Pushkar Trail in Indien - ein Land voller Überraschungen

Pushkar Trail in Indien - ein Land voller Überraschungen

Beitragvon admin » 08 Feb 2017, 17:32

Indien ist ein Land voller Kontraste. Indien ist laut (zu jeder Tages- und Nachtzeit), chaotisch, bunt und lebendig. Überall wuseln Tausende von Menschen und das Hupen in unterschiedlichen Melodien und Lautstärken (je nach Größe des Gefährts) wird von dem farbenfrohen Anblick von indischen Frauen in bunten Saris begleitet. Viele streunende Hunde leben friedlich in den Strassen und geniessen ein Schläfchen auf dem Mittelstreifen einer Strasse oder am Rand - sie lassen sich durch nichts beeindrucken. Genauso wenig wie die Kühe, die sowohl in den Städten als auch auf dem Land leben und sich von keinem noch so lauten Gefährt beeindrucken lassen. Natürlich muss auf die heiligen Kühe Rücksicht genommen werden. Jeder Inder weicht vorsichtig aus und bremst beim Anblick einer Kuh, im Gegensatz zu dem sonst sehr rasanten Fahrstil der indischen Fahrer. Die Menschen, denen man in der Metro oder auf der Strasse begegnet sind neugierig, freundlich und hilfsbereit. Nicht selten wird man zu einem gemeinsamen Foto aufgefordert, man ist nach wie vor mit blonden Haaren sowie als Frau mit heller Haut etwas Besonderes. In Indien benötigt man etwas Zeit, Geduld und Gelassenheit, bis man den Kulturschock überwunden hat und sich über die schönen Seiten des Landes freuen kann: Indien bietet eine Vielfalt an abwechslungsreicher Landschaft, verrückte Momente, freundliche, hilfsbereite und gastfreundliche Menschen und ist immer wieder von Neuem für eine Überraschung gut.

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Anfang November landeten wir im warmen Delhi und freuten uns auf erlebnisreiche zwei Wochen in einem völlig anderen Land. Selbst nachts war auf den Strassen noch einiges los und wir erreichten müde und erschöpft unsere Unterkunft. Die ersten zwei Tage waren wir zu zweit unterwegs und erkundeten Delhi mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder der Rikscha, mit denen man gut alle wichtigen Sehenswürdigkeiten erreicht. Eine nette Dame aus Deutschland schloss sich uns am dritten Tag unserer Reise an und wir erlebten ereignisreiche Tage in Agra und Jaipur. Aufgrund der plötzlichen Entscheidung der indischen Regierung, die 500 und 1000er Scheine von einem auf den anderen Tagen aus dem Verkehr zu ziehen, waren unsere Möglichkeiten an Geld zu kommen, sehr erschwert. Wir genossen dennoch unsere Tage und dank unseres Fahrers, den wir den Tag über hatten, war es gemütlich und angenehm, Sehenswürdigkeiten zu besuchen und von dem einen zum anderen Ort zu kommen. Abends assen wir meist in Restaurants und waren mit dem Essen sehr zufrieden. In Jaipur lernten wir am letzten Morgen unserer kleinen Tour unseren Mitreiter Uli kennen, der uns im Laufe der nächsten Tage mit einigen Geschichten seiner bisherigen Reiterreisen unterhielt. Wir fuhren gemeinsam nach Pushkar, wo unsere erste Tour endete und uns Ute, unsere Gastgeberin, und das ganze Team herzlich willkommen hiess. Hier startete unser Pushkar Trail und wir waren schon gespannt auf unsere Pferde. Das Zeltcamp war komfortabel mit Feldbetten eingerichtet und jeder hatte die Möglichkeit, eine warme Dusche zu geniessen (das Wasser wurde in einem grossen Kessel erwärmt und stand in grossen Eimern zum Duschen zur Verfügung). Der erste Teil des Pushkar Trails ging von Udaipur nach Pushkar, unsere Tour verlief in die andere Richtung. Am ersten und zweiten Tag hatten wir Zeit, uns in Ruhe die Pushkar Fair anzusehen - ein absolutes Erlebnis! Es tummelten sich unheimlich viele Menschen, überall gab es Kamele und Pferde zu verkaufen, sowie alles was dazugehört. Dinge für den Haushalt, Souvenirs, Obst und Gemüse, Reitsachen - hier konnte man alles kaufen und wer noch nicht genug hatte, konnte am Abend eines der schön beleuchteten Fahrgeschäfte nutzen. Für jeden war hier etwas dabei!
Am Nachmittag waren zwei weitere Damen aus Bayern angereist, die mit uns auf Tour gingen. So waren wir zu sechst, wobei eine Dame uns als Nichtreiterin begleitete. Abends genossen wir unser erstes, frisch gekochtes Abendessen und unterhielten uns am Lagerfeuer. In gemütlicher Runde besprachen wir die Pferdeeinteilung und gingen anschliessend mit einer warmen Wärmflasche ins Bett, begleitet von den Klängen eines Konzerts der Pushkar Fair. Tagsüber war es immer warm und in der Sonne schnell heiss, abends wurde es jedoch nach Sonnenuntergang rasch kühl und die Freude über die Wärmflasche war gross. Am nächsten Morgen wurden wir mit Chai, Tee, Toast und frischem Omelett oder Rührei gestärkt, bevor wir anschliessend zu unserem Reitabenteuer aufbrachen. Jeder bekam sein Pferd zugeteilt und ich durfte die Reittour über Schantri, eine tolle, vorwärtsgehende Stute reiten. Bei allen Pferden handelte es sich um Stuten und um die berühmten Marwaripferde, die durch Ihre Ohren mit typischer Sichelform bekannt sind. Diese Rasse wurde ursprünglich von den Rajputen als Kriegspferde gezüchtet und zeichnet sich durch einen edlen Charakter, Widerstandsfähigkeit und Fleiss aus. Ute und ihr Mann, ein deutsch-indisches Ehepaar, versorgen die Pferde bei sich zu Hause auf der Farm und insbesondere Ute hat zu jedem Pferd viele Geschichten zu erzählen. Ute kennt ihre Pferde sehr gut, hat einige persönlich ausgebildet und teilte jedem von uns ein passendes Pferd zu. Wir ritten morgens durch die Pushkar Fair hindurch und genossen das frühe, geschäftige Treiben vom Pferderücken aus. Selbst um die morgendliche Uhrzeit war bereits einiges los.

