Flotter Bergritt in den Cevennen

Flotter Bergritt in den Cevennen

Beitragvon admin » 30 Jul 2015, 16:55

Flotter Ritt durch die Cevennen in Frankreich

Ich packe meine Reisetasche und überlege, ob ich für diese sportliche Tour etwas Besonderes brauche. Dieser Ritt ist einer der sportlichsten und schnellsten, wenn nicht sogar DER flotteste in Europa. Schon am kommenden Morgen treffe ich Kirsten und Jürgen, zwei weitere Mitreiter und gemeinsam fahren wir gen Frankreich. Über das Elsass immer weiter südlich auch auf der „Autoroute du Soleil“, die Sonnenautobahn. Die letzten Kilometer gehen über Landstrasse durch verschiedenste Dörfer und Städtchen bis hin auf den Mont Lozère (ca. 1000 m ü. M.), der im Winter eine Skistation ist. Leider ist das Wetter nicht umwerfend, daher bleibt uns heute der Panoramaausblick verwehrt. Wir checken ein und machen uns auf die Suche nach den Pferden, denn ein großer Pferdetrailer verrät uns, dass sie bereits da sind. In Decken gehüllt stehen sie auf der Weide und grasen seelenruhig. Athletisch sehen sie aus und topfit. Zum Abendessen gegen 19:30 Uhr lernen wir dann alle Mitreiter, Guides und Helfer kennen: Jean und Simon, die diese Tour führen und uns die komplette Streccke auf der Karte zum Einstieg zeigen (das wird ein langer Weg mit viel bergauf und bergab inmitten wilder und ursprünglicher Natur), Clemence, die gute Seele, die uns vor allem mittags mit dem Essen verwöhnt und das Gepäck immer schon vor unserem Eintreffen zur nächsten Unterkunft bringt (wichtig!) und die weiteren Gäste: Katja und Tom, Gabi, Kirsten und Jürgen, Patricia und ich. Nach dem Essen geht es in die Federn, um für den ersten Reittag morgen fit zu sein.
Ein französisches Frühstück mit Saft, Kaffee und Tee, Baguette und Brot sowie Marmelade und Honig stärkt uns für den bevorstehenden Ritt. Dann Gepäck ins Auto bringen und zu den Pferden. Diese haben die stürmische Nacht sehr gut überstanden und warten auf ihren Einsatz. Jean teilt uns die Pferde zu und dann wird geputzt, gepudert (gegen Scheuerstellen) und gesattelt. Wir führen die arabischen Pferde vor die Unterkunft und steigen nacheinander mit Jeans Hilfe auf. Gurte werden direkt kontrolliert ebenso die Steigbügellänge. Wir warten bis alle aufgesessen sind und reiten dann los: die Pferde sind garantiert fit. Leicht vorwärtsgehend und trittsicher. Wir starten indem wir ca. 45 min. bergan reiten. Der Anfang ist eine Skipiste! Nur vereinzelt treffen wir auf Wanderer, die des Regens wegen, in grelle Regenjacken gehüllt sind. Die Landschaft ist grün mit vereinzelten Steinen bevor wir auf Wege treffen, die durch Wald und Flur führen. Oben auf dem „Col de Finiels“ (ca. 1700 m) treffen wir sogar auf Schneewehen, die wir überreiten. Ein wenig Trab zum Anfang, dann geht es immer wieder im Galopp vorwärts, schliesslich geht das schneller als im Schritt. Wir reiten einen Weg hinab und erreichen den See von Barandon, wo uns Clemence schon erwartet. Die Pferde werden angebunden und versorgt bevor wir an der Tafel unter einem Zelt mit Heizlüfter Platz nehmen. Der Regen hat leider nicht nachgelassen und so versucht jeder seine Sachen ein wenig zu trocknen. Das Mittagessen schätzen wir direkt ab dem ersten Tag: Apéro und „Häppchen“ oder Nüsse etc., dann die Hauptspeise meist mit Fleisch vom Grill, Salat und Nachtisch wie Obst oder Schokopudding bevor es Kaffee oder Tee gibt.
