Transsilvanien: Natur- und Kulturtrail durch die Karpaten

Transsilvanien: Natur- und Kulturtrail durch die Karpaten

Beitragvon admin » 03 Jul 2013, 10:42

Transsilvanien: Kultur und Natur pur auf einer Zeitreise zu Pferd durch die märchenhaften Karpaten, 09.-15.06.2013

Flott und voller Leichtigkeit galoppieren wir über eine prächtige Blumenwiese, vor uns ein atemberaubendes Panorama aus malerisch sanft geschwungenen Hügeln, die bis in die Wolken hineinragen und durch die in der Ferne eine Herde Wildpferde zieht – weit und breit kein Anzeichen menschlicher Zivilisation – Idylle pur! Wir befinden uns in Transsilvanien, wo wir uns eine Woche lang von dessen Charme verzaubern lassen – von Kultur, Lebensweise und Gastfreundschaft, unberührter Natur, Wildnis und Ursprünglichkeit, Geschichten und Legenden. Die Einblicke in Transsilvaniens Seele machen die Durchquerung der herrlichen Wald-, Wiesen- und Berglandschaften zu einem wirklich unverwechselbaren Erlebnis! Dabei fühlen wir uns oft wie in alte Zeiten zurückversetzt: Anstatt Autos auf Teerstraßen begegnen wir Pferdekarren auf unbefestigten Wegen, das Gras wird mit der Sense geschnitten und die kulinarischen Köstlichkeiten sind zu 100% bio und selbst gemacht.
Bild
Los geht es in dem geschichtsträchtigen Dorf Miklósvár, das, wie die gesamte rumänische Gegend, die wir durchqueren werden, ursprünglich ungarisch war, weswegen hier fast ausschließlich Ungarn leben und wir die Woche daher auch mit Ungarn verbringen werden. In Miklósvár kommen wir in historischen Gästehäusern unter, die mit urig-gemütlichen Bauernmöbeln eingerichtet sind, uns zugleich aber modernen Komfort bieten. Nach meiner verspäteten Ankunft mitten in der Nacht bin ich am nächsten Morgen gespannt, wie der Hof bei Tageslicht wohl ausschaut und freue mich: Von meinem Zimmer bin ich gleich mitten im Grünen, wo ich bequeme Sonnenliegen, einen alten hölzernen überdachten Brunnen, einen sorgfältig gehegten Garten sowie ein Gehege mit Hühnern, Ziegen und kleinen Entlein vorfinde. Um das Küchenhäuschen gruppieren sich romantisch von Weinblättern überschattete Sitzgarnituren – was für ein Ort um den Urlaub zu beginnen! Nach einem reichhaltigen Frühstück mit goldgelbem Rührei, süßem Holunderblütensaft, frischer Kuhmilch und Butter, selbst gemachter Marmelade und Honig, Käse, Wurst, Bauernbrot und Müsli, erwartet uns Joseph, der während der Reittour unser Gepäck transportieren wird und uns nun zum Gestüt der Gräfin Anna Kalnoky nach Korospatak fährt. Dort warten bereits gesattelte Pferde auf uns und nach ein paar Runden auf dem Reitplatz wird geschaut, ob die Chemie zwischen Pferd und Reiter stimmt. Shagya Araber, Lipizzaner, Huzulen und Mischungen: Die Pferdeauswahl ist mit rund 30 Pferden beachtlich. Die intelligenten, starken, gutmütigen und ausdauernden Huzulen sind eine historische Rasse aus der Region und stammen vom Urwildpferd Tarpan ab. Nachdem sich jeder mit seinem Pferd wohl fühlt, heißt es Abschied nehmen vom heimatlichen Stall und zusammen mit unserem Guide Boti, dem Backup-Guide Sandor und Anna-Kata, die zusammen mit ihrem jungen Pferd zum ersten Mal mit auf Tour geht, tauchen wir 5 Reitermädels in die Wildnis Transsilvaniens ein!

Zuerst überqueren wir Blumenwiesen bis wir auf einem Bergkamm angelangen, wo sich uns ein faszinierender Blick über Hügel, Wälder, malerisch im Tal liegende Dörfer und endlos scheinende Wiesen bietet. Diese ganzen Wiesen warten nur darauf im Galopp erobert zu werden! Das Schöne: In dieser Gegend, in der man oft stundenlang auf keine Menschenseele trifft und wo es zudem auch fast keine Zäune gibt, darf so gut wie überall geritten werden. Wir fühlen uns wie im Paradies und freuen uns auf die vor uns liegende Zeit, in denen wir diese traumhafte Gegend der Karpaten zu Pferd erobern werden! In den nächsten Tagen entdecken wir unterwegs hin und wieder sogar Bärenspuren und treffen auch immer wieder auf Kuh- und Schafherden sowie auch einige Wildpferde. Einmal begegnen wir einer recht großen Herde wilder Pferde, die uns neugierig beäugt, uns aber ruhig vorbeireiten lässt. Erst eine kurze Weile später bemerken wir, dass der Hengst seine Schützlinge an uns im Galopp vorübertreibt. Unsere Pferde nehmen all dies gelassen, auch wenn man zu Beginn der Reittour ihre überschüssige Energie und ihren Vorwärtsdrang spürt. Während des gesamten Trails erweisen sie sich als gut trainiert, robust und sehr trittsicher in dem manchmal anspruchsvollen Gelände. Außerdem sind sie alle sehr umgänglich und jede von uns gewinnt ihr Pferdchen bereits am ersten Tag lieb – es versteht sich von selbst, dass wir ihnen unsere Äpfel beim Picknick im Grünen zustecken. Unser Guide Boti stellt sich im Laufe der Woche als einer der besten heraus, die ich je erlebt habe. Von früh bis spät erklärt er uns voller Freude alles, was wir wissen möchten (er hat ein reiches Wissen – auf wirklich alles weiß er eine Antwort) und erzählt uns von seinem Land, dessen Geschichte, den Menschen, deren Lebensweise und natürlich von der Natur und deren Bewohnern. Auch Sandor, unser stets lächelnder und manchmal auch fröhlich pfeifender Backup-Guide, kümmert sich rührend um uns und die Pferde. Wir sind also bestens aufgehoben!

Unseren ersten Nachmittag verbringen wir in Malnas Bai, einem verschlafenen Örtchen im Tal, wo wir von der Jägersfamilie, die uns in dieser Nacht beherbergt, herzlich willkommen geheißen werden. Während die Pferde nebenan von Sandor liebevoll in einer Scheune versorgt werden, nehmen wir unter einem üppigen Blätterdach Platz und werden mit reichlich frischem Apfelkuchen, Kaffee, Tee, und Schnaps versorgt. Malnas Bai war früher ein florierendes Kurbad und so begeben wir uns auf einen kleinen Rundgang um uns ein paar der Mineralwasserquellen anzuschauen – und um das gewöhnungsbedürftige, aber sehr gesunde Mineralwasser zu kosten. Als Abendessen servieren uns unsere Gastgeber eine sehr schmackhafte Suppe, Salat und Makkaroni mit Rehgulasch (natürlich vom Hausherrn selbst erlegt) sowie eine feine Nachspeise. Auch an allen anderen Abenden werden wir mit köstlichen Drei-Gänge-Menüs verwöhnt werden.

Am nächsten Tag geht es wieder hoch in die Berge, wo sich vor uns einladende Bergweiden und Wälder erstrecken und sich uns wieder fabelhafte Aussichten bieten. An manchen Ecken fühlt man sich wie in ein Märchen versetzt, wie als wir heute auf ein im Wald verstecktes Dorf stoßen oder auch das malerische Birkenwäldchen, an dessen Rand wir unser Satteltaschenpicknick einnehmen. Auf dem Weg nach Kisbacon, unserem heutigen Ziel, entdecken wir außerdem noch ein verlassenes Kälbchen. Zwei unserer Pferde wollen sich dem armen Kleinen sogleich annehmen und so beschnuppern sich Kälbchen und Pferd – ein reizender Anblick! Der Kleine stakst uns auch noch ein Weilchen hinterher. Wir sind erleichtert, als wir etwas später auf den Hirten treffen und ihm von dem verirrten Baby berichten können.

In Kisbacon angelangt, führt uns Boti nach einer erfrischenden Siesta durch das hübsche Dorf vorbei an herrlich weinumrankten Häusern, von welchen es in Transsilvanien viele zu geben scheint. Auch hauseigene, kleine Äcker scheinen zu fast jedem transsilvanischen Hof dazuzugehören sowie oftmals auch eine wahre Blumenpracht im Vorgarten. Auf einigen Häuser thronen zudem stolze Störche mit Nachwuchs. Schließlich gelangen wir an einer alten Wassermühle an, wo uns der Müller seine Mühle vorführt und uns zur Demonstration auch ein klein wenig Mehl mahlt – wir staunen nicht schlecht, wie die viele Maschinerie in Fluss, Maschinenraum und der Mühlstube bestens aufeinander abgestimmt ist! Anschließend lädt uns die Mutter des Müllers noch in ihre Stube ein, in der wir uns ebenfalls um ein Jahrhundert zurückversetzt fühlen bis sie uns Fotos zusammen mit Prince Charles und Prince Harry zeigt, die auch schon bei ihr zu Besuch waren. Sie führt uns ihren Webstuhl und einige Webarbeiten vor und erzählt uns von ihrem Leben, was uns erahnen lässt, wie schwer es in den letzten Jahrzehnten gewesen sein muss hier eine Familie zu ernähren. Von ihrer sehr bescheidenen Lebensweise bewegt, führt uns unser Streifzug nun zu einer anderen Dorfbewohnerin, die uns aufs Wärmste in ihrem behaglichen Esszimmer empfängt und uns eine Vielzahl an lokalen und mühevoll zubereiteten Spezialitäten auftischt. Zwei Tage lang hat sie gekocht – wir fühlen uns geehrt und genießen diesen besonderen Festschmaus sehr. Auf dem Rückweg zum Gästehaus holpern an uns auf den staubigen Straßen noch einige Dorfbewohner vorüber, die mit ihrem Milchkarren zum Milch holen unterwegs sind – einmal mehr fühlen wir uns an vergangene Zeiten erinnert.

Heute beginnt unser Tag mit dem Besuch des Museums und ehemaligen Hauses von Benedek Elek, dem berühmten Märchenerzähler, der in seinem Leben mehr als 200 Bücher veröffentlicht hat – wir staunen nicht schlecht und lauschen gespannt Botis Erzählungen über Eleks bewundernswertes Leben. Nach einem weiteren traumhaften Reittag, an dem wir einen Fuchs, Hasen sowie ein Reh aufschrecken, kommen die Pferde abends in einem geräumigen Stall unter, in dem ihnen das ein oder andere Huhn durch die Beine huscht – witzig anzusehen! Nach Besichtigung der Dorfkirche bringt uns ein kurzer Transfer in eine im Wald gelegene Jagdlodge des ehemaligen Diktators Ceausescu, wo uns Boti über dessen schreckliches Regime erzählt. Nachdem Boti uns draußen im Grünen in seiner schönen Tracht verschiedene Peitsch-Techniken vorgeführt hat, begeben wir uns auf einen Wald- und Wiesen-Spaziergang, auf dem er uns die Fauna und Flora Transsilvaniens noch näher bringt und auf dem wir zudem Pilze finden, die uns unsere heutige Köchin abends spontan mit einem weiteren vortrefflichen Abendessen serviert. Wir kommen auch an einem Hof vorbei, dessen Besitzer uns dort kurzerhand eine kleine Führung gibt, wobei wir auch ein freches Schweinchen kennenlernen: Ihm gelingt es tatsächlich seine beiden Kumpanen im Stall einzusperren! Allerdings fragt er die beiden danach aber auch höflich, ob sie wieder herauskommen möchten und öffnet ihnen tatsächlich wieder die Tür!

Nach einem flotten Ritt am nächsten Tag lassen wir die Pferde vor der eleganten Jagdvilla des Grafen Kalnoky in Miklósvár frei, die sich genüsslich vor dieser tollen Kulisse wälzen. Wir dahingegen besichtigen die Villa, die zur Zeit restauriert wird und in der eine Ausstellung von Schwarz-Weiß-Fotos vom Leben in Transsilvanien erzählt. Heute kommen wir wieder in den Genuss unserer stilvollen Gästezimmer der ersten Nacht und verbringen den Abend bei einem eleganten und feinen Dinner im Weinkeller am Kamin bei Kerzenschein und dezenter Hintergrundmusik. An unserem letzten Reittag werden wir etwas wehmütig und genießen noch einmal ausgiebig unseren Ritt durch Flüsse, Täler, Wälder und über die vielen saftigen Wiesen. Heute gibt es kein Satteltaschenpicknick, sondern es erwartet uns eine kräftige Brotzeit im charmanten Feriendomizil von Prinz Charles in Zalanpatak, einer der einsamsten Gegenden Transsilvaniens. Gegen Abend gelangen wir dann wieder im Stall an, verabschieden uns schweren Herzens von unseren treuen vierbeinigen Gefährten und sind dann bei Gräfin Anna zum Tee geladen. Unser letztes Abendessen findet wieder in Miklósvár im gemütlichen Weinkeller statt. Am nächsten Morgen brechen wir schließlich nach dem Frühstück auf – wie gern wäre ich noch länger geblieben!

Hinter uns liegt eine rundum gelungene Woche mit fantastischen Pferden und eine geniale Reitstrecke durch einen ursprünglichen Landstrich fast ganz ohne Zäune. Durch sein unglaublich großes Wissen über Land, Leute, die Geschichte Transsilvaniens und die Natur, welches Boti mit uns geteilt hat, hat er uns zudem viele verschiedene Eindrücke sowie auch Einblicke ins Leben der Menschen ermöglicht. Die Woche wird uns unvergessen bleiben!

Lara von Breidenbach

Link zur Reise: http://www.reiterreisen.com/dra007.htm
Link zu den Bildern: https://www.facebook.com/media/set/?set ... 099&type=1.
Benutzeravatar
admin
Site Admin
 
Beiträge: 102
Registriert: 20 Feb 2013, 13:58

Zurück zu Unsere Reiseberichte

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast