Seil.
Im flotten Tölt erreichen wir kurz vor Mitternacht unsere Unterkunft inmitten der Natur. Die Pferde werden versorgt, leckere, warme Suppe wird serviert und ich lasse es mir nicht nehmen in den Hot Pot zu springen. Warmes Wasser mit Blick auf die friedlich grasende Herde, welch eine Idylle!
Der heutige Tag führt uns ca. 50 km über die Hochlandpisten. Wege, die von keinem Fahrzeug genutzt werden, dienen uns als Reitpiste. Die Pferde sind fantastisch: trittsicher, zuverlässig und teils so bequem wie ein Sofa. Jeder hat schnell sein Lieblingspferd bestimmt. Ca. 78.000 reinrassige Pferde gibt es auf Island in allen Farben und Größen und natürlich mit 1-2 Gangarten mehr ausgestattet: dem Tölt und teils mit dem Pass. Fast die komplette Tour tölten wir flott vorwärts und können die Landschaft auf die naheste Weise erleben - fernab von Lärm und Hektik.
Im Sonnenschein erreichen wir nach 8 Std. die Hütten nahe am Fluss. Die Pferde grasen friedlich vor idyllischer Bergkulisse und wir bekommen ein Gänge-Menü serviert.
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An einer langen Tafel wird gemeinsam gegessen und die Erlebnisse des Tages ausgetauscht. Hilfsbereitschaft und Sympathie lässt unsere Gruppe immer mehr zu einem gut funktionierenden Team zusammenwachsen, wozu auch der gemeinsame Singabend bedeutend beiträgt. In allen Sprachen und Stimmlagen verbringen wir so viele lustige Stunden.
Der Donnerstag bringt uns eine der längsten Reitetappen mit gut 60 km und ca. 10 Stunden Weg. Bei vielen lässt der Muskelkater nach und so starten wir früh in unser Tagesabenteuer. Heute ist das Wetter ein wenig wechselhafter, aber wir haben die Ölanzüge, so dass keiner in der Höhe frieren muss.
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Schnell zeigen sich aber auch wieder Sonnenstrahlen und tauchen die Landschaft in sanftes Licht. Über Stock und Stein über das Hochplateau und an einem See vorbei führt uns der Weg bis zu einem schönen Holzhaus. Dieses haben wir komplett für uns alleine und lassen den Abend, nach einem erneut fantastischen Abendmenü - Danke Margret - vor dem Kamin ausklingen.
50 km und 8 ½ Stunden Ritt bringen uns von erst sandigerem und gräulich anmutendem Gelände durch mehrere Flüsse in ein Tal an einem Fluss mit See und grünen Weiden gelegen. Hier kann das Auto auch wieder zur Mittagspause vorbeikommen und so geniessen wir warmen Tee, Wasser, Kaffee, belegte Sandwiches, Kekse und Schoki direkt serviert. Und in freier Natur nach so einem Ritt schmeckt alles doppelt gut!
Heute hatte ich eines meiner absoluten Favoriten unterm Sattel, einfach traumhaft. Im Tölt fühlte ich mich wie im Lieblingssessel und konnte die Natureindrücke noch intensiver wirken lassen.
Wir reiten von der Hochebene in grünere Gefilde. Einige Schrittphasen legen wir wegen der teilweise steinigeren Passagen ein. Die letzten der ca. 42 km folgen wir einem Fluss und queren in einen breiteren Weg zu einer Hütte mit Blick auf den Vulkan Hekla.
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Auch die Pferde wissen genau, dass sie sich den üppigeren Grünflächen näheren und legen ein gutes Tempo vor. Wohlverdient werden Sie nach den 7 ½ Stunden auf eine riesige Weide in die Freiheit entlassen. Ein Snack mit Pfannkuchen und diversen Füllungen dazu Kaffee und heiße Schokolade sind das i-Tüpfelchen für die Reiter. Auf der Terrasse essen wir in der Sonne, ein wahrer Genuss für alle!
Unseren letzten Abend verbringen wir in dieser wunderschönen Hütte mit Terrasse und Blick auf üppiges Grün und den Vulkan. Erneut werden wir kulinarisch am Abend verwöhnt, ein kleines Wunder in diesen winzigen Kochräumen in den Hütten (es wird mir ein Rätsel bleiben wie man so vielfältig mit wenig Material und Platz so gigantische Leckereien zaubern kann). Ein letztes gemeinsames Singen und Plauschen und schon ist leider auch dieser Tag vorbei. Aber die Ankündigung für die Etappe des morgigen Tages lässt weitere Highlights erwarten.
Eines davon ist ein echter isländischer Wald! Aber der Tag startet mit dem Ritt durch grüne Ebenen bis zu einem schönen Wasserfall, wo die erste Pause eingelegt wird. Dann kommt besagter isländischer Wald. Dazu muss man wissen, dass auf dieser Insel meist nur vereinzelte Bäume zu finden sind beeindruckende Wälder gibt es hier kaum. Aber dieser gehört zu Islands grössten und bietet inmitten von Bäumen einen einzigen Weg quer durch. In flottem Tölt reiten die Frontreiter los, die Backriders folgen der Herde. Dies ist nötig, damit die freilaufenden Pferde nicht zwischen den Bäumen verschwinden.. Ausserdem wäre ein Zusammentreffen mit entgegenkommenden Tieren ungünstig. Aber alles läuft problemlos, wie bisher, und wir erreichen eine leichte Erhöhung für die Mittagsrast. Eine letzte Stärkung, bevor es durch einen Fluss auf eine weite grasbewachsene Ebene geht. Die Pferde streben der Heimat entgegen und legen ein sehr schnelles Tempo vor. Ich sitze zum Abschied im Sattel meines erklärten Lieblings und geniesse, wie der „Fahrtwind“ mir ins Gesicht bläst. Viel zu schnell erreichen wir unser Ziel des Tages, die Etappe mit gut 40 km und 4 ½ Stunden kommt mir inzwischen enorm kurz vor. Die Pferde dürfen auf den riesigen Weiden tollen und sich von der Tour erholen quasi Urlaub. Wir bekommen wieder einen köstlichen Nachmittagssnack serviert bevor es per Minibus zur Basis im Süden geht. Nach einer Kaffeepause werden wir nach Reykjavik gebracht. Die meisten Gruppenteilnehmer übernachten dort oder verweilen noch ein wenig in der Hauptstadt.
Nach einer herrlichen Dusche trifft sich die Gruppe ein letztes Mal in einem Restaurant in der Reykjaviker City. Viel zu schnell vergeht die Zeit und ich werde zum BSI gebracht, wo ich mit dem Flybus nach Keflavik zum Flughafen fahre. Richtig wehmütig ist mir zumute, als ich im Bus sitze und die schöne Insel ein letztes Mal an mir vorbeizieht. Mein Nachtflug geht einige Stunden später und dann heisst es Abschied nehmen. Bye bye Island: ich komme ganz sicher wieder!
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