Reittour Wadi Rum, Dezember 2010

Reittour Wadi Rum, Dezember 2010

Beitragvon admin » 04 Mär 2013, 17:25

Anfang November beschloss ich, dem schmuddeligen dunklen gemeinen Dezemberwetter dieses Jahr eine Weile zu entgehen und endlich die Wadi Rum Reittour mitzumachen. Schon lange wollte ich einmal auf Vollblutarabern durch diese Wüste reiten. Da es flugtechnisch nicht anders ging, meldete ich mich kurz entschlossen zur Weihnachtstour an. Außer mir waren noch 5 weitere TeilnehmerInnen dabei, aus der Schweiz, Kanada und Frankreich. Zum Glück wird mein Flug am 17.12. bei dem einsetzenden Schneechaos nicht gestrichen und bringt mich pünktlich nach Amman. Die Anreise ist total einfach, erst Geld wechseln, dann für 10 JD (ca. 11 EUR) ein Touristenvisum am Schalter ausstellen lassen. Unser Fahrer wartet auch schon. Der erste Tag ist Petra gewidmet. In allen Reiseführern steht, dass 1 Tag viel zu wenig ist, und so schaffen wir es auch nicht uns alles anzusehen. Aber es ist wunderschön: die beeindruckende tiefe Schlucht „Siq“ (dt. Schlund), die uralten Gemäuer, von nabatäischen Grabstätten bis römischen Tempeln und der rot, rosa und gelb gefärbte Sandstein. Unser Führer kennt die Geschichte ganz genau und es tut mir wieder einmal Leid, dass ich mir solche Dinge nicht merken kann, werden sie auch noch so anschaulich präsentiert. Dank der Überzeugungskünste meiner schweizer Mitreiterin bestiege ich dann noch kurz ein Dromedar. Naja, nett fürs Foto... Ansonsten freue ich mich aber riesig darauf, dass die Reittour endlich losgeht und so bin ich nicht allzu traurig, dass wir Petra schon am nächsten Morgen wieder verlassen.

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Über den Dessert Highway geht es ins Wadi Rum, entlang der Autobahn blicken wir auf recht öde, völlig ausgetrocknete und verlassene Landschaft, nur der allgegenwärtige Plastikmüll bietet einen Farbtupfer. Nach einer knappen Stunde erreichen wir dann den Stall in Rum Village. Die Pferde sind bereits startklar und innerhalb 10 Minuten sitzen wir im Sattel. Maryse aus Kanada hat sich gleich bereit erklärt Hengst Antar zu übernehmen. Ich bekomme einen entspannten braunen Wallach mit Namen Saim. Zunächst reiten wir im Schritt bis zu einem schönen Picknickplatz. Hier machen wir im Schatten einer riesigen Felswand ca. 2 Stunden Pause. Der Ausblick ist super und ich genieße den lang vermissten Sonnenschein. Anschließend reiten wir weiter durch die beeindruckende rosa bis gelb flimmernde Wüste und bewundern die mächtigen Felsen, die überall emporragen. Die Vegetation ist sehr spärlich und besteht hauptsächlich aus dürren Sträuchern, die die Pferde erst im vertrockneten Zustand fressen. Daneben gibt es noch ein dunkelgrünes Lauchgewächs, das die Pferde ganz meiden. In den Pausen suchen sie stattdessen im Sand nach kleinen verdorrten Hölzchen, die man in Deutschland keinem Tier als Futter zumuten würde. Normalerweise ist die Weihnachts- und Silvestertour mit einem festen Basiscamp, da aber das Wetter stabil ist, beschließen wir die ersten beiden Nächte unter riesigen Felsvorsprüngen zu verbringen. Wir schlafen also am Lagerfeuer ohne Zelt. Als wir am dritten Tag das Lager erreichen, bekommen wir alle ein eignes Igluzelt, in dem wir unser Hab und Gut verstauen können, das ist sehr praktisch. Schlafen werde ich allerdings nur eine Nacht darin, denn irgendwie ist es doch ungemütlich und kalt und einsam darin. Fortan ist mein Platz neben der Feuerstelle im offenen Beduinenzelt. Hier sitzen wir abends noch gemeinsam mit unserem Guide Suleman und dem übrigen Personal zusammen. Suleman hat 17 Geschwister und die Brüder sind jeweils einige Jahre als Guide beschäftigt. Nachfolger Ali ist auch dabei um das „Handwerk“ von seinem großen Bruder zu erlernen. Dieser unterhält uns mit Spielen und Geschichten und ist stets hilfsbereit. In der langen Mittagspause und am Abend in der Dunkelheit klettern wir auf die umliegenden Felsen, im Schein des Vollmonds herrscht in der Wüste eine magische Stimmung.

