Danzigtrail Polen

Danzigtrail Polen

Beitragvon admin » 20 Jul 2016, 13:46

Es war Regen und schlechtes Wetter angesagt, als wir uns auf den Weg nach Komorze zum Beginn unseres Danzigtrails machten, doch am ersten Tag war von alledem nichts zu sehen: blauer Himmel, um die 20 Grad; so konnte ein vielversprechender Ritt beginnen. Als wir gegen Nachmittag auf dem Hof eintrafen, erwartete man uns bereits. Unsere Truppe bestand aus insgesamt 9 Reitern und unserem Reitführer Gabriel. Wie sich herausstellte, war die Gruppe öfter zusammen unterwegs und kannte sich bereits. Die Stammreiter waren auf einen neuen Ritt gespannt und warteten ungeduldig, bis es endlich losging. Zeit für Gespräche, um sich kennenzulernen, blieb da erst einmal keine: die Gruppe wollte los, auf die Pferde und hin zu einem gemütlichen Lokal um es sich bei einem Bier gemütlich zu machen.

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Meine Freundin und ich bekamen jeweils ein Pferd zugewiesen und machten uns mit den vielerlei Decken, Gelpads und sonstigen Unterlagen vertraut, die hier unter den Sattel kamen. Es wurde sehr darauf geachtet, dass die Pferde auch nach vielen Stunden unter dem Sattel keinen Satteldruck bekamen. Nach einer guten halben Stunde sass ich auf meinem heutigen Begleiter Miro. Er war ein vorwärtsgehender, sehr zuverlässiger Gefährte und hatte mich gleich am ersten Abend durch seine temperamentvolle Art begeistert. Trotz des einen oder anderen flotteren Galopps, waren wir an diesem Abend zu spät dran – das Lokal hatte leider schon geschlossen, es gab kein Bier mehr für die Truppe. Aber Gabriel und seine beiden helfenden Mädels hatten bereits eine Alternative organisiert und kamen zu uns gefahren um uns Bier und Getränke auszuschenken - was für ein Service! Wir machten es uns gemütlich und liessen die Pferde grasen. Auf dem Rückweg kamen wir an einem grösseren See vorbei, durch den wir in gutem Tempo durchgaloppieren konnten. Eine absolut tolle Erfrischung, die unheimlich viel Spass machte!

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Nach einem leckeren, frisch zubereiteten Abendessen, lagen wir ein letztes Mal auf weichen Betten bevor es am nächsten Tag auf Tour ging.
Wir verbrachten die darauffolgenden Tage jeweils an verschiedenen Orten auf dem Weg nach Danzig in Zelten. Manchmal machten wir an einem Campingplatz Halt und nächtigten dort, manchmal irgendwo im Nirgendwo. Immer waren die Zelte schön gelegen und ein See nicht weit. Wer wollte, konnte es sich auch in dem Pferdeanhänger gemütlich machen oder einfach unter freiem Himmel schlafen. Warm genug war es!

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Wir gewöhnten uns schnell an das einfache Leben und machten es uns jeden Abend am See gemütlich und schwammen eine Runde. Das meist kalte Wasser störte uns irgendwann nicht mehr, hatten wir doch mehr als 30 Grad gegen Ende unserer Tour. Da war eine allabendliche Schwimmrunde nur zu gerne gesehen. Tagsüber waren wir ca. 35-40 Kilometer unterwegs, wir ritten durch Wälder und unberührte Landschaft. Ausser dem einen oder anderen Reh oder einem Hasen begegnete uns hier niemand. Wunderschöne Sandwege luden immer wieder zu einem flotteren Galopp ein, auf den wir uns jedes mal freuten. Uwe, einer unserer Mitreiter, kannte bereits die meisten Wege und suchte immer wieder nach Alternativrouten vorbei an Seen und versteckten Plätzen.

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Es herrschte eine angenehme und entspannte Atmosphäre unter uns Reitern und wir verbrachten einige gemütliche, lange Abende am Lagerfeuer. Zu erzählen gibt es schliesslich immer etwas. Meist wurden die Pferde immer direkt neben den Zelten untergebracht. Schnell gewöhnte man sich an das Schnauben und Scharren der vierbeinigen Begleiter und freute sich morgens als erstes die Pferde auf der Weide grasen zu sehen. Eine Nacht verbrachten wir alle gemeinsam in einem Rondell. Das Rondell war überdacht und drum herum lag die Weide für die Pferde, sodass es nachts nicht selten vorkam, dass man ein kratzendes Geräusch hörte. Blickte man verwundert auf und sah nach, woher das Geräusch kam, so sah man meist ein Pferd direkt vor sich, das sich versuchte an einem Holzbalken direkt am Rondell den Hintern zu schubbern.

