Reittour durch Santa Catarina in Südbrasilien, April 2013

Reittour durch Santa Catarina in Südbrasilien, April 2013

Beitragvon admin » 21 Mai 2013, 10:55

Fazendas, Criollos, Grillfleisch und endlose Weiten - Im Land der Gauchos
Brasilien - ein Land der Superlative. Das fünftgrösste Land der Erde und die aufstrebende Wirtschaftsmacht ist gesegnet mit einem immensen Reichtum an Bodenschätzen, dem grössten Wald und längsten Fluss der Erde, Naturschönheiten und einer Kultur genauso bunt und vielfältig wie seine Bevölkerung. Trotz der modernen Metropolen gibt es in Brasilien, sowie in fast allen anderen Ländern Südamerikas, noch heute eine lebende Pferdekultur, die schon seit Jahrhunderten besteht. In vielen Regionen gehört die Arbeit und der Umgang mit dem Pferd zum tagtäglichen Leben und nicht wenige Landstriche sind gar nur per Pferd erreichbar. Perfekte Bedingungen für ein tolles Reitabenteuer, wie ich finde!
Nachdem ich schon die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Brasiliens als "normaler" Tourist erkundet habe, freue ich mich nun auf den krönenden Abschluss meiner Reise: eine 8-tägige Reittour im Bundesstaat Santa Catarina, im Süden des Landes. Dies ist eine der europäischsten Regionen Brasiliens. Hauptsächlich Italiener und Deutsche haben sich hier in den vergangen Jahrhunderten niedergelassen und viele deren Bräuche haben bis heute Bestand, wie zum Beispiel das Oktoberfest in der Stadt Blumenau. Und fast alle Einheimische, die mir während der Reittour begegnen sollen, tragen Nachnamen wie Klein, Wolf oder Biancchini.
Schon bei meiner Ankunft in der beliebten Urlaubsmetropole Florianopolis merke ich, dass hier alles etwas anders ist als im Norden. Das Klima ist wesentlich angenehmer als im feuchten, tropischeren Rio de Janeiro und das Straßenbild ist sauber und ordentlich. Eben alles etwas "europäischer". Am Flughafen werde ich herzlich von Paul empfangen, meinem Gastgeber und Organisator der Reittour. Zusammen mit den ansässigen Gauchos führt er seit einigen Jahren diesen Trail durch. Gemeinsam mit Ilan, meinem belgischen Mitreiter, lassen wir Florianopolis hinter uns und fahren ins Hinterland Santa Catarinas - in das Land der Gauchos. Nach wie vor gibt es hier viele Farmen und Fazendas, die über riesige Ländereien verfügen. Die Gegend um Lages, in der wir reiten werden, ist ungefähr so groß wie Belgien, aber hat gerade einmal 400 Einwohner! Von Paul erfahre ich, dass er ursprünglich aus Belgien kommt, aber schon auf der ganzen Welt als Guide Reittouren geführt hat. Nun, nach Jahrzehnten des Reisens, ist er in Brasilien hängengeblieben. Nirgends seien die Gegebenheiten für die perfekte Reittour besser als hier, sagt er. Endloses, unbewohntes Gelände bieten genügend Platz für unbegrenztes Reiten, Seite an Seite mit echten Gauchos und gepaart mit wunderschönen Landschaften! Bild
Nach 3 Stunden Fahrt erreichen wir die Fazenda der Familie Klein. Wir lernen unsere anderen Mitreiter, eine 3-köpfige Familie aus Belgien, kennen sowie die Guides, die uns in der kommenden Woche begleiten werden, darunter Gia und Robeirio, die standesgemäß stets ihr schickes Gaucho-Outfit tragen, bestehend aus einem breiten Hut oder Baskenmütze, weiten Hosen und Lederstiefeln. Dazu tragen viele den traditionellen Dolch am verzierten Gürtel oder gar eine Pistole. Diese diente damals hauptsächlich um sich vor Pumas zu verteidigen. Auch heute gibt es noch Pumas in der Region, wobei die meisten sehr scheu sind und man selten einen zu Gesicht bekommt.
Mit einem typisch südamerikanischen Grillfest (ein wahres Festmahl!) und Live-Musik läuten wir den Beginn einer unvergesslichen Woche ein. Eins ist jetzt schon klar: über zu wenig Essen werden wir uns in den nächsten Tagen nicht beschweren können!
Am nächsten Morgen geht es dann los. Wir bekommen unsere Pferde zugeteilt und reiten hinaus in die unendliche grüne Weite. Mein brauner Wallach erweist sich als sehr lieb, flott vorwärtsgehend und leicht zu händeln. Geritten wird absolut frei. Jeder kann sich seinen eigenen Weg suchen und eigenständig galoppieren, wenn er möchte. Natürlich immer mit Rücksicht auf das Pferd und dessen Kondition, die ihm bei dem einwöchigen Trail abverlangt wird. Die Landschaft ist ein Traum. Bei strahlendem Sonnenschein zeigt sie sich von ihrer besten Seite. Unzählige sanfte, grüne Hügel erstrecken sich bis zum Horizont und die wunderschönen Araukarier-Bäume, die sonst nur noch im Süden Chiles und Argentiniens wachsen, geben dem Landschaftsbild mit ihren köcherförmigen Silhouetten ein einmaliges Aussehen, das es sonst auf der Welt so nicht zu finden gibt. Richtige Wege gibt es hier auch kaum. Wir reiten fast ausschließlich "offroad". Mittags kehren wir bei Don Benjamin ein, einem waschechten und bekannten Fazendeiro der Region. Stolz zeigt er uns seine schöne, charmante Fazenda ehe wir mit Caipirinhas und vorzüglichem Essen bewirtet werden. Nach der Nachmittagsetappe mit einigen entspannten Galoppaden und tollen Aussichten über die Coxilha Rica, so heißt die Berglandschaft, in der wir reiten, werden wir sehr herzlich von Lucia auf ihrem Anwesen mit Sekt und Kuchen empfangen. In ihrem äußerst geschmackvoll eingerichteten Haus fühlen wir uns auf Anhieb absolut wohl und freuen uns hier auch die folgenden Nächte verbringen zu dürfen. Heute kümmert sich unser lieber Guide Gia um unser leibliches Wohl. Es stellt sich heraus, dass er ein exzellenter Koch ist. Sein vorzüglicher Ofenlachs lässt uns allen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Am Abend singen uns Gia, Marc und Ilan mit der Gitarre ein paar Ständchen. Satt und zufrieden schlafe ich in dieser Nacht besonders gut. Bild
Der folgende Tag wird besonders lange. Neun Stunden werden wir unterwegs sein. Am Morgen durchqueren wir einige Flüsse und stehen plötzlich vor einem Wasserfall wie aus dem Bilderbuch. Der perfekte Ort für einen kleinen Fotostopp. Später als geplant kommen wir am Abend erst nach Einbruch der Nacht wieder zurück. Gott sei Dank kennt Robeirio die Gegend wie seine Westentasche und führt uns sicher im Stockdunkeln nach Hause. Dafür konnten wir einen traumhaften Sonnenuntergang und die hellerleuchtete Milchstrasse des südlichen Sternenhimmels geniessen.
Auch die nächsten Reittage werden nie langweilig. Für besonders viel Spaß sorgen vor allem unsere Ersatzpferde, die frei mitlaufen - jedoch nicht immer in unsere Richtung. Des Öfteren sind unsere Gaucho-Fähigkeiten gefragt, um sie wieder einzutreiben - wie bei einem richtigen kleinen Horse Drive! Bild
Erwähnenswert sei auch noch der Besuch bei Donha Vera, die in einer Schwarzensiedlung lebt, die noch aus der Sklavenzeit stammt als viele Sklaven flohen, eigene Siedlungen errichteten und darin Schutz suchten. Noch heute sind diese Siedlungen und Ländereien ausschließlich der schwarzen Bevölkerung vorbehalten. Ähnlich wie mit den Indianerreservats in Nordamerika. Bild
Nach einer weiteren Übernachtung bei einem noblen Großgrundbesitzer und seiner herrlich gelegenen Farm mit Blick über die umliegenden Täler, wartet heute ein kompletter Regentag auf uns. Schon kurz nach Abritt beginnt es auf einmal auf das Heftigste zu regnen. Dank der dicken, langen Ponchos, die wir dabei haben, bleiben wir aber weitestgehend trocken. Mir macht das Reiten im Regen sogar Spaß. Für einen kurzen Schrecken sorgte nur der Blitz, der wie aus dem Nichts 200m direkt vor uns mit einem riesigen Knall in den Boden krachte! Was für ein Erlebnis! Wirklich erstaunlich, dass die Pferde bis auf kurzes Zucken absolut gelassen blieben. Ein weiterer Beweis wie verlässlich sie sind. Zum Glück blieb es bei dem einen Blitz und wir konnten unseren Ritt gefahrlos fortsetzen.
Am letzten Reittag wurden wir noch einmal mit Kaiserwetter belohnt. Ein letztes Mal Sonne tanken, galoppieren, die frische Luft geniessen, ehe wir am Abend wieder bei den Kleins eintreffen, wo wir schon die erste Nacht verbrachten. Im Ofen schmort schon ein halbes Schwein für uns. In geselliger Runde lassen wir die Woche Revue passieren. In einer Woche haben wir einen wahnsinnig authentischen Urlaub genossen, haben auf richtigen Fazendas übernachtet, die man in keinem Urlaubsportal der Welt buchen kann, und haben wundervolle Menschen kennengelernt, die uns in ihren Häusern aufs herzlichste willkommen geheißen haben und sind durch eine abgeschiedene, aber wunderschöne Landschaft geritten, die von Reiseführern allenfalls in einem Nebensatz erwähnt wird (Gott sei Dank?). Ein schöneres Erlebnis auf dem Rücken der Pferde und mit den Gauchos kann ich mir nicht vorstellen!
Infos zur Reise: http://www.reiterreisen.com/it-brrt09.htm
Bildergalerie zum Reisebereicht: https://www.facebook.com/media/set/?set ... 099&type=3
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