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Während der sechs Reittage durchstreifen wir immer neue Schluchten und Ebenen und sind jedes Mal aufs neue entzückt von Farben und Formen. Einzig die ersten 2 Reittage sind nicht ganz perfekt, denn einer der Franzosen erweist sich als ziemlicher Anfänger. Am zweiten Tag rutscht er vom Pferd, als dieses nur antrabt. Zunächst war geplant ihm ein neues besonders ruhiges Pferd zu geben, doch nun legen ihm unsere Guides nahe stattdessen Wanderungen und Jeepfahrten zu unternehmen, was er dann auch tut. Anschließend traben und galoppieren wir ungehindert auch mal längere Strecken. Die meiste Zeit wird jedoch im Schritt geritten, aber langweilig wird es nie, denn die Landschaft um uns herum hält uns im Bann. Ein Highlight ist die riesige Sanddüne, sowie die große Brücke unter der wir alle nacheinander fürs Foto posieren. Außerdem bestaunen wir Felsritzungen, uralte nabatäische Dämme und riesige Felsbrüche. Offenbar wurden bisher aber noch keine schlafenden Touristen unter diesen begraben...

Mein Pferd wird am dritten Tag ausgetauscht, denn Saim hatte am ersten Abend eine Kolik und soll sich auskurieren. Dafür bekomme ich nun die unermüdliche Saba. Am ersten Tag ist ihr Eifer kaum zu bändigen, besonders im Galopp. Nachdem ich aber herausgefunden habe, an welcher Position sie beim galoppieren am besten geht, ist es deutlich entspannter. Nun haben wir eine recht klare Ordnung: vorne die drei flotten Stuten, dann die gemütlicheren Wallache und am Ende Hengst Antar. Saba gefällt mir mit ihrem Temperament, sie ist sensibel, aber sehr freundlich. Nur für nabatäische Dämme und laurenceische Bauwerke hat sie nicht viel übrig, so das ich diese Dinge eher im Vorbeireiten wahrnehme. Naja, viel mehr als diese Steinmauern interessiert mich ohnehin die gigantische Landschaft...

Die über 20 Pferde leben in einem großen Offenstall zusammen. Kleinere Bisse und Tritte lassen sich bei deren Temperament nicht ganz vermeiden. Bei unserer Rückkehr können wir die Pferde beim ausgelassenen Toben beobachten. Unterwegs sind die Pferde an langen Stricken angepflockt, am Basiscamp stehen auch ein paar Boxen bereit. Gelassen liegen Sie im Sand und dösen.

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Am letzten Reittag erwartet uns noch eine bizarre Überraschung: Mufleh, der älteste Bruder unseres Guides lädt uns ein beim Dromedarrenntraining zuzusehen. Natürlich sagen wir nicht nein und steigen in den überbesetzten Jeep. Da er es eilig hat, rasen wir über die Sandpisten nur so dahin, hätte ich doch meinen Reithelm an, der wäre hier sinnvoller gewesen als beim Reiten... Sämtliche Tachos sind bei den Wüsten-Jeeps übrigens kaputt, zu gerne hätten wir gewusst, in welchem Tempo wir unterwegs sind. Als wir ankommen, werden gerade zwei Dromedare für das Training fertig gemacht. Stolz präsentiert uns Mufleh sein riesiges Dromedar, das einen kleinen Kasten hinter dem Höcker trägt. Ein Reiter erübrigt sich; in Jordanien werden Dromedare für Rennen wie ferngesteuerte Autos mit Hilfe eines Walkie-Talkies angetrieben. Hinzu kommt noch eine ferngesteuerte Gerte, falls die Tiere die Stimmsignale ignorieren. Während das Dromedar die 4 km lange Rennbahn abgaloppiert, fahren wir mit insgesamt vier Fahrzeugen nebenher. „Früher haben wir unsere Kinder drauf gesetzt, aber sein 3 Jahren haben wir die Walkie-Talkies, da ist das nicht mehr nötig.“, erklärt Mufleh. Den ganzen Tag sind die Männer mit ihren Dromedaren beschäftigt, es ist ein richtiger Volkssport, für uns Europäer dagegen ein völlig verrücktes Erlebnis.

Wieder zurück bei den Pferden brechen wir auf zum letzten Ritt, zurück zum Stall. Ein letztes Mal über die weite Ebene, dabei könnten wir ewig weiter reiten. Nachts suche man sich einfach eine Felswand, mache ein kleines Lagerfeuer, schlürfe den süßen Schwarztee..., was für ein Leben! Aber nein, schon kommt unser grausamer Fahrer und bringt uns nach Kerak zur Burgbesichtigung. Die uralte riesige Kreuzritterburg thront auf einem hohen kegelförmigen Berg und die Aussicht ist beeindruckend. Anschließend geht es ans tote Meer, das wir noch gerade rechtzeitig vor Sonnenuntergang erreichen. Der Check-in in unser 5-Sterne-Luxus-Hotel funktioniert ungefähr wie auf dem Flughafen und dauert einfach viel zu lange. 15 Minuten bleiben uns noch um auf dem Meer zu treiben und uns mit Schlamm einzuschmieren. Dafür genießen wir nach einer Woche Fladenbrot, Reis, Lamm, Huhn und Gemüse das große Büffet in vollen Zügen. Europa meldet wieder Schneechaos und ich hoffe insgeheim, dass der Flieger diesmal nicht starten kann. Schließlich habe ich noch Urlaub und wäre ohne Weiteres bereit, noch eine Woche durchs Wadi Rum zu reiten. Es gibt allerdings keinerlei Probleme mit dem Rückflug und so muss ich wohl ein anderes Mal wieder kommen...

Jessica Kiefer

Link zur Reise:http://www.reiterreisen.com/rum010.htm
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