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Unsere Pferde waren tiefenentspannt und liessen sich weder von lautem Hupen noch von anderen Geräuschen, Gerüchen oder Eindrücken verunsichern. Einzig ein Mann mit einer Handvoll rosa Zuckerwatte beeindruckte mein Pferd ein bisschen und ermunterte sie dazu, die Ohren auf die Seite des Zuckerwattenmannes zu spitzen und einen Meter Abstand zwischen sich und der Zuckerwatte zu bringen. Ansonsten konnte man die Pferde durch kaum etwas beeindrucken oder erschrecken. Kaum hatten wir die Fair verlassen, genossen wir die Stille. Wir ritten an einem See vorbei mit Blick auf die Berge und der eine oder andere Sandweg lud zum Traben und Galoppieren ein. Immer wieder begegneten uns Kühe oder Ziegenherden. Im Laufe des Nachmittags ritten wir entlang einiger felsiger Wege durch bergiges Gebiet. Wir hatten sogar das Glück hin und wieder Kraniche und andere bunte Vogelarten, deren Namen Ute uns nannte, zu sehen. Wir waren am späten Nachmittag jedoch auch froh, als wir unser Zeltlager erreichten, an dem bereits eine warme Dusche und ein paar Leckereien (Früchte, Nüsse...) auf uns warteten. Am Abend assen wir dann am Lagerfeuer und freuten uns über das frische Gemüse und den Reis. Davor gab es immer eine leckere Suppe und danach ein köstliches, süsses Dessert.

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Die nächsten Tage waren etwas ruhiger. Wir ritten durch kleine Dörfer, vorbei an winkenden Frauen und Kindern, die uns stets zulächelten und mit "Namaste" oder "Ramram" begrüssten. Für manche von ihnen war es die erste Begegnung mit Pferden und so kamen die Kinder und auch viele Erwachsene bereits aus ihren Häusern gerannt, als sie uns sahen - wahrscheinlich waren wir oft die spannendste Begegnung, die ihr Alltag mit sich brachte. Viele Kinder begleiteten uns immer wieder bis hinaus auf die Felder. Sie freuten sich und winkten, wenn sie uns sahen. Auf den Feldern arbeiteten viele Frauen und hüteten ihre Ziegen- und Büffelherden. Obwohl die Büffel gross und kräftig waren, flüchteten sie bei unserem Anblick und gerieten nicht selten in Panik, wenn nur wenig Platz blieb, um auszuweichen. Sie kannten keine Pferde und hatten vor den ihnen in Grösse überlegenen Pferden Angst. Einmal hatten wir sogar das Glück aus der Ferne Nilgai Antilopen, die grössten Antilopen Indiens, zu entdecken.

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Die nächsten Tage brachten weiterhin eine grosse landschaftliche Abwechslung. Gerade am Anfang ritten wir über steinig-hügelige Wege mit schöner Aussicht auf die Berge, dann kamen wir an weiten Ebenen vorbei und genossen schliesslich eine savannenähnliche Landschaft, die an Afrika erinnerte. Wenn es das Gelände zuliess, konnten wir uns über den einen oder anderen Galopp freuen. Wie erreichten gegen Ende unserer Tour einige Seen, die wir umrundeten und am letzten Tagen einen langen, flotten Galopp zurücklegten, der uns allen viel Freude bereitete. Unsere Begegnungen in den Dörfern waren immer wieder spannend und überraschend. Kaum ein Fleck in Indien ist einsam und verlassen, überall leben Menschen und selbst auf kleinen Feldwegen kamen uns kleine Motorräder mit teilweise lustigen Ansammlungen von Menschen entgegen. Nicht nur Menschen wurden auf den Motorrädern transportiert: Einmal kamen uns auch zwei lachende Männer entgegen, die drei Ziegen (lebend!) auf dem Motorrad huckepack mit dabei hatten. Ob sich die Ziegen darüber freuten, war nicht erkennbar, jedoch waren sie gesund und munter. Jeder freute sich über unsere Anwesenheit und nicht selten hielten Inder an, um uns zuzuwinken und dann hupend vorbeizufahren. Immer wieder begegneten wir bunt geschmückten Traktoren. Sie waren behangen mit buntem Glitzerschmuck, Schleifen und farbigen Bändern. Wir kamen auch an einigen indischen Hochzeiten in Dörfern vorbei. Hochzeiten werden in Indien gross gefeiert – viele Gäste werden eingeladen, Musik gespielt und lange fröhlich und laut gefeiert. Verfügt man über genug Geld, so leistet man sich ein weisses Pferd – ein Zeichen von Wohlergehen und Luxus.
Die Landschaft und Wege in Indien änderten sich immer wieder rasant in den letzten Jahren – so berichtete uns unsere Gastgeberin Ute. So kamen wir in der Mitte unseres Trails immer wieder unerwartet auf geteerte Wege, auf denen das Reiten weder den Pferden noch den Reitern viel Freude bereitete. Deswegen schlugen Ute und ihr Mann vor, eine Tagesetappe auszulassen und dafür einen Tagesritt am Ende der Tour in der näheren Umgebung Udaipurs zu unternehmen. Wir nahmen den Vorschlag dankend an – freuten wir uns doch die geteerten Wege hinter uns zu lassen und schöne, naturbelassene Landschaft vor uns zu wissen.

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So kamen wir nach einer erlebnisreichen und einem abschliessenden, wunderschönen flotten Galopp entlang eines Sees am Ende der Tour an und wir wurden, nachdem die Pferde verladen waren, zur Farm unserer Gastgeber gebracht. Kurz vor Ankunft machten wir Halt, um die Tempelanlage in Nagda zu besichtigen. Der Sas-Bahu Tempel stammt aus dem 9. Jahrhundert und es sind noch erstaunlich viele Steinschnitzereien erhalten, die man in aller Ruhe (kaum indische Touristen) bewundern kann.
Am späten Nachmittag bei der Farm angekommen, erwartete uns bereits frischer Tee und eine warme Mahlzeit. Auf der Farm standen bereits unsere Zelte und wir verbrachten zwei Nächte auf dem Gelände der Besitzer. Unsere Eimerdusche war selbstverständlich ebenfalls mit uns angereist. Am vorletzten Tag unserer Reise besuchten wir Udaipur. Udaipur ist eine sehr schöne, für Indien gemütliche und kleine Stadt – mit rund 450.000 Einwohnern. Wir besuchten den wunderschönen Stadtpalast, machten eine Bootsfahrt auf eine kleine Insel und bestaunten dort das wohl teuerste Hotel in ganz Udaipur mit seiner riesigen Anlage. Es lohnt sich definitiv, ein oder zwei Tage mehr hier zu verbringen, um das für Indien eher ruhigere Stadtleben und die schönen Sehenswürdigkeiten zu geniessen. An unserem letzten Tag unternahmen wir einen letzten Ritt auf unseren fleissigen Vierbeinern und es ging in die nähere Umgebung der Farm. Uns erwartete eine traumhafte Landschaft mit Palmen, tollen Galoppstrecken und eine wunderschöne Aussicht auf Hügel und Berge im Hintergrund.

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Immer wieder ging es durch kleine Flüsschen und über ruhige, einsame, kleine Pfade, bis wir eine Lichtung erreichten, auf der wir abstiegen, die Pferde absattelten und unsere Mittagspause genossen. Auf dem Rückweg genossen wir die Stille und kamen noch einmal in den Genuss einiger letzter Galoppaden. Ein Weg war so dicht mit Sträuchern bewachsen, dass wir absitzen und die Pferde alleine durchschicken mussten. Unten, am Ende des Pfades, warteten sie brav auf uns und liessen uns wieder in den Sattel. Zu schnell und kurz war der letzte Ritt und es hiess nun Abschied von den Pferden zu nehmen. Wir wurden ins Hotel für unsere letzte Nacht gebracht. Eine richtige Dusche und ein traumhafter Blick von der Dachterrasse aus erwartete uns: die Dächer der Stadt lagen uns zu Füssen und der wunderschön beleuchtete Stadtpalast war von hier aus zu sehen. Wir sassen am Abend alle gemütlich zusammen, liessen die letzten Tage Revue passieren und sahen dem nächsten Morgen mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Wir waren eine tolle, harmonische Gruppe und hatten schöne Reittage hinter uns. Wir hoffen, uns alle bald bei einer weiteren Reiterreise wiederzusehen!

November 2016
Alle Informationen zur Reise unter http://www.reiterreisen.com/inp010.htm
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