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Die Pferde selbst zu versorgen ist hier Pflicht und gleichzeitig auch ein Vergnügen, denn man will ja sein Pferd auch vom Boden aus besser kennenlernen. Man sattelt und trenst selbst oder zu zweit und füttert je nach Weidevorrat sein Pferd morgens und abends. Das Wohlergehen der Pferde steht an oberster Stelle. Abends und morgens werden die Pferde immer eingerieben, damit es zu keinen Druckstellen kommen kann.

Bei unseren Tagesritten kam es immer wieder zu amüsanten Erlebnissen und Vorkommnissen:
Auf unseren Ritten sind wir auch durch das eine oder andere Dorf geritten: Polen reiten nicht gerne lange im Gelände, meist reicht es ihnen nach 2-3 Stunden. Umso aufregender war es für die Bewohner hier eine 10 köpfige Gruppe zu sehen und nicht selten wurden wir winkend begrüsst und die Kinder kamen aus den Häusern gerannt und schrien immer wieder „hej, koni“ (hey, Pferde!!!).
Auf einer unserer letzten Etappen begegneten wir dem Bürgermeister eines grösseren Dörfchens, der gerne sein Amt noch länger behalten wollte. Er unterhielt sich lange mit Gabriel und verpflichtete uns anschliessend zu einem Gruppenfoto. Er musste in den nächsten Nachrichten auch etwas zu berichten haben, wenn er das Dorf unterhalten wollte. Und ansonsten gab es nicht viel Stoff für Neuigkeiten – da war eine 10-köpfige Reitergruppe schon ein Foto wert!
Jeder Ritt durch die polnische Landschaft war wirklich wunderschön: entweder waren wir ganz alleine im Wald unterwegs und machten irgendwo bei einer Baumgruppe Rast um etwas zu essen und zu trinken oder wir ritten durch kleine, urige Dörfer, in denen noch jede Menge Landwirtschaft betrieben wird.

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Wir ritten einmal an einem grösseren Militärgelände vorbei und Gabriel erlaubte sich einen kleinen Streich: er sprach die zwei Offiziere in ihren Häuschen an, meldete uns zum Dienst und fragte, wo er mit seiner Cavallerie hinsolle. Beide Offiziere schauten uns eine halbe Minute lang verdutzt an, bevor sie den Scherz verstanden und uns um ein Beweisfoto baten.
Ein lustiges Bild gab unsere Gruppe meist während einer „sklep“ (kleiner Laden mit Lebensmitteln) Pause in einem Dorf ab, da wir die Pferde alle der Reihe nach vor dem Laden aufstellten (10 in einer Reihe!) und uns ein Eis oder ein gekühltes Bier gönnten, während die Pferde einen Eimer Wasser angeboten bekamen. Nicht selten hielten neben uns Autos an und warteten minutenlang um den seltenen Anblick geniessen zu können.

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Ein Highlight für jeden Fleischliebhaber war ein gemütlicher Abend in der Woche bei einem Förster: Dort wurde ein frisches Wildschein für uns aus guter Waldhaltung geschlachtet und frisch zubereitet. Es war ausgesprochen lecker und sehr zu empfehlen!

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Ich hatte auch das Glück, zwischendurch andere Pferde auszuprobieren und lernte die unterschiedlichen Charaktere kennen. Alle Pferde sind sehr gut geritten, lassen sich wunderbar handhaben und sind überaus fleissig. Man musste kein Pferd in den Galopp „schieben“ – alle gingen sie gerne vorwärts.

Zusammenfassend kann man diesen Ritt nur wärmstens empfehlen – tolle Pferde, sehr leckeres, frisch zubereitetes Essen und Natur pur! Der Ritt lässt sich ebenfalls mit einem Besuch in Danzig wunderbar verbinden - die Tour endet nicht weit weg von Danzig und diese Stadt sollte man sich nicht entgehen lassen.

Der Danzigtrail soll ab 2017 angeboten werden. Weitere Ritte von dem gleichen Partner finden Sie unter http://www.reiterreisen.com/kow008.htm

- Angelika Kaiser, Juni 2016
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