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Gefühlte 5 kg schwerer steige ich wieder auf Où vas-tu, meinen Araberschimmel mit dem hübschen Kopf. Er hat schon Distanzrennen bis 200 km gemacht, ein Profi! Auch die anderen Pferde sind alle schon im Distanzsport aktiv und je nach Alter auf bestimmten Distanzen (das ist zum Schutz des Pferdes reglementiert) unterwegs. Diese Pferde erschrecken sich kaum, stehen entspannt, wenn sie angebunden sind und lassen sich gut händeln. Groß Treiben ist nicht nötig, das Vorwärts haben sie im Blut. Auch am Nachmittag geht es flott weiter gen Tarnschlucht und z.T. auch über engere und steilere Passagen. Sobald es etwas moderat bergab geht wird galoppiert, die Pferde sind absolut verlässlich und trittsicher, faszinierend. Einige Aussichten geniessen wir noch ins Tal bevor wir unsere Unterkunft bei Florac erreichen. Die Pferde werden zu ihrer Unterkunft an einem Campingplatz gebracht und haben drei Esel als Gesellschaft auf der Nachbarweide. Jeder versorgt sein Pferd und alle werden gefüttert bevor wir unsere Zimmer beziehen und eine warme Dusche nehmen können. Sicher ist: für diese Reittour sollte man mindestens zwei Reithosen mitbringen, ich bin mit meinen drei sehr glücklich. Die nassen Sachen werden zum Trocknen über sämtliche Heizkörper gehängt und bei einem Getränk an der Bar tauschen wir die Erlebnisse des ersten Tages aus bevor es ein leckeres Abendessen gibt. Natürlich immer drei Gänge und wer mag Apéritiv, wie es typisch französisch ist. Im Anschluss fallen wir in die Betten und träumen vom nächsten Galopp!
Aufstehen und der erste Blick gilt dem Fenster, ein Glück es ist trocken! Gut gelaunt wird gefrühstückt und dann ab zu den Pferden. Aufsatteln und wir starten zu Fuss und führen das erste Stück bis nach Florac. Diese Stadt bildet den Ausgangspunkt eines 40 km langen und tief eingeschnittenem Schluchtsystems. Die Flüsse Tarn und Tarnon vereinigen sich hier und durchfliessen die Schlucht. Auch ist Florac der Ausgangspunkt für das bekannte Distanzrennen die „160 km von Florac“, die auch schon Europameisterschaftsstrecke waren. Einige Streckenteile reiten wir auch, beim Rennen allerdings muss diese Distanz an einem Tag bewältigt werden, eine absolute Herausforderung und nur für topfitte Reiter geeignet. In Florac steigen wir auf und reiten durch den Ort, die Menschen winken uns zu und erfreuen sich an unserem Anblick. Wir erreichen einen zum Fluss parallelen Weg und es folgt der erste längere Galopp: mehrere Kilometer inmitten idyllischer und unberührter Natur. Am Örtchen Barre de Cevennes vorbei und dann folgen einige Pässe: der Col de Salidés, der Can de l`Hospitalet und der Col des Faisses Pass, wo wir schon unsere Mittagstafel entdecken. Welch schöner Ritt bis hier. Wir stärken uns und geniessen den Blick ins Tal bevor es flott weiter durch die Natur geht. Etliche Trab und Galoppstrecken später erreichen wir den zweithöchsten Berg den l`Aigoual (ca. 1600 m) und unsere komfortable Bergunterkunft. Die Pferde werden zufrieden auf die Weiden entlassen, während die Reiter ein entspanntes Bier in der Sonne geniessen. Nur Einige Meter von der Unterkunft entfernt ist ein Aussichtspunkt, der ein spektakuläres Panorama birgt: man kann sogar bis zum Mont Blanc in den benachbarten Alpen schauen. Man hat das Gefühl über den Wolken zu sein. Am Abend erwartet uns ein typisches Essen der Region, das direkt zu einer meiner neuen Leibspeisen wird: die Oreilles d`anes (Eselsohren). Eine Art Auflauf aus Crepes und Spinat mit etwas Sahne, lecker. Welch Ausklang eines solchen Tages!
Gestärkt durch das Frühstück putzen wir die Pferde und satteln auf. Heute erwartet uns die erste größere Herausforderung: eine ca. 11 km lange Trabstrecke, die leicht ansteigt. Aber wie meist zu Beginn führen wir die Pferde ein Stück, was die Muskeln lockert, auch die der Reiter! Am Beginn des Weges, der zum Gipfel führt sitzen wir auf und nach etwas Schritt geht es im Trab los. Ich bin völlig erstaunt als wir durchparieren und die Strecke schon vorbei ist. Das war leicht und auch die Pferde meistern die Strecken ohne Probleme. Täglich haben wir Gesamtetappen zwischen 45-ca. 60km mit Anstiegen und Abstiegen und alles im „schnellstmöglichen Tempo“. Schon sehr sportlich und so mancher Reiter eignet sich einen „Cowboygang“ an.
An einer Kehre machen wir bei Sonnenschein ein tolles Gruppenfoto mit Panorama, bevor es oben über Wege an Feldern weitergeht.
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Dann bergab bis wir die Mittagsrast bei Bramabiau erreichen. Direkt nach dem Mittagessen bekommen wir eine Führung in dieser Kluft. Hier verläuft ein Fluss unterirdisch durch ein Höhlensystem, eine weitere beindruckende Naturkonstruktion. Ca. 2 Stunden später erblicken wir wieder Sonne und reiten weiter. Es geht über Waldwege des Aboretum der Cevennen schlussendlich hinab und ein Stück entlang einer kleinen Strasse zur nächsten Unterkunft. Die Pferde erfreuen sich auf der Weide und wir geniessen ein Getränk in der Sonne. Die Unterkunft ist ein Gite d`étappe mit urigen Zimmern und Sitzgelegenheit auf einer Wiese vorm Haus. Wirklich idyllisch. Alle Gastwirte empfangen uns herzlich, auch wenn wir in Reitklamotten daherstiefeln. Frisch geduscht erwartet uns ein Abendessen an einer langen Tafel im Kaminzimmer. Dieser lädt nach dem Essen zum Verweilen und Reden ein, bevor nach und nach alle zu Bett gehen.
Auch der heutige Tag erwartet uns mit einer Herausforderung: Eine ca. 14 km lange Galoppstrecke. Doch anfangs werden die Pferde ein Stück geführt, dann geht es über Wege und Pfade durch die Schlucht von Gorges de la Jonte. Etliche flotte Kilometer später erreichen wir „den Weg“. Jeder kann in seinem Tempo die Strecke bewältigen, aber letztendlich bleiben wir zusammen. Wir galoppieren entspannt an und folgen dem sich schlängelnden leicht bergab führenden Weg. Rechts haben wir immer wieder phantastische Ausblicke in die Schluchten und Täler. Nach geschätzten 8 km pariert Simon durch und meint wir seien 16 km galoppiert. Das macht Spass und die Pferde werden einfach nicht müde. Ein wenig Schritt und am Ende führen wir ein Stück, zur Beinlockerung von Ross und Reiter bis wir Clemence und die Mittagstafel nahe der kleinen Stadt Meyruies erreichen. Leider hat es wieder ein wenig geregnet aber auch jetzt essen wir im Trockenen, während die Pferde ihre Rast in Decken gehüllt geniessen.
Der Nachmittag bietet ein neues Highlight: Nach dem Start durch gewellte Berglandschaft geht es hinauf auf die Kalk Hochebene Causse-Méjan im Nationalpark der Cevennen. Die Ebene ist riesig und erstreckt sich kilometerweit. Die Landschaft erinnert ein wenig an Irland mit seinen grünen, saftigen Wiesen, einigen Schafen und kleinen Steinmauern, wunderschön. Auch hier reiten wir gut vorwärts, auch einige lange Galopps führen uns durch die grüne Natur. Schlussendlich kommen wir zu einem riesigen Areal, wo Prezwalskipferde leben. Auch wir haben das Glück einige dieser scheuen „Urpferde“ zu erblicken. Ein grandioser Reitnachmittag, der leider mit Erreichen der Unterkunft zu Ende geht.
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Die Pferde werden wie immer gefüttert, versorgt und auf die Weide entlassen, bevor wir bei einem Getränk zusammensitzen, dann duschen und uns zum Abendessen einfinden. Dieses findet im Speiseraum statt, der sich gewölbeartig erstreckt und einen großen Kamin an der Stirnseite bietet. Das Essen ist fantastisch und natürlich mit verschiedenen Gängen. Wieder ein grossartiger Tag!
