CAVALLO Atlantik Ritt Andalusien - Mai 2015

CAVALLO Atlantik Ritt Andalusien - Mai 2015

Beitragvon admin » 13 Jul 2015, 14:29

Bild

Die Reise beginnt, als ich nachmittags mit Sack und Pack und Reithelm ans Handgepäck geklemmt in Basel am Flughafen stehe. Ich bin gespannt was mich erwartet, sowohl auf die Tour und die Pferde als auch auf die Landschaft. Am Abend werde ich schon in Malaga sein und dort meine erste Nacht auf dem Hof verbringen. Zusammen mit zwei netten Dänen werde ich abgeholt und die Fahrt führt uns ca. 30 Minuten aus Malaga raus nach Fuengirola. Auf dem Weg kreuzen ein paar wild lebende Kühe unseren Weg und hinter der letzten Kurve sehen wir schon die Paddocks, in denen jetzt aber alles ruhig ist. Es fällt einem leicht hier neue Kontakte zu knüpfen, denn das Abendessen wird gemeinsam auf einer hübschen Terrasse gegessen. Ich unterhalte mich mit meinen Mitfahrern und ein paar anderen Gästen während wir Paella und spanische Oliven essen und Wein trinken. Die Oliven und die Orangen kann ich nur jedem ans Herz legen der hier Urlaub macht - die sind hervorragend! Bislang sind noch keine meiner Mitreiter auf dem Hof, da ich einen Tag früher angereist bin. Ich werde den nächsten Tag als Schnuppertag nutzen und auf einem kleinen Ritt am Vor- und Nachmittag teilnehmen um zwei Pferde probe-reiten zu können. Eines davon werde ich auf die Tour mitnehmen. Die Gruppen, die am nächsten Tag auf Tour gehen, werden eingewiesen und alle Gäste nach ihren Wünschen im Bezug auf die Pferde gefragt sowie auch ich. Fast alle möchten das gleiche wie ich - ein ruhiges, aber vorwärtsgehendes Pferd. Der Abend geht zu Ende und ich kugele mich glücklich, voll gefuttert und voller Vorfreude auf den nächsten Tag in mein Bett.
 
Von Hufgetrappel geweckt tapse ich zum Frühstück, wo mich ein frisch gepresster Orangensaft erwartet - der und ein Brot mit Honig, mehr brauche ich nicht um für den Tag gewappnet zu sein. Ich laufe nach dem Frühstück zum Putzplatz wo unsere Pferde vorbereitet werden und wir gezeigt bekommen wie man die Pferde mit dem Hackamore aufzäumt. Jedem wird nun ein Pferd zugewiesen. Ich bekomme eine kleine, kompakte, braune Stute mit putzigen Öhrchen. Der Sattel, ein Doma Vaquera Sattel, wird von den Guides aufgesattelt. Wir führen die Pferde zum Vorplatz und steigen auf. Der erste Ausritt geht los. Bis zum Mittag reiten wir in einer kleinen Gruppe Reiter durch die umliegende Landschaft der Ranch. Wir sehen das Mittelmeer vom Hügel aus, kleine Ziegen, die geschickt über die Hügel springen und eine große wild lebende Hündin mit ihrem Rudel. Die Pferde sind entspannt und die Reitweise mit dem Doma Vaquera Sattel und dem Hackamore ist auch sehr entspannt. Mit kleine Galoppaden und Kletterpartien nähern wir uns wieder der Ranch zum Mittag essen. Gestärkt geht es kurz nach dem Mittag wieder auf in den Sattel. Dieses mal bekomme ich eine große Schimmelstute - Dadiva, ein konzentriertes Kraftpacket mit ein bisschen Temperament. Ich war völlig hin und weg, wie gut sie aufgepasst hat wo ihr Vorderpferd hintritt auch bei schmalen und steilen Anstiegen, sodass ich sie mit auf Tour nehmen wollte. Der Tag verging wie im Flug und zum Abend hin freute ich mich schon auf meine bald eintreffenden Mitreiter, mit denen ich die nächsten Tage verbringen werde. Beim gemeinsamen Abendessen wurde ein Tisch für uns gerichtet und wir konnten uns in lockerer Runde kennenlernen. Unser Guide, Sarah, erklärte uns, wie auch die andern Guides am Vorabend, was uns in den nächsten Tagen erwartet. Meine Mitreiter haben ihre Pferdewünsche, genau wie ich am Vorabend, geäußert und werden morgen ihre Pferde kennenlernen. Ein kleiner, lockiger Plüschball von Hund drückte mir dabei immer wieder eine kleine, zerbissene und etwas in Mitleidenschaft gezogene Zitrone in die Hand, die er irgendwo gefunden hatte - die sollte ich ihm werfen.

Bild

Am nächsten Tag begrüsste mich der Hund von gestern Abend an der Tür. Auf ging es zum Abfahrtsplatz. Die Pferde sind bereits unterwegs und so  lernen wir Raoul, unseren Fahrer und gute Seele für die nächsten Tage, kennen. Wir fahren an der Küste entlang und erhaschen einen Blick auf die Felsen von Gibraltar, von denen aus Marokko zum Greifen nahe erscheint. Unsere Fahrt endet an einem wunderschönen, langen Sandstrand in der Nähe von Zahara an dem wir auf unsere Pferde warten, die sich genau so darauf freuen loszureiten wie wir. Jetzt sehen meine Mitreiter das erste mal ihre Pferde und einige haben sich direkt verliebt. Es wird aufgesattelt und ab geht es an den Strand. Die Pferde wollen laufen und sind ein bisschen feurig nach der langen Fahrt - wir reiten durch die Wellen und galoppieren wo auch immer wir können. Es sind nicht viele Badegäste am Strand und so haben wir lange Galoppstrecken auf denen die Pferde Vollgas geben. Das Wetter ist angenehm mild und das Meer hat einige schwarze Felsen vom Sand befreit, die bizarr und wunderschön aussehen. Zum Mittag treffen wir wieder auf Raoul an einer typischen, andalusischen Tapasbar. Er hat schon einen Platz für die Pferde vorbereitet. Während wir Mittag essen dürfen sich die Pferde dort entspannen.Wir bekommen allerlei Portionen auf den Tisch gestellt, von dem sich jeder nimmt was er mag. Natürlich darf man auch Wünsche äussern. Gestärkt vom Essen geht es weiter in Richtung Barbate, einer kleinen Küstenstadt, hinter der sich ein Park mit einem wunderschönen Pinienwald erstreckt. Dieser Tag ist einer meiner persönlichen Highlights der Tour, denn der Wald ist wunderschön. Er hat weichen hellen Sandboden und kleine Büsche blühen unter den Pinien. Es sieht aus, als würde man durch einen englischen Exotengarten reiten. Die Pferde bleiben heute Nacht oberhalb des Pinienwaldes und wir werden nach Zahara gebracht, wo wir in einem luxuriösen Hotel übernachten.

Bild

Am nächsten Tag reiten wir wieder runter zum Strand und galoppieren sooft wir können. Die Gischt umspült die Hufe, bis wir nach dem Mittagessen in der Tapasbar in das Landesinnere, dem Rio Salado folgend, abbiegen.Wir treffen hier auf einen alten Mann mit seinem Pferd, der eine Kuhherde hütet. Er lächelt uns allen, etwas zahnlos, freundlich zu. Überall wo wir lang reiten winken uns am Wegesrand einige Leute zu. Man merkt, dass dies ein Pferdeland ist. Auf den Wegen kann man riesige, fast mannshohe, blühende Kakteen bewundern. Der Boden ist oft überzogen von trockenen Rissen, aber die Landschaft ist grüner, als ich es erwartet hätte. Die Tagesetappe endet in der Nähe von Naveros.
Heute reiten wir über die Weiden der schwarzen Kampfstiere. Alle sind etwas aufgeregt, denn es sind Kampfstiere. Mit einigem Abstand reiten wir an den grossen und massiven Tieren vorbei. Raoul erwartet uns mit einem kleinen Picknick unter Olivenbäumen, wo wir unsere Pferde festbinden und es uns auf Heuballen gemütlich machen. Am Nachmittag reiten wir weite Strecken über die grünen Weiden der Stiere, bis wir zu Weiden mit Kühen und ihren Jungtieren gelangen, die uns neugierig beäugen. Vor der Rückfahrt nach Zahara gibt es noch ein paar kühle Getränke.

Heute reiten wir vorbei an Medina Sidonia, eine Stadt mit einer kleine Burg, die auf einem Hügel trohnt. Die Wege sind optimal für einige lange Galoppaden und wir kommen an einigen alten, römischen Brücken vorbei, die vor langer Zeit ein Teil des Strassennetzes hier waren. Wir sehen große, grüne Eidechsen, unter den nächsten Kaktus huschen und kleine Vögel, die geschickt zwischen den Dornen auf und ab hüpfen. Gegen Mittag reiten wir auf eine kleine Kirche auf einem Hügel zu, unter der eine lokale Tapasbar liegt. Hier essen wir unser Mittag und die Pferde erholen sich im Schatten der Bäume. Den Abend verbringen wir in Alcala de los Gazules, einem der typischen andalusischen Dörfer. Hier besuchen wir einen der wenigen Sattler, der die Kunst der Herstellung der Doma Vaquera Sättel beherrscht. Wir essen im Hotel zu Abend und es ist unglaublich lecker. Es bleibt noch ein wenig Zeit für einen Bummel am Abend. Ich erkunde ein wenig die Stadt, bin aber für den Aufstieg zur Kirche hoch oben für heute zu müde.

Der nächste Tag beginnt nicht allzu früh. Heute fahren wir nach Jerez und besichtigen die spanische Hofreitschule. Angekommen an der Hofreitschule werden wir von einem deutsch sprechenden Guide nach dem Morgentraining herumgeführt. Trainiert wird auf den Vorplätzen sowie auch in der Halle, wo man einige Stunden verbringen kann. Die Hofreitschule bildet neben Reitern und Pflegern auch Tierärzte und Sattler aus die die Herstellung der Doma Vaquera Sättel beherrschen. Die Sattlerei kann ebenfalls besichtigt werden. Die Tour führt durch die Ställe und über das Gelände. Es gibt auf dem Weg zur Sherryprobe ein Kutschenmuseum, das ebenfalls zur Hofreitschule gehört und neben den Kutschen auch die Kutschpferde zeigt. Zum Mittag finden wir uns in einer kleinen Tapasbar ein, bei der die Bestellung etwas abenteuerlich verlief, wir wurden aber alle satt. Am Nachmittag erkundeten wir die Stadt auf eigene Faust und fuhren am Abend wieder ins Hotel zurück.

Am vorletzten Reittag hatten wir schon in der Ferne unser Ziel in Sicht – Die Berge des Naturparks Parque Alconorcales, an dessen Fusse wir heute Abend die Pferde bei einem kleinen Stall unterstellen. Wir reiten durch Windmühlenfelder wie Don Quijote. Es sind aber die modernen Windmühlen. Zu Mittag essen wir in einem netten, kleinen Restaurant Pommes und Tapas. Auf dem Weg zum Berg entdecken wir einen riesigen Stier auf einem Hügel, der über allem trohnt. Am Abend gehen wir in Alcala de los Gazules auf Tour steigen hinauf zur Kirche und geniessen den Ausblick. Wir fragen die Einheimischen nach einer guten Tapasbar und finden zwar nicht in der Bar die uns angepriesen wurde, aber dafür eine kleine schnuckelige Bar mit einem netten, jungen Kellner. Wir sind völlig überrascht, wie gut das Essen hier ist – teilweise haben ich keine Ahnung was ich da gegessen habe, aber es war für jeden was dabei und ständig kam Nachschub.

Bild

Mit den Erinnerungen an die letzten Tage starten wir in den letzten Reittag. Heute überqueren wir zwei Berge des Parque Alconorcales, eines der grössten Naturschutzgebiete Andalusiens. Der Ritt wird abenteuerlich! Wir klettern auf unvorstellbar glatten Steinen und Pfaden den Berg hinauf. Ich habe volles Vertrauen in Dadiva, dass sie den richtigen Weg findet. Ich bin erstaunt, wie toll sie die Wege durch knietiefe Bäche und schmale Felspfade sucht. Besonders schön finde ich die Bäche im Tal, bei denen wilder, blühender Oleander wächst. Heute wünschte ich allerdings eine Jeansjacke dabei gehabt zu haben - die Sträucher pieksen etwas. Die Wege sind sehr wild und es sind eher Viehwege - es ist wunderschön. Nach einer halben Stunde ist man völlig abseits der Zivilisation und sieht nur vereinzelt ein paar Schuppen. Wir treffen den ganzen Tag über nur wilde Kühe und einen Wanderer der unseren Weg kreuzt. Auf den Bergkämmen sehen wir Steilklippen mit kleinen Höhlen, wo Geier ihre Nester haben. Einige schwingen sich in die Lüfte, als wir vorbeireiten. Wir reiten heute eine lange Etappe bis zur Mittagspause, die wir mit einem Picknick unter Korkeichen verbringen. Da keine Autos in den Park dürfen ist Raoul heute nicht dabei. Jetzt sind wir leider nur noch eine Reitstunde von unserem Ziel entfernt. Insgesamt haben wir ca. 190km Reitweg hinter uns. Die letzte Etappe führt durch einen märchenhaften, grünen Wald mit einem Flüsschen und ein paar Efeu überwucherten Steilklippen. Die Pferde wissen, dass es wieder heimwärts geht und freuen sich schon auf ihr Heu. Auf der anderen Seite des Parks, am Ziel angekommen, wartet schon der Truck und Raoul mit kühlen Getränken auf uns. Wir verabschieden wir uns von den Pferden und fahren zurück zur Ranch, wo wir beim Abendessen, Paellea, die Tour Revue passieren lassen und uns auch von unserem Guide, Sarah, verabschieden. Ein grüngelber Gecko klettert dabei über unseren Köpfen.

Am nächsten Morgen heisst es Abschied nehmen von der Ranch und von Andalusien. Mein Flieger bringt mich wieder zurück in die Heimat. Mit einem schmutzigen Helm am Handgepäck aber einem Lächeln im Gesicht steige ich in Basel aus dem Flugzeug, wo grade die Sonne rotglühend mit violetten Streifen untergeht.

Reisebericht von Jil


Bild
Benutzeravatar
admin
Site Admin
 
Beiträge: 101
Registriert: 20 Feb 2013, 13:58

Zurück zu Unsere Reiseberichte

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste