Winterabenteuer Finnland / Februar 2016

Winterabenteuer Finnland / Februar 2016

Beitragvon admin » 10 Mär 2016, 11:25

Nachdem ich bisher nur die ein oder andere Stadt in Finnland besucht hatte, sollte es nun endlich einmal mitten in die Natur gehen, für die das Land ja weitaus besser bekannt ist. Auf dem Programm stand eine Woche im Winterwunderland mit allem, was die Finnen in den langen Wintermonaten so unternehmen.
Per Propellermaschine geht es von Helsinki nach Kajaani, einer Kleinstadt im dünnbesiedelten Zentrum des Landes. Der liebevoll gestaltete Hof liegt noch einmal eine Stunde nördlich von Kajaani. Diese Strecke legen wir mit dem Minibus über Schnee bedeckte Landstraßen zurück. Kaum ein Haus entdecken wir unterwegs, nur Wald und Seen. In der Nähe des Hofes gibt es noch einige weitere Häuser, teils auch neu renoviert. Allerdings sind es fast ausschließlich Ferien- und Wochenendhäuser von Einheimischen. Nur unsere Gastgeber haben sich in dieser ansonsten nicht touristischen einsamen Gegend vor ca. 20 Jahren eine Existenz aufgebaut. Gründer sind Sigi, Koch aus Österreich und seine Frau Kaisa aus Finnland. Sohn Daniel kümmert sich um die 35 Huskys, mit denen er auch bei den großen Huskyschlittenrennen in Lappland startet. Seine Frau Inga aus Deutschland hat vor zwei Jahren eine Handvoll Islandpferde mit auf den Hof gebracht und bietet nun herrliche Ausritte in die Wälder an. Die Familie suchte Natur pur, Einsamkeit und Ruhe, was sie am Rande des Naturschutzgebiets Paljakka fanden. Die exklusive Lodge mit sechs Gästezimmern ist äußerst gemütlich mit viel Holz, einem Kamin, Sitzecken und einer großen Tafel, an der alle Gäste gemeinsam speisen. Koch Sigi verwöhnt uns mit typischen Gerichten, wie Suppen, Lachs, Rentier, Piroggen uvm. Zum krönenden Abschluss darf auch Vanilleeis mit Lakritzsoße nicht fehlen. Die schwarze Lakritze aus Süßholzwurzel gibt es in Finnland in allen Variationen. Auch typisch sind Rote Grütze und Marmelade aus Moltebeeren, die in den sumpfigen Gegenden im Hohen Norden heimisch sind.
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Nach dem Abendessen wird stets das Programm des folgenden Tages besprochen. Jeweils am Vormittag und am Nachmittag werden verschiedene Aktivitäten angeboten. Neben Reiten stehen für meine beiden Mitreiterinnen und mich eine Huskyschlittenfahrt, Touren- und Langlaufski, Tretschlitten und Schneeschuhwandern auf dem Programm. Die anderen Gäste haben die Hundeschlittenwoche gebucht und fahren täglich einmal mit den Huskys aus. Vor dem Abendessen wird täglich die Sauna eingeheizt, was wir fleißig nutzen. „Kein finnisches Haus ist ohne Sauna“, erklärt uns Sigi. Zunächst würde immer die Sauna gebaut, anschließend kommt der Rest. Bei gut fünf Monaten Winter absolut nachvollziehbar. Selbst Mietshäuser in Städten verfügen über eine Gemeinschaftssauna für alle Mieter, wenn diese nicht sowieso eine eigene Sauna in der Wohnung haben. Der Höhepunkt des Saunierens erwartet uns am Freitag bei einem Ausflug zum zugefrorenen und tief verschneiten See. Diesen erreichen wir wahlweise mit Schneeschuhen oder Tourenski. Sigi hat direkt am Ufer eine geräumige traditionelle Holzsauna gebaut, bei der mittels Wasserdampf so richtig eingeheizt wird. Zwischendurch geht es zur Abkühlung ins Eisloch. Nach Überprüfung der Wassertemperatur mit dem Finger, ziehe ich nach der Sauna eine Umrundung des Sees auf Skiern vor und überlasse das eisige Loch meinen Mitreisenden…
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Am besten gefallen mir natürlich die Ausritte auf den Islandpferden durch den Pulverschnee. Nicht alle Pferde bieten von sich aus den Tölt an, aber alle sind fein geritten und machen damit auch fortgeschrittenen Reitern viel Freude. Da die Schneehöhe inzwischen bei ca. 1 m liegt und unsere Idee den Pferden die Schneeschuhe anzuschnallen nicht auf Zustimmung stößt, sind wir auf die breiten Pisten und einige Trampelpfade angewiesen. Die dicht mit Schnee bedeckten Pisten bieten dafür einen perfekten Untergrund zum Reiten und lassen auch flottere Gangarten zu. Viele Tiere, va. Hasen und Vögel huschen durch den Schnee am Wegesrand, wovon die vielen Spuren am Morgen zeugen.
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Nur eine Handvoll Autos ist hier täglich unterwegs. Es gibt sogar ein extra Warnschild für kreuzende PKW, damit man nicht vergisst, dass es die hier überhaupt gibt. In der Tat könnte man das sonst leicht verdrängen - das Ganze mutet wie eine Zeitreise an. Zur einzigen Bar in der Umgebung begeben wir uns auf eigene Faust denn auch mit den Langlaufskiern. Nach gut einer Stunde durch den traumhaften Winterwald und entlang eines idyllischen Bachlaufs erreichen wir schließlich die Talstation der Abfahrtskipiste. Hier stärken wir uns bei heißer Schokolade, bevor wir die Zivilisation an der Skipiste wieder hinter uns lassen und uns zurück in die Vergangenheit begeben.
Langlaufski entpuppt sich als wenig anstrengende Sportart, im Gegensatz zu den traditionellen Holzskiern (Tourenski), die ich sonst nur aus Beschreibungen meiner Großmutter kannte. Der Vorteil besteht aber darin, dass man mit diesen querfeldein durch den Tiefschnee wandern kann. Nach einer von Sigi geführten Wanderung auf Holzskiern kommen wir recht müde an der Lodge an und sind froh, dass wir am nächsten Tag erstmal wieder reiten dürfen…
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Schneeschuhwandern ist eine gemütlichere Aktivität, bei der man ohne allzu viel Anstrengung die Landschaft ausgiebig genießen kann. Wir suchen wieder nach Spuren im Schnee, bestaunen skurrile Schneeskulpturen, die sich um kleine Tannen und dünne Ästchen geformt haben. Auffällig sind auch die Schwarzbartflechten an den Ästen der Birken, ein Indiz für besonders reine Luft.
Ein weiteres Highlight ist die Hundeschlittenfahrt. Bevor es losgeht, sind die Huskys sehr aufgeregt, manche springen an den Seilen auf und ab, andere jaulen lautstark. Dem entsprechend sind wir gespannt wie wir unsere Hundeteams bei der Fahrt im Zaum halten werden. Jede von uns bekommt einen eigenen Schlitten mit vier Huskys. Wir müssen einfach nur dem Guide folgen. Nach dem aufgeregten Start, verstummt die Meute schlagartig und es geht gemütlicher als erwartet durch den Wald. Um Schnelligkeit geht es hier nicht, sondern einfach um den Naturgenuss und es ist wirklich eine tolle Art den Winter in vollen Zügen zu genießen. Auf dem Heimweg begleitet uns ein starkes Schneegestöber, so dass wir kaum noch etwas sehen, aber die Hunde führen uns sicher wieder zurück. Anschließend helfen wir bei der Hundefütterung. Jeder der 35 Hunde vom Sporthund bis zum Rentner bekommt seinen eigenen Napf mit einer für ihn genau abgestimmten Ration. Die Hunde leben in Gruppen von bis zu 5 Tieren in großzügigen Ausläufen, die sich in den Birkenwald erstrecken. Jedem Hund steht auch ein Platz in einer Hundehütte zur Verfügung. Trotz dem vergleichsweise wilden Rudelleben freuen sie sich sehr über Streicheleinheiten seitens der Gäste.
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Auch die Islandpferde führen ein glückliches Leben. Meist stehen sie draußen auf dem großen Auslauf und an der Heuraufe, die Weidehütte wird nur zum Schlafen aufgesucht. Bei dem dichten Teddyfell ist ihnen auch gewiss nie kalt.
Mit Tagestemperaturen von –2 bis –8 Grad ist uns das Wetter wohl gesonnen und da die Luft sehr trocken ist, fühlt es sich gar nicht besonders kalt an. Ende Februar ist es auch bereits bis ca. 17 Uhr hell. Mit den Nordlichtern haben wir diesmal leider kein Glück, aber immerhin können wir vom hofeigenen Polarlichter-Aussichtsturm einen schönen Sternenhimmel und den Vollmond bestaunen.
Mein Fazit: Eine spannende Reise für Naturfreunde, die neben dem Reiten auch andere Aktivitäten ausprobieren möchten oder auch für Reiter und Nichtreiter, die gemeinsam reisen möchten. Eine äußerst gelungene Mischung aus Sport, Entspannung und Genuss!

Alle Infos zum Programm unter www.reiterreisen.com/finwin.htm
Jessica Kiefer,
Produktmanagerin Skandinavien
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