Gestärkt durch das Frühstück satteln wir auf und reiten los. Auch heute folgen wir der Hochbene Causse-Méjan. Nach dem Warmwerden, heute ist es trocken, erreichen wir einen Flugplatz. Wir kreiseln einige Runden im Trab und leichten Galopp, bevor wir im getreckten Galopp die Pferde laufen lassen können. Nur Fliegen ist schöner! Die Pferde sind glücklich endlich auch mal schnell galoppieren zu können. Nach ca. 1,5 km erreichen wir das Ende der Geraden und verlangsamen nach und nach das Tempo. Ein wenig Schritt zur Entspannung, dann geht es wie gewohnt weiter. Wir passieren die Burgruine Castelbouc. Inzwischen schauen wir den Weg an und denken der würde sich aber auch zum Galoppieren eignen und Simon sieht das auch so und los geht es im entspannten Galopp.
Das Mittagessen nehmen wir in einem Städtchen ein wie üblich mit Apéro und frisch auf dem Grill Zubereitetes. Danach reiten wir durch den Ort, der die Wiege des französischen Distanzsportes ist und wo der erste Araberhengst des Distanzsports gelebt hat. Tom kann sine geschriebenen Postkarten per Pferd zum Briefkasten bringen, muss leider aber absteigen, um sie einzuwerfen, da der Briefkastenschlitz nicht für Reiter gedacht ist.
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Wir erreichen das Ende dieses malerischen Ortes, der mit Brücken noch uriger wirkt und reiten ein kleines Stück an einer Strasse entlang, bevor wir auf einen schönen Weg abbiegen.
Oben angekommen folgen weitere schöne Galoppaden bevor wir ein steileres Stück bergab führen. Unten sitzen wir wieder auf und durchqueren einen grösseren Fluss, über die Brücke reiten wäre zu einfach. Wir erreichen den Zielort und folgen einer Strasse immer weiter bergan bis wir das Gite d`étappe erreichen. Die Besitzer empfangen uns mehr als herzlich und die Pferde werden auf mehrere Weiden verteilt. Die folgende Dusche ist eine Wohltat. Leider hat uns am Nachmittag etwas Regen erwischt, so dass Tom eine abenteuerliche Trocknerkonstruktion vor dem Kamin baut. So werden über Nacht all unsere Reitsachen trocken. Das Abendessen bekommen wir im Wohnzimmer der Gastgeber mit Panoramablick ins Tal serviert. Als erstes dürfen wir Apéros probieren und raten, aus was diese bestehen, gar nicht so einfach. Dann gibt es neben Salat eine riesige Paella, Brot und eine Käseplatte sowie ein frischer Früchtenachtisch. Den Abend lassen wir gemeinsam mit einem kurzen Videobericht über das Distanzrennen der Region ausklingen, wo wir immer wieder einzelne Streckenabschnitte erkennen, die wir auch geritten sind. Dann geht es in die Federn.
Leider bricht heute schon der letzte Reittag an. Nach dem Frühstück reiten wir weiter und können den Blick ins Tal schweifen lassen. Wir reiten den Col de Montmirat hinauf und über die Sauveterre Kalk-Hochebene (ca. 1200 m). Oben erwartet uns das Mittagessen, bevor es ein letztes Mal in den Sattel geht. Wir reiten wieder zum Mont Lozère und dem Ausgangspunkt der Tour. Auch ein wenig Schnee ist noch zu finden, bevor wir einem sich am Berg entlangwindenden Weg folgen. Dieser erstreckt sich kilometerlang und gibt uns die Gelegenheit viel zu galoppieren. Leider ist wieder ein wenig Regen mit von der Partie und der Schlamm des Vorderreiters beglückt den Folgenden, vor allem bei den flotteren Galopppassagen. Überglücklich und schmutzgesprenkelt erreichen wir am Ende die Unterkunft der ersten Nacht. Die Pferde wälzen sich auf der Weide, während die Reiter eine heisse Dusche geniessen können. Der Skikeller eignet sich hervorragend zum Trocknen und ein letztes gemeinsames Abendessen erwartet uns. Im Anschluss sitzen wir noch lange zusammen, bevor auch dieser Tag leider vorbeizieht.
Ein Frühstück stärkt uns, bevor es Abschied nehmen heisst und jeder sich auf die lange Heimreise macht. Was für ein unglaublich flotter Ritt durch unberührte Natur, die extrem facettenreich und ursprünglich ist. Danke an die tollen Pferde, dessen Ausdauer unserer weit überlegen ist! Und an die nette Gruppe und Guides, vielleicht gibt es eine Wiederholung an neuer Stelle.
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Julia Wies

Bergritt in den Cevennen, http://www.reiterreisen.com/loz008.htm

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